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Kinderuni: Alles über den großen Karl

Von: Christina Diels
Letzte Aktualisierung:
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Keine Reise mit der Zeitmaschine, aber ein Rückblick in die Ära Karls des Großen: Den gibt Professor Harald Müller (l.) in der Kinderuni. Und sein Mitarbeiter sitzt als gekrönter „Karl“ daneben. Foto: Harald Krömer
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Fasziniert auch 1200 Jahre nach seinem Tod: Ob als Statue vor dem Aachener Rathaus oder als Thema im Vortrag der Kinderuni, Kaiser Karl beeindruckt bis heute. Foto: stock/manngold

Aachen. Mit einer Zeitmaschine hätte Harald Müller (51) seine rund 400 jungen Zuhörer am Freitagnachmittag zurück ins Mittelalter schicken können. An die gedeckte Tafel mit Karl dem Großen. Hat er aber nicht. Weil natürlich selbst ein Professor für Mittlere Geschichte an der RWTH Aachen keine Zeitmaschine besitzt.

Doch auch ohne sie hat Müller in seinem Vortrag im größten Hörsaal der Aachener Uni die Geschichte des Kaisers in der Kinderuni lebendig werden lassen. In der Veranstaltung der RWTH und unserer Zeitung, unterstützt von der Stawag, und vorab im Interview spricht Harald Müller über den Herrscher, der die Stadt Aachen und Europa geprägt hat.

Ein komplettes Jahr zu Ehren von Kaiser Karl, warum ist das angemessen?

Müller: Ein Jahr Karl. . . (Pause). Ich weiß nicht, wer sich das ausgedacht hat. Anlässlich des Jubiläums zu seinem 1200. Todestag sollte man auf jeden Fall an ihn erinnern. An den Mann, der diese Stadt und Europa so geprägt hat. Das gibt es nirgendwo sonst. Aber ob es ein Jahr sein muss, darüber kann man streiten.

Was macht Karl den Großen bis heute so berühmt?

Müller: Er war der alles überragende Herrscher des deutschen Mittelalters, der ein riesiges Reich unter sich hatte. Karl der Große war ein Impulsgeber, auch wenn er kein Gelehrter war. Die kulturelle Formung eines Teiles von Europa, die ist schon durch ihn und seinen Hof erfolgt. Und es gibt keinen, auf dessen Namen so viele Fälschungen ausgestellt worden sind. Man dachte also viele Jahrhunderte lang, wenn man eine Urkunde von Karl dem Großen hat, sei das unangreifbar.

Wo können Kinder in Aachen heute Spuren von Kaiser Karl sehen?

Müller: Vor allem in der Marienkirche, also dem heutigen Dom. Aber auch am Granusturm und im gesamten Untergeschoss des Rathauses, das ist weitgehend aus karolingischer Zeit.

Und woanders in Europa?

Müller: Teilweise findet man Überreste in Ingelheim. Dann gibt es noch kleinere Geschichten in Paris und in Italien. Aber es gibt keinen Ort auf der Welt, wo so viel Bausubstanz aus der Zeit Karls des Großen erhalten ist wie in Aachen. Hier weiß man obendrein, dass er das selbst in Auftrag gegeben hat.

Was ist von Kaiser Karl im Schrein nach 1200 Jahren noch übrig?

Müller: Eine stattliche Anzahl von Knochen. Und die gehören auch tatsächlich zu einem Skelett, das in die Zeit von Kaiser Karl passt und einem älteren männlichen Franken als Träger gehört. In vielen Schreinen, etwa dem Annoschrein in Siegburg, liegen auch viele Knochen, aber sie gehören nicht zu einem Skelett. Das Skelett im Marienschrein dagegen, das gehört einem Mann und ist homogen. Auch wenn man natürlich nicht sicher weiß, ob es tatsächlich die Knochen von Kaiser Karl sind.

Wenn die Kinder in der Kinderuni in einer Zeitmaschine zurückfahren könnten – was für einen Mann würden sie vor sich sehen?

Müller: Sie würden vor einem Krieger stehen, einem kräftigen, sportlichen und energischen Mann. Karl war ein Mann, der vielfältig interessiert war, an den Volksrechten, aber auch an Liturgie. Er war tatkräftig und hat sich die Leute geholt, die er brauchte: die, die gut bauen konnten oder die, die gut Latein beherrschten.

Was konnte Kaiser Karl selbst besonders gut?

Müller: Karl der Große war offensichtlich ein energischer Krieger, wohl auch ein Politiker, der die Gelegenheit ergriff, wenn sie sich ihm bot. Und man muss ihm zuschreiben, dass er sich um die Fragen von Religion, die zu der Zeit mit Kultur gleichzusetzen ist, kümmerte. Das ist das Langzeiterbe. Karl hat die Vereinheitlichungen des Glaubens auch als Klammer zum Zusammenhalten seines Reiches genutzt.

Wer hat sich den Beinamen „der Große“ ausgedacht?

Müller: So ein Name wird immer erst später vergeben. Als Karls Sohn und sein Enkel das riesige Reich verspielt hatten, das Karl zusammengebracht hatte, da wirkte er noch größer. Karl konnte es, und die anderen konnten es nicht, so kam der Beiname „der Große“ dazu. Auch wenn er natürlich auch Glück gehabt hat. Wer regiert schon so lange? Dreimal so lange wie Helmut Kohl Kanzler war.

Und wie groß war Karl der Große wirklich?

Müller: Nach neusten Erkenntnissen war er um die 1,80 Meter. Das war groß für die damalige Zeit. Karl war also auch körperlich eine imposante Erscheinung, nicht hager, sondern kräftig, ein Athlet.

War es schlimm für Karl, dass er nicht schreiben konnte?

Müller: Schreiben gehörte nicht zu den Dingen, die Karl können musste. Ich glaube allerdings schon, dass er in der Lage war, sich etwas zu notieren. Sein Biograf Einhard schreibt, dass Karl nachts mit einem Täfelchen schreiben geübt hat. Schreiben gehörte damals nicht zur Elementarausbildung so wie heute, sondern es war wie eine Art Handwerk. Und die Adligen, die nicht Priester wurden, die lernten das nicht. Die konnten gut mit dem Schwert umgehen. Und sie konnten reiten. Aber ihre Hände waren zu ungelenk, um zu schreiben. Bis ins 13. Jahrhundert findet man Urkunden, auf denen hohe Adlige wie Erstklässler mit ihrem Namen unterschrieben.

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