„Keiner hörte mir zu“: Naaem Ahmadzy schildert im Dom seine Flucht

Von: kf
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Naaem Ahmadzy (rechts) im Gespräch mit Bernd Mathieu, Chefredakteur unserer Zeitung.

Aachen. Es ist einer dieser Momente an diesem Abend, der einen nachdenklich macht und vor Augen führt, was Verfolgung, Gewalt und Flucht bedeuten. Naaem Ahmadzy ist 18 Jahre alt, vor drei Jahren flüchtete er aus seinem Heimatland Afghanistan.

Zehn Monate war der selbstbewusste junge Mann unterwegs. Er hatte keine Unterkunft, kein Dach über dem Kopf und musste dort schlafen, wo die Nacht über ihm hereinbrach – auf der Straße oder im Wald, bei Wind und Wetter. Die Angst war sein ständiger Begleiter. „Auf meiner Reise habe ich Polizisten in acht verschiedenen Ländern angesprochen und sie gebeten, mir zu helfen. Überall wurde ich weitergeschickt. Keiner hörte mir zu, keiner hat mir geholfen“, erzählt Ahmadzy. Als er in Aachen endlich auf jemanden trifft, der ihm hilft, ist er erleichtert und überwältigt zugleich. Seine Kraft ist am Ende.

Seine Gefühle in diesem Moment kann er bis heute nur schwer ausdrücken. „Man kann sich nicht vorstellen, wie unglaublich schwer die Flucht gewesen ist“, sagt Ahmadzy. Doch der 18-Jährige ist ein Kämpfer. Er beginnt, über seine Erlebnisse auf der Flucht auf seinem Blog zu berichten.

Er lernt Deutsch und fängt an, sich mit der neuen Kultur auseinanderzusetzen. Dass das gar nicht so einfach ist, merkt der 18-Jährige schnell. „In Afghanistan ist es für Frauen ein Kompliment, wenn man ihnen sagt, dass sie zugenommen haben“, erzählt er. In Deutschland habe er schnell gelernt, dass er solche Aussagen lieber bleiben lässt.

Zurzeit besucht er die Hauptschule, sein Deutsch wird von Tag zu Tag besser. Damit aber nicht genug. Ahmadzy verfolgt ein ganz besonderes Ziel. „Ich möchte mein Abitur machen, danach Politikwissenschaft studieren und Politiker werden“, erzählt er Bernd Ma­thieu, Chefredakteur unserer Zeitung, im Gespräch im Aachener Dom. Ahmadzy kann heute wieder lachen. Er hat sich in Aachen gut eingelebt. Seine Fluchterlebnisse vergisst er aber vermutlich nie.

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