Keine neuen Sirenen für NRW-Streifenwagen

Von: Daniel Gerhards
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Aachen. Blaulicht und Martinshorn bekommen Verstärkung. Zusätzlich zu den in Deutschland bekannten Sirenentönen und Lichtsignalen können Streifenwagen seit der ab 1. August geltenden bundesweiten Rechtsgrundlage auch einen Heulton – nach US-Vorbild – und rote Lichteffekte einsetzen, um Fahrzeuge zu stoppen.

Die neuen Signale sollen für mehr Aufmerksamkeit sorgen und das Stoppen vorausfahrender Autos für Polizisten erleichtern. Zulässig sind an Streifenwagen nun auch nach vorne gerichtete Leuchten für rotes Blinklicht. Der heulende Sirenenton darf nur zusammen mit dem roten Blinklicht für Anhaltemanöver genutzt werden.

Ob die Polizisten eines Bundeslandes künftig den aus US-Krimis bekannten Ton einsetzen dürfen, entscheiden die Länder. Sechs wollen die Technik nutzen, in Hessen wird sie bereits eingesetzt. Fünf weitere denken darüber nach, sie einzuführen. NRW will an den bewährten Tönen und Lichtern festhalten. „Das Tatütata bleibt. Das kurze Aufheulen wollen wir nicht, weil wir der Meinung sind, dass das, was wir haben, ausreichend ist“, sagt Wolfgang Beus, Sprecher des NRW-Innenministeriums.

Die Polizei habe mit Leuchtschrift auf dem Dach, rotem Signallicht, Lichthupe, Blaulicht und Lautsprecheranlage noch – fast – jeden gestoppt. „Da brauchen wir nicht noch zusätzlich einen akustischen Signalton“, sagt Beus. Wer dann immer noch nicht anhalte, der ignoriere den Streifenwagen ganz bewusst. Zudem seien dem Ministerium keine Fälle bekannt, bei denen es Probleme beim Anhalten gab. Und: Ein neuer, wenig bekannter Ton könne manchen Fahrer erschrecken, meint Beus.

„Wenn man das amerikanische Signal hört, könnte man denken, man ist gerade in einem Krimi“, sagt Michael Schreckenberg, Verkehrsforscher an der Uni Duisburg-Essen. Autofahrer müssen sich erstmal auf einen akustischen Flickenteppich einstellen. Eine einheitliche Lösung wäre sicher sinnvoll. Aber Schreckenberg sieht keine Notwendigkeit für die US-Sirenen. Schon gar nicht, wenn sie nur in einigen Ländern gilt.

Keine zusätzlichen Kosten

Ob die heulenden Sirenen tatsächlich etwas bringen, wird sich zeigen. Die Gewerkschaft der Polizei (GdP) hätte den US-Sound in NRW zumindest gern getestet. „Man könnte einen Probelauf in vier oder fünf Behörden in NRW machen. Das einmalige Aufheulen und das rote Blitzlicht könnten dafür sorgen, dass die Autofahrer den Streifenwagen besser erkennen“, sagt Arnold Plickert, GdP-Chef in NRW. Denn bisher müssen die Polizisten Blaulicht und Martinshorn einschalten, wenn der Fahrer nicht auf sie reagiert.

Und das bedeutet: Sofort Platz machen und das Polizeiauto vorbeilassen. „Dabei kann es zu gefährlichen Situationen kommen, wenn jemand unüberlegt handelt“, sagt Plickert. Ton und Blitzlicht seien die mildere Variante im Vergleich zu Blaulicht und Martinshorn. Kosten entstünden dem Land übrigens keine: Technisch wäre es schon jetzt möglich, die Sirene heulen zu lassen.

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