Aachen - Kein Touristenprogramm: Freiwilligendienst in Kamerun

Kein Touristenprogramm: Freiwilligendienst in Kamerun

Von: Lukas Weinberger
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Große Tasche für ein großes Abenteuer: Lina Bähr geht für ein Jahr nach Kamerun. Foto: Weinberger

Aachen. Einen Reiseführer hat Lina Bähr, 18, sicherheitshalber schon eingesteckt. Auf dem Titelfoto sind mehrere Frauen zu sehen, sie reiten auf Eseln, winken in die Kamera. Dahinter verbergen sich 272 Seiten voll mit Infos rund um Kamerun.

Sehenswürdigkeiten, kulinarische Spezialitäten, Tipps zum Ausgehen. Eben das, was man von einem halbwegs sortierten Reiseführer erwarten darf. Wirklich brauchen wird Lina Bähr ihn in Kamerun nicht, das weiß sie schon, obwohl sie noch nicht einmal dort ist.Sie reist schließlich nicht für das klassische Touri-Programm nach Afrika, sie absolviert dort ihren Freiwilligendienst.

Am 14. August geht es los, Kumba, eine Stadt im Westen Kameruns mit rund 125.000 Einwohnern, wird dann zur Heimat auf Zeit. In dieser Region wird Englisch gesprochen. Ein ganzes Jahr wird die Abiturientin dort bleiben, „ich will die andere Kultur nicht nur sehen, ich will sie verstehen“, sagt Bähr. Sie wird bei einer Gastfamilie leben, Vater, Mutter, zwei Söhne „und ein paar andere Verwandte“ leben im Haus. „Das ist in Afrika halt so“, sagt die Aachenerin. Und freut sich auf genau diese Erfahrungen: „Ich habe mich schon immer für andere Länder und andere Sitten interessiert.“ Lina Bähr hat sich für den sogenannten entwicklungspolitischen Freiwilligendienst „weltwärts“ entschieden, der vom Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ) und vom Hilfswerk „Brot für die Welt“ organisiert wird. Warum? „Ich glaube, dass so etwas einen Menschen prägt und sein Leben bereichert“, sagt sie. Ihre Unterbringung und ihre Verpflegung werden finanziert, dazu gibt’s ein bisschen Taschengeld, mehr nicht. „Mich reizen die Erfahrungen, die ich machen werde, ohnehin viel mehr.“

Die Aachenerin wird in einem Jugendzentrum arbeiten, dort gibt es eine Vor-, eine Grund- und eine weiterführende Schule. Weil es von der Kirche unterstützt wird und die Gebühren für den Schulbesuch entsprechend gering sind, können dort auch die Ärmsten der Armen einen Abschluss machen. Bähr wird dort arbeiten, im Deutsch-, Sport- und Computerunterricht mithelfen. Zudem hat sie ein paar Ideen für eigene Projekte. Etwas zum Thema Umwelt, eine Ballett-AG, vielleicht eine Schülerzeitung. Ihr ist klar, dass es nicht nur schöne Momente geben wird, sondern dass auch schockierende Erlebnisse auf sie zukommen werden. „Ich werde wahrscheinlich das erste Mal in meinem Leben extreme Armut sehen“, sagt sie.

Von ihren Erfahrungen will Bähr regelmäßig in einem Blog berichten. Und ihr Engagement soll nach ihrem Jahr in Kamerun nicht zu Ende sein. Sie will sich für Entwicklungshilfe einsetzen, sie überlegt, später bei einer Menschenrechtsorganisation zu arbeiten oder internationales Recht zu studieren, vor allem will sie aber eines erreichen: „Ich möchte das Bewusstsein schärfen.“

Nicht für das, was ohnehin in den meisten Reiseführern steht. Sondern für das wahre Leben in einem Entwicklungsland wie Kamerun.

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