Kinder- und Jugendmuseum: Sehen, lachen, Sachen machen

Von: Martin Thull
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Region. Kein leichtfertiges Versprechen: „Staunen, sich wundern, handeln, fühlen, sehen, lachen, Sachen machen…“. So heißt es einladend am Eingang zu dem Rundgang durch das Kinder- und Jugendmuseum im „Naturgut Ophoven“ in Leverkusen. Und: „Willkommen beim Fest der Sinne.“ Wir befinden uns in einem Museum der besonderen Art.

Hier wird nicht nur versprochen, stets mit neuen Überraschungen rechnen zu müssen, dieses Versprechen – und noch viel mehr – wird gehalten. Die vielen Stationen, an denen die – vor allem jungen – Besucher Fragen beantworten, Erfahrungen machen oder begonnene Wissensfäden weiterspinnen sollen, sind auch für Erwachsene anregend.

Und so soll das gemeinsame Erkunden mit allen Sinnen Freude machen und im besten Fall auch zu einem Erkenntnis- gewinn führen. Es beginnt in einem Raum für die Augen, in dem es optische Täuschungen zu entlarven gilt. Dann ein Spiegelkabinett, das zunächst verwirrt, ehe sich die vielen Effekte wie von selbst erklären. Und zeigen, dass ein Spiegel, hat er nur die richtige Krümmung, vergrößern kann oder schlank machen. Nur als Beispiel.

Oder eine Ecke, in der es duftet. Nach Honig oder Pfefferminze, nach Heu, Mandarine oder Nadelbäumen. Wenn der Besucher denn auf die entsprechende Taste drückt und seine Nase an den kleinen Duftspender hält. Und dann kann er feststellen, dass Düfte warm oder kalt empfunden werden können, als fies, lecker, süß oder bitter.

Dann wird es eher ernsthaft, wenn ein CO2-Rechner ermittelt, wie viel dieses Schadstoffes der Besucher verursacht. Und dabei auch erklärt wird, wie zu hoher CO2-Ausstoß verringert werden kann. An anderer Stelle wird vorgerechnet, dass die tägliche körperliche Leistung von zehn Erwachsenen einer Kilowattstunde entspricht.

Und demzufolge der tägliche Strombedarf eines einzigen Menschen erst gedeckt würde, wenn 60 Menschen Tag und Nacht ohne Unterbrechung für ihn arbeiten würden. Da mag es schon sinnvoll sein, dass Forscher früher Kraftwerke erfunden haben, die diese Arbeit übernehmen.

Nur: Zwar ist der Strom, der aus der Steckdose kommt, „sauber“, denn er qualmt oder zischt ja nicht, sehr wohl aber benötigen die Stromerzeuger in ihren Kraftwerken große Mengen an Kohle, Gas und/oder Erdöl – mit den schädlichen Nebenwirkungen.

Noch so ein Alltagsproblem: Die meisten Elektrogeräte verfügen über eine Stand-by-Funktion. Diese verbraucht, alles zusammengerechnet, den Strombedarf der Stadt Berlin pro Jahr. Doch vielleicht sollte man dies kindgerecht in Taschengeld umrechnen? Aber immerhin – die Museumsmacher und -pädagogen haben sich an jeder Stelle erfolgreich bemüht, so verständlich wie nur irgend möglich auch komplizierte Sachverhalte zu erklären. Und immer wieder wird auf den Alltag der Besucher zurückverwiesen.

Natur und Technik

Das gilt auch für „Stadtspaß“ in der ersten Etage des Gutes Ophoven. Hier geht es um Technik und Natur. Und wie beides zusammengehört und sich ergänzt. Und die Lebensqualität der Menschen bestimmen kann. Die Technik sorgt – neben anderem – für Entwicklungen im Gesundheitswesen, die Natur bietet Entspannungs- und Erholungsräume. Und doch gibt es Menschen, die vor beidem Angst entwickeln können. Nichts ist eindeutig gut oder schlecht.

Und deshalb gilt es, die Vorzüge aller Bereiche miteinander zu verbinden. Etwa die Wegplanung so optimieren, dass Radfahrer und Fußgänger zu ihrem Recht kommen und Busse und Bahnen sinnvolle Ergänzungen darstellen, ehe das private Auto genutzt wird. Dies wird erneut spielerisch vermittelt.

Und so nebenbei lernen Kinder und Jugendliche mehrere gelbe Telefonzellen kennen, Überbleibsel gar nicht so lange verflossener Zeiten. In ihnen können die Besucher Tiere anrufen, Bäume und Pflanzen. „Conny“ erläutert dann die Lebensweise von Buntspecht, Eichhörnchen oder Schnecke, von Ahorn, Apfel oder Kastanie, von Brennnessel, Gänseblümchen oder Klee.

Zwischendurch gibt es Gelegenheit, durch Mikroskope Schmetterling, Wespe oder Stubenfliege genauer zu betrachten, auch Schabe und Spinne sind zu sehen. Und es ist zu erfahren, dass die Florfliege inzwischen eigens gezüchtet wird, um in großen Gewächshäusern die Blattläuse biologisch einwandfrei ohne Chemikalien zu bekämpfen.

Schließlich die dritte Abteilung dieses einzigartigen Museums mit der „Suche nach dem Klimaglück“. Den Besuchern wird vermittelt, dass Glück schon bedeuten kann, lesen oder miteinander reden zu können oder Wale zu sehen. Die verschiedenen Lebensräume von Kindern und Jugendlichen in Indien, Australien, Afrika und Kanada werden ansatzweise aufgeblättert und deren Lebenssituation veranschaulicht.

Und es wird vermittelt, dass Glück nicht unbedingt viel Geld bedeutet. So kann in einem Studio von „India TV-Live“ eine Nachrichtensendung fingiert werden, um den Kontrast zwischen heimischem Sofa und Lebensumständen im fernen Indien darzustellen. Oder an anderer Stelle, wie schwer es ist, in Afrika mit dem kostbaren Wasser sinnvoll umzugehen.

Und bei den verschiedenen – symbolisch gefüllten – Wassereimern, die Tiere, Menschen oder Pflanzen versorgen, steht einer, der nicht zu heben ist: 11.000 Liter Wasser würde er enthalten. Soviel braucht eine Baumwollpflanze, um ein Kilogramm zu produzieren, was wiederum für eine einzige Jeans benötigt wird. Das Wasser im Beispiel kommt aus dem Tschadsee, der zwar heute noch so groß ist wie das Land Berlin. Vor 60 Jahren aber war er noch 26 Mal so groß.

Im Freigelände

Und so geht es Station für Station weiter. Das ist eindrucksvoll. Und lehrreich. Und unterhaltsam. Aber damit nicht genug. Das Freigelände bietet weiteres Anschauungsmaterial. An zahlreichen Stationen gibt es Informationen und Hinweise, auch hier möglichst viel sinnlich zu erfahren: Ein Holztelefon zeigt, wie das Material Schall weiterleitet, in einem Summstein werden Schwingungen auf den Körper übertragen, und für den „Weg der Sinne“ wird empfohlen, barfuß und schweigsam zu gehen, um die unterschiedlichen Untergründe wie Mulch, Kiesel oder Sand dabei besser spüren zu können.

Da ist es fast schon eine Randbemerkung zu erfahren, dass die Spitzmaus zu den kleinsten Säugetieren gehört und so leicht ist wie drei Gummibärchen. Das ist eine Maßeinheit, die jedes Kind versteht. Und wahrscheinlich sogar behalten wird. Ein Selbstbedienungs-Bio-Bistro lädt zur Stärkung ein. Ohne Zweifel, nach so vielen Informationen für den Kopf verlangt auch der Magen nach seinem Recht.

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