Kein Platz für Gebete an der RWTH

Von: Nicola Gottfroh
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Viele Hochschulen in Deutschland bieten ihren muslimischen Studenten einen Gebetsraum – so wie diesen an der Uni Greifswald. An der Kölner Uni entsteht nun ein überkonfessioneller Raum der Stille. Er soll die Studenten an einen Yogaraum zum Abschalten erinnern. Foto: imago/Jens Koehler

Köln/Aachen. An anderen deutschen Hochschulstandorten hat es nicht wie erhofft funktioniert – doch davon lässt sich die Universität zu Köln nicht abhalten. Sie wird im Herbst einen sogenannten Raum der Stille für ihre Studenten eröffnen. Einen Ort, an dem Kraft getankt, meditiert und gebetet werden kann – was sich vor allem die muslimischen Studenten wünschen.

Die Hochschule reagiert mit der Schaffung dieses Raums auch auf die Wünsche muslimischer Studenten, die sich wünschen, ihre Religion frei auszuüben – auch während der Universitätszeiten. Die Verantwortlichen errichten in ihrem Hauptgebäude einen überkonfessionellen Raum der Stille.

Bis zum Herbst dieses Jahres soll der rund 50 Quadratmeter große Raum fertiggestellt sein. Er solle nicht an einen Religions-, sondern an einen modernen Yogaraum erinnern, erklärt Patrick Honecker, Sprecher der Kölner Universität.

Konflikte unter Studenten

Ein Vorhaben, das kontrovers diskutiert wird. Denn erst in den vergangenen Wochen gerieten andere Hochschulen in die Schlagzeilen, weil sie ihre Gebetsräume beziehungsweise die überkonfessionellen Räume der Stille schließen mussten.

An den Universitäten in Essen, Dortmund und Bochum hatten sich Konflikte unter beziehungsweise mit muslimischen Studenten ergeben. So hatten beispielsweise in Dortmund einige der im Gebetsraum betenden Muslime eine Geschlechtertrennung durchsetzen wollen und damit andere Studenten diskriminiert.

Köln liegt mit der Schaffung seines Raumes der Stille augenscheinlich alles andere als im Trend. „Aber doch!“, verteidigt Patrick Honecker das Vorhaben. „Der Großteil der Universitäten besitzt Räume der Stille, und die Mehrzahl von ihnen ist nach wie vor in Betrieb“, erläutert er. Nur hätten es in den vergangenen Wochen bedauerliche Vorfälle – Einzelfälle, wie Honecker betont – von drei Unis in das öffentliche Bewusstsein geschafft.

Dass es in Köln ab Herbst besser laufen wird, davon ist er überzeugt. „Wir Kölner sind ja von Grund auf optimistisch. Warum soll etwas schiefgehen? Wir bieten den Studenten einen Raum zum Chillen, für ein Powernapping – und wer in diesem Raum beten möchte, der kann natürlich auch beten. Aber es wird kein Gebetsraum speziell für Muslime sein“, sagt er.

Natürlich werde es eine Nutzungsordnung geben, die es einzuhalten gilt. Bei diskriminierenden Handlungen würden die Verantwortlichen intervenieren, möglicherweise auch Verweise aussprechen und – sollte es kommen wie in Dortmund oder Essen – den Raum schließen.

Mit Nutzungsordnungen und Verweisen im Zusammenhang mit einem Raum der Stille wollen und müssen sich die Verantwortlichen an der RWTH Aachen erst einmal nicht befassen. Schlicht deshalb, weil es an der Universität keinen Gebetsraum gibt – und in naher Zukunft keinen geben wird.

„Da die Hochschule unter der Rekordzahl an Studenten ohnehin schon ächzt, haben wir einfach keinen Platz für ein solches Zimmer“, sagt RWTH-Sprecherin Renate Kinny auf Anfrage. Weder für einen überkonfessionellen Raum der Stille, noch für einen Gebetsraum explizit für muslimische Studierende sei derzeit Platz.

Erheblicher Platzmangel

„Es ist schon eine Herausforderung, genügend Räume für Lehre, Forschung und die Ausbildung von Studenten vorzuhalten“, erklärt Kinny. Das seien derzeit die dringlicheren Probleme, die es zu lösen gelte. „Religiöse Studenten, egal welcher Konfession und Religion, müssen akzeptieren, dass es für so etwas derzeit keine Spielräume gibt“, betont sie.

Es sei aber zudem auch dahingestellt, ob eine nicht konfessionelle Hochschule wie die RWTH einen solchen Raum benötige. Jedoch, so betont sie auch, gebe es auch keine Forderungen der muslimischen Studenten nach einem Gebetsraum, beispielsweise im Hauptgebäude der RWTH.

Einige wenige Kölner Studenten hätten die Gebetsteppiche unter Treppen und in anderen Ecken ausgerollt, sagt Honecker. Dieses Phänomen gebe es in Aachen laut Kinny nicht. Das habe aber auch einen speziellen Grund: „Die RWTH liegt in direkter Nachbarschaft zur Bilal-Moschee an der Professor-Pirlet-Straße“, erklärt Kinny. Dort hätten die muslimischen Studenten eine Möglichkeit zum Gebet.

Einige Kilometer vom Campus entfernt, an der Uniklinik, findet sich für gläubige Aachener Studenten allerdings doch noch ein Ort für das Gebet – nicht nur für Muslime, sondern auch für Christen: Im Erdgeschoss der Klinik gibt es eine Kapelle und einen muslimischer Gebetsraum.

Ob nun Christen und Muslime beten oder Atheisten und weniger religiöse Studenten relaxen und schlafen – trotz seines „kölschen“ Optimismus hört Patrick Honecker auch kritische Töne zum neuen Kölner Vorhaben. Im sozialen Netzwerk Facebook etwa sei die Sorge geäußert worden, dass sich Muslime in diesem Raum radikalisieren könnten.

„Man kann nie verhindern, dass Menschen dies tun. Sie tun das manchmal in Hinterhöfen und manchmal in Moscheen. Aber hier können wir darauf achten, dass es nicht an der Uni und schon gar nicht in diesem Raum geschieht.“

Sorge, dass der Raum der Stille ganz schnell zur Moschee umfunktioniert wird und dort bis zu 500 gläubige Studenten zum Freitagsgebet auflaufen, wie es an der TU Berlin geschehen ist, hat er nicht. „Das ist vollkommen unrealistisch. Schließlich reden wir hier von einem nur 50 Quadratmeter großen Raum.“

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