Düsseldorf - Kein reines Ost-Thema: Stasi-Schau in Düsseldorf

Kein reines Ost-Thema: Stasi-Schau in Düsseldorf

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Düsseldorf. „Feind ist, wer anders denkt” heißt eine von der Birthler-Behörde in Berlin konzipierte Wanderausstellung über die Stasi, die bis zum 28. Juni in Düsseldorf Station macht.

Die Schau, die im Foyer des nordrhein-westfälischen Landtages zu sehen ist, dokumentiert die Entstehung und Methoden des DDR-Ministeriums für Staatssicherheit (MfS) ebenso wie Biografien ausgewählter Opfer von Bespitzelung, Überwachung und Repression. Nach Hamburg, Hannover, München und Bremen ist Düsseldorf die fünfte Landeshauptstadt im Westen, in der die neu zusammengestellte Schau, die nach Angaben der Initiatoren insbesondere für alten Länder entwickelt wurde, gezeigt wird.

Im Gegensatz zu den ostdeutschen Bundesländern gebe es in den westlichen keine „Aufarbeitungsinfrastruktur”, sagte die Bundesbeauftragte für die Stasi-Unterlagen, Marianne Birthler, am Dienstag in Düsseldorf zur Ausstellungseröffnung. Dabei sei die Stasi kein ostdeutsches Regionalthema.

„Die Stasi hat sich auch im Westen zu schaffen gemacht, hatte Feinde wie Freunde im Osten wie im Westen.” Zuletzt hatte das der Fall des früheren Berliner Polizisten Karl-Heinz Kurras, der 1967 den Studenten Benno Ohnesorg erschoss, spektakulär belegt. Durch einen Zufallsfund im Zuge einer Recherche bei der Birthler-Behörde war bekanntgeworden, dass Kurras SED- Mitglied und Inoffizieller Mitarbeiter (IM) der Stasi war.

Zudem hätten viele Menschen, die, sei es per Flucht, Ausbürgerung, Freikauf oder Ausreiseantrag in den Westen gelangten, persönliche oder familiengeschichtliche Wurzeln in der DDR, nannte Birthler einen zweiten Grund für die Relevanz der Schau in den alten Ländern.

Alleine in Düsseldorf hätten in den vergangenen Jahren über 3000 Menschen einen Antrag auf Akteneinsicht bei der Stasi- Unterlagenbehörde gestellt, berichtete Birthler. Ein Grund dafür sei, dass die Stasi sich im „sicherheitsrelevanten Bereich” im Zuge der Ende der 1980er Jahre geschlossenen Städtepartnerschaft Düsseldorfs mit dem damaligen Karl-Marx-Stadt für Ost-West-Kontakte interessiert hätte. Überhaupt sei Nordrhein-Westfalen wegen des „politischen Herzens Bonn” von großem Interesse für das MfS gewesen.

Wichtigstes Anliegen der Schau aber sei, Wertschätzung und Sensibilisierung für Freiheit und Demokratie zu entwickeln. „Es liegt in unser aller Interesse, wenn Menschen wissen, was Diktatur ist, wie es sich in ihr lebt und wie Menschen sich in ihr verhalten”, sagte Birthler.
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