Aachen/Aldenhoven - Kind misshandelt: Eltern freigesprochen

Kind misshandelt: Eltern freigesprochen

Von: Wolfgang Schumacher
Letzte Aktualisierung:

Aachen/Aldenhoven. Nico war erst neun Wochen alt, als ihm seine Eltern drei Rippen brachen. Sein kleiner Körper wies bereits einen „alten” Oberschenkelbruch auf.

Am Dienstag sind seine Eltern aus Aldenhoven im Berufungsverfahren vor einer Jugendstrafkammer des Aachener Landgerichts dennoch vom Vorwurf der Kindesmisshandlung freigesprochen worden, weil nicht zu klären war, wer von beiden das Kind misshandelt hatte.

Das Amtsgericht Düren hatte den heute 21-jährigen Vater wegen Kindesmisshandlung zu zweieinhalb Jahren Jugendstrafe verurteilt, die 22-jährige Mutter zu einem Jahr auf Bewährung. Dagegen hatten Eltern und Staatsanwaltschaft Berufung eingelegt. Die Eltern mit Erfolg.

Eine missliche Situation. Mit argen Bauchschmerzen trat das Gericht zum Urteilsspruch an. Der Vorsitzende Richter Gerd Nohl bemühte sich, die strafrechtliche Seite zu erläutern. Das Paar hatte die Tat stets bestritten. Dass das Kind im Oktober 2006 misshandelt worden ist, steht für das Gericht als sicher fest: „Es kommt niemand anderes in Frage und der Kleine wird sich nicht selbst verletzt haben.”

Einem Baby drei Rippen zu brechen, führte Nohl aus, „das ist wegen der Elastizität der Knochen wesentlich schwieriger als bei einem Erwachsenen.” So habe „erhebliche Gewalt” angewendet werden müssen, um das Kind dermaßen zu verletzen.

Was zum Verdruss der Richter nicht nachweisbar war, ist die konkrete Täterschaft eines der beiden Elternteile. Da einer von beiden das Kind misshandelt haben muss, bleibt aber der Vorwurf der unterlassenen Hilfeleistung und Tatduldung. Jeder der beiden hätte es sein können. Das Strafrecht verlangt aber eine eindeutige Zuordnung der Täterschaft und der Taten. So hieß es: „Im Zweifel für die Angeklagten” - Freispruch.

Nico ist heute drei Jahre alt und lebt in einer Pflegefamilie.
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