Kinderuni: Gold blubbert überhaupt nicht

Von: Christina Diels
Letzte Aktualisierung:
4906585.jpg
Ein voller Hörsaal und viele Versuche: Ein Doktorand von Professor Ulrich Simon bereitet eines der vielen Experimente in der Kinderuni zum Thema „Gold“ vor. Foto: Harald Krömer
4906541.jpg
Drängende Fragen: Die scheinen diese beiden Kinderuni-Teilnehmer zu haben. Drangekommen sind sie gestern leider nicht. Foto: Harald Krömer

Aachen. Ein Chemieprofessor, ein riesiger Hörsaal voller Schüler und eine Vorlesung zum Thema Gold: Das ist alles, was Mathias Hartisch (35) darüber weiß, was ihn in der Kinderuni erwartet. Und das ist auch das, was der Lehrer der Grundschule Roetgen an seine Viertklässler weitergibt.

Als Jahrgangsstufenleiter hat er sie motiviert, die Kinderuni zu besuchen. Und so fährt der Lehrer am gestrigen Freitagnachmittag, nachdem der Elternsprechtag vorbei ist nach Aachen.

In der Eingangshalle zum Hörsaalgebäude sieht er seine Schüler, wie sie die Treppen hochlaufen zum Audimax, dem größten Hörsaal der Aachener Uni. Zusammen mit rund 900 Kindern aus der Region zwischen acht und zwölf Jahren. Zum 50. Mal haben die RWTH und unsere Zeitung zur Kinderuni eingeladen. „Es gibt Kinder, die im Januar 2007 dabei waren und heute hier Studenten sind“, sagt Wolfgang Loggen, der die Veranstaltung seitens der RWTH organisiert. Da waren Hartischs Schüler noch Kleinkinder. So wie Moritz (9). Auch der weiß nur: Es geht um Gold. Mehr weiß er nicht. Muss er auch nicht. Das würde ja die Spannung nehmen.

Wie bei der Premiere der Kinderuni steht Professor Ulrich Simon vor dem Nachwuchs. Vor sechs Jahren konnte er seine Kinder als Maßstab nehmen. Heute sind sie 14 und 17 und können ihrem Vater nicht mehr weiterhelfen. Darum setzt er auf Altbewährtes, auf Versuche. Damit will er zeigen, was es bedeutet, dass ein Metall edel ist. So wie Gold. „Es bedeutet, dass es reaktionsträge ist“, sagt er.

Was passiert, wenn man ein Stück Gold in Säure legt? Nichts. „Gold zeigt sich unbeeindruckt“, sagt der Professor. Legt er dagegen Zink in dieselbe Säure, sprudelt es im Reagenzglas, denn Zink löst sich auf. „Wie das da blubbert“, sagt Moritz zu seinem Nachbarn.

Vorne im Saal zeigen zwei Jungen auf. Doch Simon nimmt sie nicht dran, vielleicht sieht er sie nicht. Er nimmt aber auch keine anderen Kinder dran. Stattdessen fährt er fort mit seinem Vortrag und seinen Versuchen. Ist Gold am Ende unzerstörbar? Das nun auch wieder nicht. Es gibt eine Flüssigkeit, die selbst Gold auflöst. Königswasser heißt sie, und sie ist nicht ganz ungefährlich. Weil ätzende Materialien im Hörsaal nichts zu suchen haben, haben Simons und seine Mitarbeiter den Versuch im Labor laufen lassen und abgefilmt. Den entstandenen Film zeigen sie den Kindern.

Das kleine Stück Gold löst sich auf im Film, übrig bleiben gelbliche Kristalle. Die nennt man Goldsalz. „Und aus diesem Goldsalz kann man Goldnanopartikel herstellen“, sagt Simon. Ein Nanopartikel ist der milliardste Teil einer Maßeinheit, steht auf der Folie. Wie klein ist das? „Stellt euch mal eine Fußball vor, wie der sich zur Erde verhält“, sagt der Professor. „Das Nanoteilchen verhält sich zum Fußball ungefähr so wie der Fußball zur Erde.“ Ob die Kinder das verstanden haben? „Oh, das ist schwer vorzustellen“, sagt Moritz. Immerhin hat er nun ein Bild von den Größenverhältnissen im Kopf.

Um die Nanopartikel herzustellen nehmen Chemiker wie Simon ein Glas mit Goldsalz. Darein geben sie Zitronensäure. Die überführt das Goldsalz in metallisches Gold, beschränkt aber gleichzeitig das Wachstum. Es bildet sich also kein Goldklumpen zurück, sondern kleine Goldteilchen.

Hände in die Luft

Forscher beschäftigen sich seit einigen Jahren mit diesen Goldnanopartikeln. Weil sie sich davon viel versprechen. Zum Beispiel für die Medizin. Die beiden Kinder im Saal recken immer noch die Hände in die Luft. Vergeblich.

Viele Kinder im Saal werden unruhig. Auch Moritz rutscht auf seinem Stuhl hin und her. Dann schaut er aber nochmal nach vorne. Professor Simon spielt einen letzten Film ein. Da geht es darum, dass Goldpartikel in Zukunft helfen könnten, das Wachstum von Krebszellen zu stoppen.

Und während Professor Simon seine Vorlesung auf einer Folie zusammenfasst zum Abschluss, zieht Moritz sich schon seine Mütze an. Er ist froh, dass er jetzt nach Hause gehen kann. Eine Zeitstunde ist um. Auch Lehrer Hartisch beobachtet, dass nach einer „guten ersten halben Stunden“ die Konzentration nachgelassen hat. Trotzdem fährt er zufrieden nach Hause. „Es kommt nicht darauf an, dass die Kinder Dinge behalten und mitschreiben, sondern dass sie beobachten können.“ Dazu hatten sie ausreichend Gelegenheit.

Leserkommentare

Leserkommentare (3)

Sie schreiben unter dem Namen:



Diskutieren Sie mit!

Damit Sie Artikel kommentieren können, müssen Sie sich einmalig registrieren — bereits registrierte Leser müssen zum Schreiben eines Kommentars eingeloggt sein. Beachten Sie unsere Diskussionsregeln, die Netiquette.

Homepage aktualisiert

Finden Sie jetzt neue aktuelle Informationen auf unserer Startseite

Wieder zur Homepage

Die Homepage wurde aktualisiert