„Kein Maulkorb”: Zwei JVA-Beamte sagen im Ausbruchs-Prozess aus

Von: Oliver Schmetz
Letzte Aktualisierung:
JVA Aachen
Das Aachener Gefängnis macht weiter Negativ-Schlagzeilen. Foto: dpa

Aachen. Dem JVA-Beamten liegt wohl etwas an dieser Information: "Keiner hat einen Maulkorb verpasst bekommen", beteuert der 39-Jährige. Bloß: Danach hat ihn gar keiner gefragt.

Und ein paar Stunden später gibt einer seiner Kollegen im Prozess um den Aachener Gefängnisausbruch das gleiche Bild ab.

„Ja”, bestätigt der 33-Jährige, dass es während des Prozesses eine Besprechung aller Zeugen aus der JVA mit dem stellvertretenden Anstaltsleiter gegeben habe. Und fügt sofort - ebenfalls ungefragt - hinzu: „Aber da wurde uns kein Maulkorb auferlegt.”

Als die Verteidiger der Ausbrecher Michael Heckhoff und Peter Paul Michalski sowie des wegen Gefangenenbefreiung angeklagten JVA-Beamten Michael K. vor einigen Wochen von dieser Besprechung erfuhren, lag bei ihnen der Gedanke an eine mögliche Zeugenbeeinflussung nicht fern. Das bestreitet der 33-jährige JVA-Beamte aber vehement: „Uns wurde nur gesagt, dass wir bei sicherheitsrelevanten Fragen Rücksprache mit der Anstaltsleitung nehmen können oder den Richter fragen sollen, wenn wir unsicher sind.”

Dennoch: Auch bei diesen beiden JVA-Beamten fällt auf, dass sie umso verschlossener werden, je mehr es um mögliche Missstände in der Aachener JVA geht. Handys, Alkohol, Drogen im Besitz von Häftlingen? Davon wollen beide zunächst nicht viel mitbekommen haben, räumen dies nach mehrfachem Nachfragen teils aber doch ein. Krumme Geschäfte zwischen Gefangenen und Beamten? Nein!, sagt einer der beiden wie aus der Pistole geschossen. „Die kommt aber sehr schnell, die Antwort”, kommentiert das der Richter.

Nach und nach kommen bei der Befragung erneut die widrigen Bedingungen zur Sprache, unter denen die JVA-Beamten arbeiten. 60 Überstunden schiebe er vor sich her, sagt einer der beiden Männer: „Die Personaldecke wird halt immer enger.” In seinem Hafthaus arbeiten pro Schicht drei Bedienstete. Das Problem: Sie sind für vier Abteilungen zuständig. Man habe dem Vorgesetzten mitgeteilt, dass dies zu wenig sei. Die Reaktion? Für die offenen Posten gebe es „weiter keine Besetzung”.
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