Kelmis feiert eine Sprache für mehr als 16 Nationalitäten

Von: lbe
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Louis von Wunsch-Rolshoven spricht seit 30 Jahren Esperanto.

Kelmis. Nur wenige Kilometer hinter der deutschen Grenze singt und spricht man noch bis Sonntag Esperanto. Eine Sprache, die mehr als 16 Nationen miteinander verbindet – und das mitten in Kelmis, Belgien.

Louis von Wunsch-Rolshoven ist zum ersten Mal beim sogenannten Festo, dem Musikfestival der esperantosprachigen Gemeinschaft. Doch nicht nur für ihn ist es eine Premiere, sondern auch für Belgien. Zum ersten Mal nach rund 15 Jahren gastieren die rund 120 Menschen aus aller Welt in Kelmis und finden sich gerade zum Mittagessen ein. „Meistens findet das Festo in Frankreich statt. Hin und wieder wird es in andere Länder verlegt“, weiß von Wunsch-Rolshoven. Die Chance, mit seinem Klapprad von Deutschland nach Belgien zu fahren, hat er gleich genutzt.

„Wir haben hier Menschen aus Brasilien, Russland, Vietnam, Spanien, Italien und vielen Ländern mehr“, sagt Alexandre Raymond. Der gebürtige Franzose lebt inzwischen in Brasilien und ist seit fünf Jahren einer der Organisatoren des Festo und hat mitunter auch eine der weitesten Anreisen. Zuvor hat er Unterkünfte, Lebensmittel und sanitäre Anlagen gesucht und gebucht. Im digitalen Zeitalter geht das mit wenigen Klicks, „früher haben wir vermehrt telefoniert, Briefe geschrieben oder die Esperanto-Zeitung gelesen“, berichtet von Wunsch-Rolshoven, der gerade aus seinem Zelt kriecht und einen roten Pullover mit gelben Sternen darauf zückt. Es ist der Pullover der deutschen Esperanto-Gemeinschaft, denn jedes Land verbindet eine eigene Gruppe. Für das Musikatelier nach dem Essen zieht er ihn an.

„Wir haben circa 250 Treffen pro Jahr“, sagt von Wunsch-Rolshoven. Und das in der ganzen Welt. „Wer mal für zwei Monate eine Auszeit braucht, kann von Treffen zu Treffen reisen“, scherzt er.

Seit einer Woche feiert die Gemeinschaft nun in Belgien – mit jeder Menge Musik, einigen Vorträgen und gemütlichen Abenden. „Wir geben zwei kleinere Konzerte am Tag“, berichtet Wunsch-Rolshoven. Außerdem wird immer mal wieder die Gitarre gezückt, zum Beispiel beim Musikatelier. So auch jetzt. Musik verbindet nun mal. Ebenso wie die einheitliche Sprache Esperanto, die all die Menschen aus Europa, Südamerika und Asien nach Kelmis lockt.

Esperanto ist eine Plansprache, die schon im 19. Jahrhundert von Ludwik Lejzer Zamenhof entwickelt wurde. Die Idee dahinter war, eine neutrale und vor allem einfache Sprache zu entwickeln, die überall auf der Welt gesprochen werden sollte. „Das Ziel ist, dass man nicht mehr viele Sprachen lernen muss, sondern nur noch die eine“, erklärt von Wunsch-Rolshoven. Er selbst spricht Esperanto schon seit 30 Jahren, hat es einst in der Uni gelernt, und nun auch schon an seine Tochter weitergegeben. „Viele übernehmen die Sprache aufgrund ihrer Verwandten“, sagt er, und „hier in Kelmis sind Menschen von einem Monat bis über 80 Jahre“.

Dann brechen alle auf und eilen nach draußen. Dort haben die ersten Musiker schon ihre Gitarren gezückt und einen Stuhlkreis aufgebaut. Ein Stuhlkreis, in dem Dänen neben Brasilianern sitzen und Franzosen neben Vietnamesen. „Das ist das schöne an den Treffen, man kommt mit sehr vielen unterschiedlichen Menschen zusammen“, sagt von Wunsch-Rolshoven.

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