Aachen - „Keiner muss perfekt sein, um am Leben teilzunehmen”

„Keiner muss perfekt sein, um am Leben teilzunehmen”

Von: Sarah Sillius
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Aachen. „Alles perfekt?”, steht auf der kleinen quadratischen Spiegelklappe. Öffnet man sie, ist das eigene Gesicht im Spiegel zu sehen. Dem einen fällt die zu große Nase unangenehm auf, der andere mag vielleicht seine schiefen Zähne nicht oder er ärgert sich über die kahlen Stellen am Kopf.

„Ich hasse meine Nase”, teilt uns Frederik Heinrich derzeit von großen Plakaten herab mit, die auch in der Region hängen. Die spontane Reaktion des Betrachters mag sein: „Hat der keine anderen Probleme?” Frederik Heinrich sitzt nämlich im Rollstuhl. Er ist eines der Gesichter der aktuellen Caritas-Kampagne „Kein Mensch ist perfekt”. Der Verband widmet sich in diesem Jahr dem Thema Inklusion, ruft also zu einem normalen Umgang zwischen Menschen mit und ohne Behinderung auf. Frederik Heinrich hat die gleichen Pro­bleme wie Menschen ohne Behinderung - und wünscht sich deshalb, so normal wahrgenommen zu werden wie jeder andere auch.

„Kein Mensch ist perfekt und keiner muss perfekt sein, um am gesellschaftlichen Leben teilzunehmen”, sagt Diözesancaritasdirektor Burkard Schröders. Diese Botschaft will die Caritas auch an ihrem traditionellen Caritas-Sonntag am 18. September in den Gemeinden des Bistums Aachen verkünden. „Das ist eine gute Form, das Anliegen Inklusion in die Mitte der Kirche zu bringen”, sagt Andreas Wittrahm, Bereichsleiter für Sozialpolitik: „Das fängt schon bei der Frage der barrierefreien Zugänge zu den kirchlichen Räumen und Kirchen an. Bei der Gestaltung von Festen und Freizeiten wird es dann besonders akut.”

Immer noch gebe es Berührungsängste, aber auch handfeste Vorurteile. Schröders spricht von einem Dilemma. „Menschen mit Behinderung möchten einerseits keinen Sonderstatus, denn der sondert sie aus”, sagt er. Andererseits bräuchten sie einen Nachteilsausgleich, damit sie chancengleich am Leben teilhaben können. Dieses Dilemma will die Caritas mit ihrem Jahresmotto auflösen. „Wenn alle Menschen nicht perfekt - oder christlich gesprochen - bedürftig sind, dann gilt auch für alle Menschen, dass sie auf eine inklusive Gesellschaft angewiesen sind.” Demnach würden nicht mehr bestimmte Menschen die Norm bilden, sondern das Anderssein werde zur Grundlage.

Die Caritas-Mitarbeiter haben zur Vorbereitung des besonderen Sonntags das Gespräch mit Seelsorgern gesucht und die Gemeinden mit Materialien und Anregungen für die Gestaltung der Gottesdienste und weiterer Aktionen versorgt. Wichtig ist für die Caritas die Haltung, die von der Kirche ausgeht. Dazu gehöre etwa die sprachliche Gestaltung der Predigt, die für jeden verständlich sein soll - und niemanden ausgrenzt.

Der Caritasverbandhat das Handbuch Inklusion veröffentlicht. Es gibt Infos über Arten von Behinderungen und beschreibt Schritte zur Barrierefreiheit. Eigene Umgangsformen können überprüft werden. Das Buchkann bei der Caritas kostenfrei angefordert werden.
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