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Kinderuni über Informatik: „Der PC ist wie ein Schachspieler“

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Als Informatiker kann man die Welt ein bisschen besser machen, sagt Karl-Heinz Krempels.
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„Ich gebe das ja nicht gern zu, aber manchmal klappt es bei uns nicht mit dem Fahrplan“: Michael Carmincke von der Aseag war gestern eine Art Gastdozent bei der Kinderuni, als es um das Thema Reisen und Informatik ging.

Aachen. Wer eine Reise plant oder buchen möchte, dessen Weg führt am Internet meistens nicht vorbei. Entweder werden dort Karten gewälzt oder Reiseportale durchstöbert. Wer sein Ziel endlich kennt, sucht auch das richtige Beförderungsmittel im Internet: Wann fährt der Zug von welchem Bahnhof, wie oft muss man umsteigen? Alles ist selbstverständlich und schnell mit Hilfe des Computers abzurufen. Das dahinter massenweise Informatik steckt, vergisst man schnell. Das sagt auch Karl-Heinz Krempels vom Lehrstuhl für Informatik 5 im Interview mit Valerie Barsig.

Herr Krempels, was hat Reiseplanung mit Informatik zu tun?

Krempels: Es steckt ein mathematisches Problem dahinter. Zumindest wenn man Reiseplanung mit dem Internet vornimmt. Gibt man Dinge in eine Suchmaske ein, passiert viel im Hintergrund. Bei der Reiseplanung müssen Wünsche modelliert werden: Wohin soll es gehen und wie kommt man möglichst bequem dorthin? Das, was so eine Suchmaske dann ausspuckt, dahinter steckt Informatik.

Im Moment forschen Sie im Bereich Mobilität. Was genau macht ein Informatiker an der Stelle?

Krempels: Ich habe zum Beispiel mit den Stadtwerken in Osnabrück ein Projekt zur Elektromobilität realisiert, das den ÖPNV mit Car-Sharing zusammenbringt. Diese Kombination kann das Problem von zu vollen Städten lösen, denn ein Car-Sharing-Fahrzeug ersetzt etwa sieben private Pkw. Dadurch, dass Mobilität aber immer komplexer wird – denn man muss Zug, Bus, Leihautos und -fahrräder kombinieren –, steckt hinter einem Auskunfts- und Planungsprogramm eine Menge Informatik.

Ohne Sie gäbe es also weniger Umweltschutz?

Krempels: Ja, denn wenn wir genug Mobilität anbieten, sind Menschen immer weniger zu einem eigenen Auto gezwungen. Zunehmende Mobilisierung ist immer mit Umweltverschmutzung verbunden. Also brauchen wir neue, intelligente Systeme, die es uns ermöglichen, umweltfreundlich zu leben.

Sind in der Region zu viele Autos unterwegs?

Krempels: Das Problem hängt mit der Stadtentwicklung zusammen: Städte sind immer da entstanden, wo sich alte Wege kreuzen. Dort gab es Handel und Austausch, irgendwann kam die Bahn und damit die Industrialisierung, dann das 21. Jahrhundert mit Internet und Informationstechnologie. Das Problem, das daraus resultiert ist, dass alte Arbeitsplätze an der Werkbank sich ins Büro verlagert haben und diese Büros nicht mehr an den „alten Wegen“ liegen, also an anderen Plätzen als an den alten Haltepunkten und dem Hauptbahnhof. Auch in Aachen ist das so: Das neue Leben ist am Campus Melaten. Die Folge ist, dass 80 000 Menschen jeden Morgen von einer Seite der Stadt auf die andere müssen.

Was kann man da tun?

Krempels: Wir sind dabei, in dem neuen Forschungsprojekt „Mobility Broker“ ein neues Auskunftssystem zu entwickeln. Es soll alle Mobilitätsangebote der Region in einem Portal zusammenfassen. In eine Suchmaschine gibt man ein Ziel ein und erhält eine Reisekette, die alles mit einbezieht, was vorbeifährt. Das sind dann Fernbusse, die Bahn, der Stadtbus, Taxen, Mitfahrzentralen, Car-Sharing-Fahrzeuge und ein Fahrradverleihsystem. Das alles soll auch grenzüberschreitend, also mit Belgien und den Niederlanden, funktionieren.

Was ist dann der Unterschied zwischen einem Informatiker und einem Verkehrsplaner?

Krempels: Der Informatiker liefert dem Verkehrsplaner die Methoden zur Informationsverarbeitung, er ist sozusagen sein Informationsmanager. Heute arbeiten gerade Informatiker viel mehr interdisziplinär. Sie entwickeln Programme gemeinsam mit Psychologen und Linguisten, die dabei helfen festzulegen, welche Größe oder Farbe eine Schaltfläche haben muss. Das kann man zum Beispiel auf Bushaltestellen übertragen: Architekten helfen dabei, dass Bushaltestellen als Landmarken zu erkennen sind und an den Haltestellen sind elektronische Anzeigetafeln, die anzeigen, wann ein Bus kommt, oder ob er verspätet ist. Dahinter steckt dann wieder Informatik.

Ein Informatiker scheint nicht mehr dem Klischee vom Nerd hinter dem Computer zu entsprechen.

Krempels: Sicher nicht. Mit aktuellen Forschungsthemen wie dem Klimawandel, Energie- und Ressourcenknappheit tragen wir dazu bei, dass aus Grundlagenforschung ein sichtbarer Nutzen entsteht und unsere Region lebenswerter und attraktiver wird. Damit ist auch die Interdisziplinarität hier angekommen: Das gesammelte Wissen zu einem Thema macht das Ergebnis von Forschung erst rund, eine einzelne Disziplin gibt eine Lösung aktueller Probleme nicht mehr her.

Aber ganz ohne Formeln und Rechnungen am Computer geht es ja nun auch nicht.

Krempels: Nein. Das ist eben die „Magie im Hintergrund“. Man kann sich das vorstellen, als ob man einen Zauberwürfel lösen will. Grundlagenforschung in der Informatik ist dazu da, verschiedene Möglichkeiten zum Drehen und Wenden zu vergleichen, um schließlich einen guten Weg zu finden, der zum Ziel führt. Der Computer wird wie ein Schachspieler mit der Strategie gefüttert, eben diesen Weg zu errechnen. Genau darum ist Grundlagenforschung, also das Ermitteln von Algorithmen, in der Informatik so wichtig.

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