Düren - Kein toter Beruf: Friedhofsgärtner

Kein toter Beruf: Friedhofsgärtner

Von: Mischa Wyboris
Letzte Aktualisierung:
Öffentliches Friedhofsgärtnern
Öffentliches Friedhofsgärtnern in Düren: Im Hintergrund die Prüfungskommission, vorne die Azubis Alexander Geschwind aus Düren (links) und Benjamin Väth aus Düren. Foto: Mischa Wyboris

Düren. Von Grabesstille kann keine Rede sein. Trotzdem arbeitet Benjamin Väth in aller Seelenruhe weiter. Seine heftigen Hammerhiebe zerschmettern die sonst so andächtige Atmosphäre auf dem Dürener Ostfriedhof. Bald ist die letzte Ruhestätte fertig - nach allen Regeln der Kunst, versteht sich.

Der 24-Jährige aus Aachen ist auszubildender Friedhofsgärtner, und seine praktische Abschlussprüfung mit neun weiteren Kollegen aus dem gesamten Rheinland ist öffentlich; aus gutem Grund. „Die Friedhofsgärtnerei führt ein Schattendasein im Gärtnerberuf”, erklärt Martin Walser, Geschäftsführer des Landesverbands Gartenbau Rheinland, „dabei sind die Friedhofsgärtner die Feinmechaniker des Gewerbes.” Mit anderen Worten: Die Grabesgärtner haben ein Image-Problem.

„Abartig! Fies! Wie kann man nur? Da gibt es jede Menge Vorurteile”, sagt Väth und versetzt der vordersten Platte am Fuß des Mustergrabes einen letzten, lauten Schlag mit dem Hammer. Das Urnengrab neben ihm ist längst fertig. Kein Wunder. Es ist wesentlich kleiner - und deshalb wohl auch immer beliebter. Seit 2004 gibt es in Aachen etwa fast die gleiche Zahl an Urnen- und Erdbestattungen. In Düren verläuft der Trend noch drastischer: In den vergangenen beiden Jahren ist die Zahl der Einäscherungen zum ersten Mal auf mehr als 60 Prozent aller Bestattungsarten angewachsen.

Die Gräber mögen kleiner werden, die Trauer wird es nicht. Weshalb Walser die Friedhofsgärtnerei auch nicht als aussterbenden Beruf betrachtet - wäre da nicht das Imageproblem: „Wir suchen händeringend nach qualifizierten Fachkräften.” Mit der Gesamtnote 3 habe man deshalb bereits „einen sicheren Job”, sagt Walser. Dabei ist NRW noch gut bedient. Nirgendwo in Deutschland werden mehr Friedhofsgärtner ausgebildet als in NRW. Mehr als 260 Auszubildende in rund 180 Betrieben, das heißt auch: Mehr als die Hälfte aller Friedhofsgärtner in der Bundesrepublik kommt aus NRW.

Der Bund deutscher Friedhofsgärtner geht deswegen mit Medienkampagnen wie der Initiative „Es lebe der Friedhof” in die Offensive. Zur Gärtnerwerbung gehört auch die „Open Air”-Gesellenprüfung auf dem Ostfriedhof, die jedoch nur spärlich besucht wird. Alexander Geschwind ist das egal. Der 20 Jahre alte Dürener ist damit beschäftigt, unter den Augen der Prüfer nichts falsch zu machen. „Wird schon schiefgehen”, ist man geneigt, ihm über die Schulter zu flüstern. Aber: Genau da liegt die Kunst. Das Grab muss absolut rechtwinklig angelegt werden. Dann aber soll es tatsächlich schieflaufen: Zwei Prozent Steigung - 4,6 Zentimeter - sollen es vom Fußende bis zum Grabstein bitteschön sein. Der Optik wegen. „Sonst sieht es aus, als ob das Grab nach hinten abkippt”, erklärt Gärtnermeister Heinz Jenke vom Kreisverband Gartenbau Düren, während er seinem Schützling Alexander über die Schulter schaut.

100 Gräber jeden Tag

„Am Anfang war ich immer sehr vorsichtig, aus Sorge, ich könnte pietätlos sein”, erinnert sich Geschwind an den Beginn seiner dreijährigen Lehre. Heute gehören Selbstbewusstsein und Routine genauso zu seinem Rüstzeug wie Schaufel, Besen und Rechen. Bis zu 100 Gräber pflegt er jeden Tag mit fünf oder sechs Kollegen an seiner Seite.

Genaugenommen stemmt sich die Branche nicht nur gegen ihr Imageproblem: Der Trend zur anonymen Bestattung, zum Beispiel in einem Ruheforst, macht dem Gewerbe zusätzlich zu schaffen. „Einige Friedhofsgärtner sind dazu übergegangen, preiswertere, große Urnengemeinschaftsgräber anzubieten”, sagt Walser.
Leserkommentare

Leserkommentare (0)

Sie schreiben unter dem Namen:



Diskutieren Sie mit!

Damit Sie Artikel kommentieren können, müssen Sie sich einmalig registrieren — bereits registrierte Leser müssen zum Schreiben eines Kommentars eingeloggt sein. Beachten Sie unsere Diskussionsregeln, die Netiquette.

Homepage aktualisiert

Finden Sie jetzt neue aktuelle Informationen auf unserer Startseite

Wieder zur Homepage

Die Homepage wurde aktualisiert