Keine Gift-Implantate in der Region

Von: Christoph Velten
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Die Sorge um die Billigimplant
Die Sorge um die Billigimplantate der Firma PIP ist groß: Doch zumindest die Frauen in der Region müssen sich keine Sorgen machen. Die Kliniken haben die Implantate nach eigenen Angaben nicht eingesetzt. Foto: dpa

Aachen/Straßburg. Sie hatten das europaweite CE-Qualitätssiegel, doch die Produkte waren nicht nur minderwertig, sondern sogar gesundheitsgefährdend. Hunderttausende Brustimplantate mit möglicherweise krebserregendem Billig-Silikon hatte der französische Hersteller PIP weltweit verkauft.

In dem Skandal rückt nun die Frage nach den Kontrollen von Medizinprodukten in den Vordergrund. Doch zunächst gilt es für die betroffenen Patientinnen, Klarheit zu erlangen. Darüber, ob sie gesundheitsgefährdende Implantate eingesetzt bekommen haben.

In Aachen und der Region geben die Krankenhäuser durchweg Entwarnung. Auf Nachfrage unserer Zeitung versichern alle zuständigen Kliniken, keine Implantate der Firma PIP verwendet zu haben.

Im Aachener Klinikum hat man gar Überstunden gemacht, um schnellstmöglich an gesicherte Daten zu kommen. Allein hier wurden in den vergangenen zehn Jahren 740 Implantate eingesetzt. „Wir haben bei uns im Haus genau recherchiert und sind auch noch alte Akten durchgegangen”, sagt der Leiter der Frauenklinik, Nicolai Maass. Sein Fazit: „Im Klinikum sind nach meinem Kenntnisstand nie PIP-Implantate verwendet worden.”

Die klare und offene Reaktion der Krankenhäuser ist vor allem der Sorge der Patientinnen geschuldet. Unzählige Anrufe sind dort in den vergangenen Tagen eingegangen. Auch in den Brustzentren der Region, also im Marienhospital, am Luisenhospital (beide in Aachen) und am Eschweiler Antonius-Hospital.

Alexander Bach ist Chefarzt an der Klinik für plastische Chirurgie in Eschweiler. Auch er musste in den vergangenen Tagen viele beruhigende Gespräche führen. „Die Verunsicherung ist groß”, sagt er. „Und verständlich.” Auch unter den Ärzten sei das nicht anders.

Zwar verwende er Implantate, die dreimal so teuer seien wie die PIP-Einsätze, doch er sei sich bewusst, dass auch er sich lediglich auf die Angaben der Hersteller und die Ergebnisse der zuständigen Prüfer verlassen könne. „Deshalb muss man in jedem Fall nachfragen, was da falsch gelaufen ist”, sagt er.

In NRW sind von dem Skandal um die PIP-Implantate 25 Einrichtungen betroffen - vor allem in Düsseldorf. Das teilte ein Sprecher des Gesundheitsministeriums am Dienstag mit. Im Heerlener Atrium-Krankenhaus haben Ärzte bis 2007 bei 350 Patienten die PIP-Implantate verwendet. Wie niederländische Zeitungen berichten, seien bei 25 Patientinnen jetzt Defekte festgestellt worden.

Die EU-Kommission will angesichts des Skandals bessere Qualitätskontrollen durchsetzen. Ein Ziel sind strengere Auflagen für die EU-weit rund 70 Prüfstellen, die, wie der TÜV, die Qualität von Medizinprodukten überwachen.

Eine Sprecherin des Bundesgesundheitsministeriums erhofft sich von der Verschärfung der EU-Richtlinie vor allem Verbesserungen bei der Qualitätsüberwachung. Zu diskutieren sei, ob unangemeldete Visiten bei den Herstellern vorgeschrieben werden sollten.

Am Mittwoch gab der Präsident des Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte, Walter Schwerdtfeger, bekannt, dass mittlerweile 25 Fälle vorliegen, in denen das Implantat gerissen ist. Zuvor waren 19 Fälle bekannt.

Weltweit sollen zwischen 400.000 und 500.000 Frauen minderwertige Silikonkissen der französischen Firma Poly Implant Prothèse (PIP) erhalten haben. Ein Zusammenhang zwischen den Silikonkissen und Krebs wird befürchtet, bewiesen ist er aber nicht.
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