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Kinderträume: Aachener sammelt Lego-Artikel aus Anfangsjahren

Von: Ulrich Simons
Letzte Aktualisierung:
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Made in Leverkusen: Lego-Sammler Sven Köppchen mit seiner Kollektion der „Bayer-Steine“.
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Wie alles begann: Hölzerne Feuerwehr-Drehleiter von Lego aus den 40er Jahren.

Aachen. Zurück in glückliche Kindertage geht es zwei Treppen hinauf unters Dach, und eigentlich hatte Sven Köppchen dieses Kapitel seines Lebens bereits abgehakt. Dann wurde 1998 sein Sohn Bennett geboren, und ein paar Monate später meldete sich Köppchens Mutter am Telefon.

Die brauchte Platz in ihrem Keller und wollte wissen, ob ihr Sohn angesichts des Familienzuwachses nicht wieder Verwendung für die drei rappelvollen Lego-Kästen in ihrem Keller habe.

Sollte die Oma bei der Anfrage ihren Enkel im Hinterkopf gehabt haben, ist die Sache gründlich schiefgegangen. Denn nicht der Junior machte sich über die bunten Steine her, sondern auch der Vater. Der hat ein Dachzimmer seines Hauses im Aachener Stadtteil Brand inzwischen zu einem richtigen Lego-Museum hergerichtet, in dem kaum etwas fehlt, was die Spielzeugmacher aus Dänemark zwischen 1936 und 1974 produziert haben.

Die ersten Lego-Steine, damals noch einfache, bunte Holz-Bauklötze, stehen ebenso bei ihm im Regal wie die hölzernen Nachzieh-Enten aus den Anfangsjahren der Marke mit den vier Buchstaben, deren Name sich vom Dänischen „leg godt“ („spiel gut“) ableitet. Motive, die jeder Junge kennt, der in den 60er Jahren mit Lego gespielt hat, lassen sich teilweise bis in diese „Holz-Zeit“ zurückverfolgen. Die legendäre Lego-Garage mit der beweglichen Rampe, die das Tor blockierte und erst freigab, wenn sie durch das Gewicht eines Autos niedergedrückt wurde, gab es schon in den 40er Jahren, damals aus Holz.

Im Regal nebenan liegen in zwei Schachteln die Vorläufer der legendären Noppen-Steine, für die Mitte der 40er Jahre der britische Spielzeughersteller Kiddicraft das Patent besaß. Lego verkaufte die Steine geringfügig modifiziert ab Ende der 40er Jahre in Dänemark unter der Bezeichnung „Automatic Binding Bricks“. Erst 1981 soll Lego die Rechte von Kiddicraft erworben haben.

Da war der Legostein auch schon ein bisschen „deutsch“ geworden. Sven Köppchen zieht ein großes Kunststoff-Magazin, das aussieht wie ein gigantischer Malkasten, unter einem Regal hervor. Drinnen sechs Reihen unterschiedlich großer Legosteine in Farben, die nie in einem Händlerregal gesichtet wurden. Die Geschichte dazu liefert der Lego-Experte postwendend nach: 1965 war es, und bei Lego herrschte große Not. Die Steine aus Zellulose-Acetat verzogen sich, was nicht gerade zur Stabilität der Bauwerke beitrug. Also fragte man bei Bayer in Leverkusen an, ob die Steine nicht mit höheren Klemmkräften hinzubekommen seien.

Bayer tüftelte und testete, probierte unterschiedliche Materialien und Farben. Auf diese Weise entstand eine ganze Kollektion von „Bayer-Steinen“, die man an den einzelnen Buchstaben auf den Noppen erkennt, dort, wo heute der kleine Lego-Schriftzug steht.

Stein 8F ging schließlich in Serie und ist bis heute der Urvater aller Lego-Steine. Zurück blieben nach Abschluss des Projektes Tausende Steine, für die Lego keine Verwendung hatte, und die Bayer zum Weihnachtsfest 1965 säckeweise an die Mitarbeiter in Leverkusen verschenkte. „Noch heute findet man auf Flohmärkten rund um Köln die Bayer-Steine“, erzählt Sven Köppchen.

Und so verfliegen die Minuten und Stunden in dem kleinen Lego-Museum. Zu fast jedem Exponat hat der Hausherr eine Geschichte parat, wie auch zur Lok 721, die er 2001 in Mutters Lego-Kisten aus dem Keller fand – ohne Bauanleitung. Nach fünf Stunden Internet-Recherche wurde er schließlich auf einer Seite mit dem beziehungsreichen Namen www.1000steine.de fündig und meldete sich auch gleich im dortigen Forum an. Die Antwort ließ an Klarheit nichts zu wünschen übrig: „Willkommen im Club. Ab jetzt lässt es Dich nicht mehr los.“ Der unbekannte Verfasser sollte Recht behalten.

Dänemark wurde plötzlich ein äußerst interessantes Urlaubsziel. Praktischer Hintergrund: „Die Dänen und Schweden hatten keinen Krieg. Deren Keller stehen noch voll mit altem Spielzeug. Das ist bei uns alles verbrannt.“ Vieles davon wird heute noch auf Flohmärkten angeboten, weshalb Sven Köppchen nicht ohne Stolz hervorhebt, dass er bei den Skandinavien-Urlauben mit der Familie stets einen Tag „frei“ bekam. Das Ziel waren dann immer Trödelmärkte in der näheren Umgebung. Von nichts kommt eben nichts.

Die 721 aus dem Jahr 1968 hat er jedenfalls noch in der gleichen Nacht wieder zusammengebaut, nachdem er die Baupläne im Internet gefunden hatte. „Als ich fertig war, hatte ich Pipi in den Augen.“

Liebevoll setzt er die kleine Lok mit dem Batterie-Tender aufs Gleis. Dann holt er das wichtigste Utensil hervor: eine kleine Flöte, die heute zu richtig stolzen Preisen auf Flohmärkten gehandelt wird, weil sie meist weg war, wenn Mutter das Kinderzimmer aufgeräumt hatte, oder kaputtging, wenn einer von den „Großen“ versehentlich drauf trat. Ein kurzer Pfiff – und die kleine Lok setzt sich in Bewegung. Oben auf der Flöte ist ein kleiner Schieber. Verstellt man den, ändert sich die Tonhöhe. Jetzt ein Pfiff – und die Lok fährt rückwärts.

Noch irgendwelche Wünsche? „Es gab von Lego mal einen Krankenwagen im Maßstab 1:43“, sagt Sven Köppen. „Den suche ich noch. Ansonsten bin ich rundum glücklich.“ Man glaubt es ihm aufs Wort.

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