Kinder fliegen im Hörsaal auf den Mars

Von: Christina Diels
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Der größte Hörsaal der Aachener Uni, gefüllt mit noch sehr jungen angehenden Wissenschaftlern: Die Teilnehmer der Kinderuni verfolgen im Audimax den Vortrag über „Virtuelle Welten“ von Professor Jürgen Roßmann vom Institut für Mensch-Maschine-Interaktion der RWTH Aachen. Foto: Harald Krömer
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Fasziniert von den vielen Videos in der Kinderuni, schauen auch diese beiden Mädchen konzentriert nach vorne. Foto: Harald Kroemer

Aachen. Wie wird es einmal ausgehen, wenn der erste Mensch auf dem Mars landet? Wenn er den ersten menschlichen Fußabdruck auf dem roten Planeten hinterlässt? Leider lässt sich so eine Landung nicht so einfach ausprobieren. „Der Mars ist nicht besonders gastfreundlich“, sagt Jürgen Roßmann, 49. Bis der erste bemannte Flug auf dem Mars landen wird, werden vermutlich noch ein paar Jahrzehnte vergehen. Doch im Hörsaal Audimax kamen am Freitag schon die Kinder auf ihre Kosten.

Der Professor vom Institut für Mensch-Maschine-Interaktion im Hörsaal hat dort den Kleinen Bilder von Robotern gezeigt, die schon auf dem Mars gelandet sind. „Wir schicken sie auf den Mars, damit sie erkunden, wie es dort aussieht.“

Rund 900 Augenpaare schauen konzentriert auf das Video vorne an der Wand. Auch Pascal, 8, Drittklässler an der Domsingschule Aachen, in Reihe 6, lässt die Augen nicht davon. „Meine große Schwester will Astronautin werden“, sagt er. „Ich glaube, die will auch mal auf den Mars fliegen.“ Für sich selbst kann er sich das nicht vorstellen. Er will Tierforscher werden.

Auch seine drei Freunde, die neben ihm sitzen, sind ganz ruhig und blicken gebannt auf die Bilder von dem Rover, der nach neun Monaten Reisezeit an Bändern auf den Mars heruntergelassen wird.

Und wenn nun eines Tages ein Mensch auf dem Mars landen will? „Es ist gar nicht so einfach dahinzukommen mit unseren heutigen Raumschiffen“, sagt Roßmann. Eine günstige Position der beiden Planeten zueinander trete nur alle zwei Jahre auf. „Wenn wir heute jemanden hinschicken, kann er erst in zwei Jahren wieder zurückkommen.“ Doch auch so lange müssen die Kinder im Saal nicht warten. Denn Forscher wie Roßmann können die Landung und die Umgebung auf dem Mars simulieren. Will heißen: wirklichkeitsgetreu nachahmen, wie es auf dem Mars ist. Und dann muss man nicht dorthin fahren, sondern kann zum Beispiel auf einem Bildschirm sehen, wie es dort ist.

Ein langer Roboterarm

Roßmann ist Fachmann für sogenannte Virtuelle Welten. „Das sind Scheinwelten, die der Computer erzeugt, und in diesen Scheinwelten können Menschen arbeiten, lernen und sich amüsieren“, sagt er. Und auf diesem Weg bringt Roßmann die Kinder auch zu einer virtuellen Version der Internationalen Raumstation. „Da können die Astronauten lernen, wie sie auf einer Raumstation arbeiten. Sie können üben, wie sie einen langen Roboterarm benutzen“, sagt Roßmann.

Eure Zeit, meine Zeit

Roßmann hat viele Videosequenzen mitgebracht. Das gefällt den Kindern. Nur zu Beginn der Dreiviertelstunde stört sich Roßmann am Lärmpegel. Er bittet um Ruhe: „Ihr schenkt mir eine Dreiviertelstunde eurer Zeit, ich schenke euch eine Dreiviertelstunde meiner Zeit“, sagt er. Ob das hilft? Fest steht: Je mehr Videos er zeigt, desto ruhiger werden die Kinder.

Als nächstes sehen die Kinder einen Roboter mit sechs Beinen. „Den werden wir auf den Mond schicken, weil er mit Beinen besser über Steine gehen kann als mit Rädern. Und weil er in Krater reinlaufen und auch wieder rauslaufen kann.“ Die Dimensionen, in denen sich Forscher wie Roßmann bewegen, sind schwer zu fassen für Kinder. Aber sie verfolgen seinen Vortrag aufmerksam. Pascal sagt: „Wenn ich Räder als Beine hätte, würde ich einfach nur herumrasen.“

Und was bringen virtuelle Flüge auf ferne Planeten den Menschen auf der Erde? „Wir können nicht nur virtuell ins All fliegen“, sagt Roßmann, „wir können auch hier unten auf der Erde virtuell einen Wald überfliegen.“ Dafür nehmen Kameras aus dem Flugzeug oder Helikopter heraus Bilder auf. Und aus diesen Bildern berechnen Forscher wie Roßmann die Scheinwelten.

Das kann etwa ein Förster nutzen, um zu schauen, ob in der Tierwelt und mit dem Baumbestand alles in Ordnung ist. „Und dann können wir Brennholz mit Maschinen aus dem Wald holen“, sagt Roßmann. Und zwar ohne gesunde Bäume und Tiere zu verletzen. Denn das Arbeiten an der Maschine können die Waldarbeiter vorher in der Scheinwelt trainieren.

Roßmann könnte den Kindern noch viele Beispiele aufzählen, in denen Scheinwelten den Menschen auf der Erde helfen können. Firmen zum Beispiel können darin eine Produktionsanlage testen, bevor sie sie kaufen und schauen, ob sich die Investition rechnet. Die Kinder werden wieder unruhig. Roßmann beendet die Kinderuni. Der Zeiger der Uhr im Hörsaal ist stehengeblieben. Eine Dreiviertelstunde ist schon längst vergangen.

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