Aachen - Keine Tiger, Löwen oder Elefanten: Roncalli ist in der Stadt

Keine Tiger, Löwen oder Elefanten: Roncalli ist in der Stadt

Von: Naima Wolfsperger
Letzte Aktualisierung:
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Akrobatik pur: Das „Duo Viro“. Foto: Andreas Steindl

Aachen. Circus Roncalli aus Köln hat sich Zeit seiner Existenz nicht von Publikumsfaszinationen durch wilde Tiere beeindrucken lassen und schon immer auf die wundersamen und kaum fassbaren Kuriositäten gesetzt, die der Mensch an sich zu bieten hat. Bis zum 31. Mai gastiert Roncalli in Aachen auf dem Bendplatz – zum ersten Mal seit vier Jahren ohne die Höhner.

Zumindest dem Premierenabend hat man die fehlenden Plakate in der Stadt nicht angemerkt. Zum Platzen voll war das Zelt. So, dass die Artisten vor Beginn durch die Zuschauer Reihen gelaufen sind und die Gäste Zusammenrücken ließen. Die ein oder anderen haben es sich dann lieber auf den Treppen bequem gemacht. Ein recht kuscheliges Miteinander, dass beim Eintauchen in die etwas andere Welt der „Good Times“, dem diesjährigen Zirkusmotto, aber schnell in Vergessenheit geraten ist.

Der „lebende Countdown“, Magier Sergi Buka, leitet das Spektakel mit einer Laser-Show ein. Eine tickende Uhr im Hintergrund steigert die Spannung, während der Spanier den Laser immer wieder ablenkt und damit wundersame Muster an der Zeltdecke entstehen und wieder zerfallen lässt. Kurz darauf gibt es für den Zuschauer kein Zurück mehr: Die Reise in die fantastische Welt des Zirkus beginnt.

Wie in Schwerelosigkeit bewegt sich das „Duo Viro“ durch den Raum und erzählt akrobatisch eine Liebesgeschichte. Vivien und Robert gleiten an Tüchern herab, die von der Zeltdecke hängen, lassen sich scheinbar fallen, werden in den Tüchern wieder aufgefangen, steigen daran hinauf und bilden gemeinsam Schwebefiguren.

Ebenfalls an Tüchern, aber rasanter, geht es bei „Bingo“ zu. Die sechs Künstler dürften Roncalli Besuchern bekannt sein, sie sind bereits öfter von Zirkusdirektor Bernhard Paul eingesetzt worden – beeindrucken die Zuschauer aber aufs Neue. Auch hier werden die Gesetze der Schwerkraft geradezu aufgehoben. An den Tüchern schweben die Künstler im Spagat elfengleich in der Luft, drehen sich um sich selbst und umeinander wie Kreisel.

Am Reck beeindrucken „The Rokashkovs“. Der Geschichte nach bemühen sich drei junge Männer um die Gunst einer Frau. Auf den vier Reckstangen balancieren sie, als bräuchten sie kein Gleichgewicht. Abrupt lassen sie sich fallen, finden Halt am Reck und schwingen ihre Körper um die Stangen. Eine Performance, die keinen Spielraum für Mangel an Präzision lässt: Die Akrobaten lösen ihren Halt und fliegen mit Schwung durch die Luft – und müssen genau die Millimeter treffen, der an der gegenüberliegenden Reckstange zwischen den Händen ihrer Kollegen noch frei sind.

„Les Paul“, oder „die Kinder des Olymp“: Die Kinder von Bernhard Paul, Vivi, Adrian und Lili, zeigen mit Jemile Martinez eine Rollschuh-Präsentation, die zu gebannter Stille im Zirkuszelt führt. Auf einem kreisförmigen Podest lassen sich die jungen Frauen in einer Kombination aus Bewegung und Körperspannung durch den Raum tragen, als hätten sie kein Gewicht. Mit einem stählernen Gestell, an dem zwei Schlaufen befestigt sind, rollen Jemile und Adrian im Kreis, während die beiden Paul-Töchter mit ihrem Nacken in den Schlaufen hängen und als menschliche Propeller vom Boden abheben.

In einem Kraft- und Balance-Akt kreiert das „Golden Gate Trio“ wundersame Hebefiguren. Ohne weitere Hilfs- und Showmittel verschränken Edit Kosi, Laszlo Sartiz und Simon Andras ihre Gliedmaßen, heben einander an und klettern übereinander hinweg.

Für die große Freude der Kinder sorgen nach wie vor die Clowns. Auch das überwiegend erwachsene Publikum hat sich das Lachen nicht verkneifen können, als Gensi Devlin, Oriol und Anatoli sich um den freien Stuhl streiten und einer von ihnen auf seinem Allerwertesten landet. Das Publikum war begeistert am Premierenabend bei Roncalli und ausgiebiger Beifall ging dem traditionellen Abschlusswalzer von Artisten und Publikum voraus.

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