Kinder sollen früher Schwimmen lernen

Von: Ulrich Simons
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Man kann nicht früh genug anfangen: Nach den tödlichen Badeunfällen in den vergangenen Wochen fordert die Gewerkschaft GEW, dass Kinder nach dem zweiten Schuljahr schwimmen können. Foto: stock/Waldmüller

Aachen. Drei tödliche Badeunfälle in nur wenigen Wochen: Jetzt hat die Lehrer-Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) Alarm geschlagen und eine Änderung der Lehrpläne für den Schwimmunterricht an Grundschulen angeregt.

 Die bisherige Vorgabe: Grundschul-Kinder müssen ein Jahr lang mindestens eine Stunde pro Woche Schwimmunterricht haben. In welchem Schuljahr der stattfindet, das entscheiden die Schulen selber.

Der GEW ist diese Vorgabe zu weit gefasst. Ihre Forderung: Kinder müssen spätestens mit Ende des zweiten Schuljahres Schwimmen können. Eine Zielvorgabe, die von der Praxis noch ziemlich weit entfernt ist. Eine Studie der Uni Bielefeld ergab, dass fast 30 Prozent der Kinder in NRW beim Verlassen der Grundschule nicht oder nur schlecht schwimmen können.

Die Voraussetzungen, die Anregung der GEW umzusetzen, sind in Stadt und Städteregion Aachen günstig. Wolfgang Müllejans, Vorsitzender des Ausschusses für Schulsport in der Städteregion: „Mir sind keine Probleme rund um das Thema Schulschwimmen bekannt.“ Die Situation sei „richtliniengemäß“. Was eine amtierende Grundschul-Sportlehrerin, die namentlich nicht genannt werden möchte, am Mittwoch dahingehend präzisierte, dass meist doch erst in der vierten Klasse „Schwimmen“ auf dem Stundenplan stehe.

In den Eifelkommunen ist nach Jahren reger Bautätigkeit Ruhe eingekehrt. Monschau und Simmerath verfügen wieder über eigene Hallenbäder, auch für die Roetgener Kinder steht ein (saniertes) Lehrschwimmbecken zur Verfügung.

Im Kreis Heinsberg werden die Forderungen der GEW zumindest teilweise heute schon umgesetzt.„Viele Schulen versuchen, den Schwimmunterricht im zweiten Schuljahr in den Stundenplan einzubauen“, hat Schulrat Christoph Esser beobachtet.

Großes Problem: Im Kreis Heinsberg gibt es ebenso wie im Kreis Düren viele kleinere Kommunen, und nicht jede ist in der glücklichen Lage, wie Gangelt gleich über zwei Lehrschwimmbecken verfügen zu können.

„Ohne Kooperationen funktioniert es nicht“, sagt Christoph Esser. So lernen die Grundschüler aus Selfkant das Schwimmen hinter der Grenze in Sittard, und auch die alte Zechenschwimmhalle von „Carolus Magnus“ in Übach-Palenberg, die der örtliche Schwimmverein betreibt, wird rege für das Schulschwimmen genutzt.

Besonders dramatisch war die Lage in den vergangenen Monaten in Geilenkirchen. Dort sitzen 1033 Schülerinnen und Schüler aus sechs Grundschulen im wahrsten Sinne des Wortes auf dem Trockenen. Anfang April ist das Hallenbad abgebrannt, seitdem liegt der Schwimmunterricht komplett brach.

Im neuen Schuljahr soll ein Notfallprogramm greifen, berichtet der Erste Beigeordnete Herbert Brunen. Die Nachbargemeinde Übach-Palenberg hat in ihrem Ü-Bad einige Nachmittagsstunden für die Schüler aus Geilenkirchen freigemacht. Trotzdem werde das nicht ganz einfach, sagt Herbert Brunen. Der Schwimmunterricht finde außerhalb der regulären Schulzeit statt, zudem sei noch die Kostenfrage für den Schülertransport zu klären. Frühestens 2016 dürfte mit der Neueröffnung des Geilenkirchener Hallenbades das Provisorium beendet sein.

Anna-Helene Lürken, Schulamtsdirektorin im Kreis Düren, nimmt die Eltern in die Pflicht. Schule könne nicht alle Erziehungsaufgaben übernehmen, und wer mit seinen Kindern ans Meer fahre, müsse dafür sorgen, dass die Kinder schwimmen können, unabhängig vom Schuljahr. Allerdings werde auch im Kreis Düren vor dem Hintergrund von Schwimmbad-Schließungen die Lage nicht einfacher, und nicht überall funktionere das so „klasse“ wie in Aldenhoven-Siersdorf, wo ein Förderverein das Schwimmbad übernommen habe.

Doch nicht immer sind Kinder die Opfer bei Badeunfällen. Viel öfter bringen Erwachsene sich in Gefahr, warnt die DLRG. Die Statistik belegt das. Spitzenreiter bei den Badeunfällen sind seit Jahren Männer über 50. Meist stecke Selbstüberschätzung dahinter, sagen die Lebensretter. Bei vielen kapitulieren Herz und Kreislauf vor der Anstrengung. Vor allem, wenn zusätzlich Alkohol mit im Spiel ist.

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