„Kein Krankenhaus wird geschlossen“

Von: Angela Delonge
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Sieht die Region strukturell auf einem guten Weg: Waldemar Radtke, Regionaldirektor der AOK Rheinland/Hamburg. Foto: Andreas Steindl

Aachen. „Die Versorgungsstruktur bleibt auf hohem Level erhalten.“ Das sagte Waldemar Radtke, Regionaldirektor der AOK Rheinland/Hamburg, der bei einem Redaktionsgespräch mit unserer Zeitung die zukünftige Gesundheitsplanung für die Region skizzierte.

Allerdings seien Strukturveränderungen absehbar, weil die Zahl der Krankenhausbetten sinken werde – um acht bis zehn Prozent, so Radtke. Dies sehe der neue Krankenhausbedarfsplan für Nordrhein-Westfalen vor, der zurzeit beraten und „hoffentlich“ im Sommer endlich verabschiedet wird.

Zurzeit verfügen die Städteregion Aachen sowie die Kreise Düren und Heinsberg noch über insgesamt 19 Krankenhäuser mit 7060 Krankenhausbetten, darunter eine Uniklinik. Was genau der neue Bettenplan für unsere Region – sie wird dort als „Versorgungsgebiet 7“ bezeichnet – vorsieht, wird allerdings noch sorgsam unter Verschluss gehalten. Im Plan steht zumindest : Alle Einwohner sollen innerhalb von 20 Kilometern ein Krankenhaus erreichen können.

Krankenhäuser in der Region zu schließen, sei keine Option. Der Regionaldirektor setzt dagegen auf mehr Konzentration, auf die Schaffung von Versorgungszentren vor allem für bestimmte Krebserkrankungen, Orthopädie oder Gynäkologie. Dafür müssten Patienten dann unter Umständen weitere Wege in Kauf nehmen. Für die anstehende strukturelle Veränderung dürfe jetzt nicht nur an bestimmten Stellschrauben gedreht werden, meinte Radtke, alles müsse auf den Prüfstand. „Wir haben nämlich genug Geld, wir müssen es nur richtig verteilen.“

Ein positives Signal in Bezug auf die Bettenzahl sandte Radtke schon mal an die Eifelklinik St. Brigida in Simmerath, die mehr Betten bekommen soll, weil es dort „mehr Fallzahlen in einem bestimmten Bereich“ gibt. Ob der Wunsch der Bezirksregierung Köln, am Medizinischen Zentrum (MZ) der Städteregion in Würselen auch zukünftig eine Geburtsklinik zu unterhalten, müsse sich ebenfalls noch zeigen. Dort werden zurzeit pro Jahr 400 Kinder geboren, um wirtschaftlich arbeiten zu können, müssten es aber über 1000 sein.“

Auch das Thema Hausärztemangel bewegt Radtke: „In der Eifel und der Voreifel werden wir perspektivisch einen Mangel an niedergelassenen Ärzten haben.“ Um dem zu begegnen, setzt die AOK Rheinland seit nun fast zwei Jahren auf den Hausärzte-Strukturvertrag. Hausärzte und Kinderärzte, die daran teilnehmen, erhalten für die Behandlung betreuungsintensiver Patienten ein zusätzliches Honorar. Radtke sieht hier eine Aufgabe für die kassenärztlichen Vereinigungen: Arztsitze geografisch so zu verteilen, dass sie nicht mehr so auf die Städte konzentriert sind.

Radtke erwähnte zudem einige Besonderheiten, mit denen Nordrhein-Westfalen zu kämpfen habe: ein hoher Krankenstand, „über 26 Prozent der Gesamtzahl aller Arbeitslosen in Deutschland wohnt in NRW.“ Bei den Investitionen in den Gesundheitssektor stehe NRW dagegen an vorletzter Stelle. Und: „Unsere Ausgaben sind bis zu 2,5 Prozent höher als unsere Einnahmen.“

Dennoch ist der Regionaldirektor überzeugt: „Wir haben kein Einnahmen- sondern ein Ausgabenproblem.“ Zum Beispiel beim Personal: Die Fallzahlsteigerungen an den Krankenhäusern hätten dazu geführt, dass es innerhalb von zehn Jahren 30 Prozent mehr Ärzte gebe. Das Personal in der Pflege habe dagegen um drei Prozent abgenommen. „Das ist eine Verwerfung, die wir dringend auflösen müssen“, meinte Radtke und plädiert dafür, dass Krankenhäuser in christlicher Trägerschaft die Pflege mehr in den Vordergrund stellen sollten.

In die Strukturveränderungsprozesse nach Radtkes Rezeptur gehören auch die privaten Krankenkassen. Er ist überzeugt: „Die privaten Kassen haben mittelfristig keine Zukunft.“ Und sprach sich dafür aus, die Privaten in die Gesetzlichen zu integrieren.

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