Kifferkrise: Kein Hasch mehr für Holland-Touristen

Von: Thomas Burmeister, dpa
Letzte Aktualisierung:

Maastricht/Amsterdam. Rita ist sauer. „Die spinnen”, schimpft die Studentin aus dem Ruhrgebiet. „Wir rauchen hier artig unseren Joint, machen nie Stunk, und nun wollen sie uns weghaben, bloß weil wir keine Holländer sind.”

Wütend wie die junge Deutsche sind auch andere Gäste im Amsterdamer Coffeeshop „Get Down To It”. Italiener, Belgier, Franzosen, Russen - sie alle schwören, „niemals wieder zu kommen, wenn die ernst machen”. Doch genau das machen sie, die Regierenden in Den Haag: Hollands Haschisch-Kneipen müssen in Mitgliederclubs umgewandelt werden. Und Mitglieder dürfen nur „volljährige Bürger der Niederlande” werden.

So hat es das konservative Minderheitskabinett, das sich im Parlament auf den populistischen Islamhasser Geert Wilders stützt, nun beschlossen. Natürlich sei man sich im Klaren, dass dadurch weniger Touristen die Niederlande besuchen werden, erklärt Justizminister Ivo Opstelten von der rechtsliberalen Volkspartei für Freiheit und Demokratie (VVD). Schließlich sei bekannt, dass viele nur nach Holland reisen, „um in den Coffeeshops in aller Ruhe Cannabis zu konsumieren”. Doch die Ausländer sollten in Zukunft „bei sich zu Hause von den dortigen illegalen Märkten Gebrauch machen”.

Dass Holland die Negativ-Reputation als Kiffer-Königreich loswerden soll, hat die im vergangenen Oktober angetreten Regierung unter Ministerpräsident Mark Rutte (VVD) zu einem vorrangigen Ziel erklärt. Nun macht sie sich - wie im Regierungsprogramm angekündigt - an die landesweite Einführung des „Club-Passes”, den der Volksmund „wietpas” nennt, Haschischausweis.

Funktionieren soll das so: Wer kiffen möchte, volljährig und niederländischer Staatsbürger ist, der kauft sich im Haschischclub seiner Wahl für mindestens ein Jahr eine Mitgliedschaft. Beim Einlass wird kontrolliert, ob der „wietpas” zum Ausweis und beides zu der Person passen, die damit Zutritt verlangt. Ein vernetztes elektronisches System soll verhindern, dass jemand schummelt und sich mehrere Haschischausweise besorgt, um damit mehr als die zugestandenen fünf Gramm Cannabisprodukte pro Tag zu kaufen.

Als Opstelten die Regelung voriges Jahr ankündigte, erntete er Lob in Städten und Gemeinden entlang der niederländischen Grenzen. Sie klagen seit Jahren über Belästigungen vor allem durch halbstarke Kiffer aus Deutschland und Belgien. Doch in der Metropole Amsterdam stimmten Betreiber von Haschischkneipen zusammen mit Bürgermeister Eberhard van der Laan in einen großen Aufschrei der Empörung ein.

Ein Rückfall in schlimme Zeiten sei das, wetterte der Sozialdemokrat. „Der Coffeeshop ist eine Amsterdamer Erfindung”, sagte er. Seit 1976 auf Betreiben von Hauptstadt-Politikern das Rauschmittelgesetz reformiert wurde, duldeten Polizei und Justiz den Konsum „weicher Drogen” in lizenzierten Coffeeshops. Wenn man die Haschkneipen für die Hunderttausenden von ausländischen Touristen sperrt, warnte Van der Laan, „haben wir bald wieder die kriminellen Dealer auf den Straßen”. Wie vor 1976 würden die längst nicht nur Haschisch, sondern hochgefährliche Suchtstoffe verhökern.

Hauptziel, sagt die Regierung, sei es natürlich nicht Besucher abzuschrecken, sondern es gehe um die Bekämpfung der organisierten Kriminalität. Die habe sich in der grauen Duldungszone rings um die Coffeeshops ausgebreitet. Viele seien nur noch „legale Fassaden” für einen schwunghaften Handel mit enormen Mengen von Marihuana, die nach ganz Europa verhökert werden. Eindämmen ließe sich das nur durch ein scharfes Kontrollsystem, wie es mit den Haschischclubs „nur für Holländer” geschaffen werde.

Die letzte Hürde war Ende vergangenen Jahres gefallen. Da entschied der Europäische Gerichtshof (EuGH) in Luxemburg, das Ausländerverbot für die Drogenclubs verstoße nicht gegen das Europarecht. Sie wiesen eine Klage von Coffeeshop-Besitzern mit der Begründung ab, die Zutrittsbeschränkung sei keine Diskriminierung von EU-Bürgern, sondern „durch das Ziel der Bekämpfung des Drogentourismus und der damit einhergehenden Belästigungen gerechtfertigt”.

Einziger Trost für Reisende in Sachen Cannabis: Es gibt eine Gnadenfrist, die sich örtlich - vor allem in Amsterdam - recht lange hinziehen kann. Begonnen wird die Einführung des „wietpas”-Sytems laut Minister Opstelten erst nach diesem Sommer. Und zwar zunächst im Süden des Landes. Nach und nach sollen bis spätestens Ende 2012 aber alle derzeit noch rund 670 Coffeeshops zu geschlossenen Clubs werden - oder halt dichtmachen, was man in Den Haag sogar noch viel besser finden würde.
Leserkommentare

Leserkommentare (0)

Sie schreiben unter dem Namen:



Diskutieren Sie mit!

Damit Sie Artikel kommentieren können, müssen Sie sich einmalig registrieren — bereits registrierte Leser müssen zum Schreiben eines Kommentars eingeloggt sein. Beachten Sie unsere Diskussionsregeln, die Netiquette.

Homepage aktualisiert

Finden Sie jetzt neue aktuelle Informationen auf unserer Startseite

Wieder zur Homepage

Die Homepage wurde aktualisiert