Keine Geburten mehr in Würselen? Bezirksregierung „eher kritisch“

Von: Claudia Schweda
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Im Bethlehem-Krankenhaus in Stolberg wurden 1287 Kinder im Jahr 2015 geboren. Foto: H. Eisenmenger

Aachen/Würselen. Die Bezirksregierung Köln sieht Pläne der Geschäftsführung im Medizinischen Zentrum der Städteregion Aachen (MZ), die Geburtsklinik in Würselen zu schließen „eher kritisch“. Auf Anfrage hieß es, dass das MZ ein Haus der Grundversorgung sei, weswegen man bei derartigen Plänen „Bauchschmerzen“ habe.

Grundsätzlich muss in der gesamten Region die Zahl der Betten in Geburtskliniken deutlich reduziert werden. Der Krankenhausplan sieht eine Reduktion um 15,3 Prozent in ganz NRW vor. Bislang sind in der Region noch keine vier Prozent erreicht.

Kinder können schon lange nicht mehr in jedem Krankenhaus der Region geboren werden. Sechs Krankenhäuser in der Städteregion Aachen und den Kreisen Düren und Heinsberg haben keine Geburtsklinik mehr.

Zuletzt wurde 2013 die Geburtsstation in Jülich geschlossen. Seitdem gibt es im östlichen Teil der Region zwischen Erkelenz und Düren keine Neugeborenenstation mehr. Das nächste Krankenhaus auf dieser Liste könnte das Medizinischen Zentrum der Städteregion Aachen (MZ) sein. Dort war die wirtschaftlich defizitäre Geburtsklinik am Montagabend Thema im Aufsichtsrat.

Die von der MZ-Geschäftsführung vorgeschlagene Schließung ist – noch – nicht beschlossen worden. Vom Tisch aber ist sie nicht. Die beiden Gesellschafter, Knappschaft-Bahn-See und Städteregion, beauftragten die Geschäftsführung mit weiteren Prüfungen. Rein wirtschaftliche Überlegungen könnten keine Grundlage für einen derartigen Beschluss sein, hieß es.

Viel wichtiger sei, wie sich die weitere Entwicklung der Geburtenzahlen darstelle. Bei dauerhaft zurückgehenden Zahlen sei es problematisch, die medizinische Qualität aufrechtzuerhalten. In der Tat sanken die Geburtenzahlen im MZ zuletzt deutlich. 2013 kamen dort 507 Kinder zur Welt. Im vorigen Jahr noch 404. Ein Rückgang um 20 Prozent in zwei Jahren. Ein derartiges Minus gibt es in keinem anderen Krankenhaus der Region. In manchen steigen die Geburtenzahlen sogar.

Generell macht die Bevölkerungsentwicklung aber auch vor den Krankenhäusern nicht halt. Es werden weniger Kinder geboren, und die jungen Mütter bleiben immer kürzer im Krankenhaus. Deswegen gibt es NRW-weit zu viele Betten in den Geburtsabteilungen. 2012 wurde deswegen im Krankenhausplan NRW festgeschrieben, dass bis 2015 in den Geburtskliniken des Landes 15,3 Prozent der Betten abgebaut werden sollen.

Jetzt hat das Jahr 2016 begonnen – und der Plan ist noch nicht erfüllt. In unserer Region sind seit 2012 durch die Schließung der Station in Jülich laut Bezirksregierung Köln neun von damals 192 Betten abgebaut worden – also keine fünf Prozent. Kämen die 16 Betten aus dem MZ Würselen hinzu, wären es 13 Prozent.

Nach Angaben der Bezirksregierung Köln, die diesen Prozess moderiert, laufen die abschließenden Gespräche zur Erfüllung des Krankenhausplans derzeit. Das Gesundheitsministerium NRW geht davon aus, dass bis Jahresende die Umsetzung erfolgt sein wird.

Eine mögliche Schließung der Geburtsstation im MZ scheint aber nicht Teil der Gespräche zu sein. Auf Anfrage erklärt die Bezirksregierung, dass zwar die nächsten Geburtskliniken nicht weit entfernt seien, sie eine Schließung im MZ aber dennoch „eher kritisch“ sähen. Das MZ sei ein Haus der Maximalversorgung.

Ohne Geburtsklinik fehlt ein Teil. „Deswegen haben wir da Bauchschmerzen“, sagte André Kiese, Sprecher der Bezirksregierung Köln. Denkbar wäre, dass sie den Verantwortlichen in Würselen einen Kompromiss vorschlagen. Werde der nicht geteilt, würden sie im Zweifel ihre Moderatorenrolle verlassen „und in eine Bestimmerrolle wechseln“, sagte Kiese. Wird das, was die Bezirksregierung dann vorschlägt, nicht angenommen, muss am Ende das Gesundheitsministerium als Moderator eingeschaltet werden.

Dass eine Geburtsstation bewusst erhalten werden kann, obwohl sie wirtschaftlich defizitär ist, zeigt das Beispiel der Eifelklinik in Simmerath. Artemed, der 2010 neu eingestiegene Träger der Klinik, investierte trotz des Defizits, weil eine gut laufende Geburtsabteilung mit einem großen Renommee für die Klinik verbunden sei. Der Plan geht auf: Jedes Jahr werden mehr Kinder dort geboren. Im vorigen Jahr 16 Prozent mehr als 2013.

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