Kein Kostüm? „Nacht-Eule“ und „Schnee-Eule“ für Kurzentschlossene

Von: Sabine Rother
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Kostümvorschlag „Vogelhochzeit“: Kostümbildnerin Sarah Rung hat Fabienne Vaßen, Auszubildende in der Damenschneiderei des Aachener Theaters, und Orchester-Volontär Daniel Samaga im Handumdrehen in die Figuren „Schnee-Eule“ und „Nacht-Eule“ verwandelt. Foto: Harald Krömer
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Kostümvorschlag „Vogelhochzeit“: Kostümbildnerin Sarah Rung hat Fabienne Vaßen, Auszubildende in der Damenschneiderei des Aachener Theaters, und Orchester-Volontär Daniel Samaga im Handumdrehen in die Figuren „Schnee-Eule“ und „Nacht-Eule“ verwandelt. Foto: Harald Krömer
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Kostümvorschlag „Vogelhochzeit“: Kostümbildnerin Sarah Rung hat Fabienne Vaßen, Auszubildende in der Damenschneiderei des Aachener Theaters, und Orchester-Volontär Daniel Samaga im Handumdrehen in die Figuren „Schnee-Eule“ und „Nacht-Eule“ verwandelt. Foto: Harald Krömer

Aachen. Zwei Karnevalskostüme in letzter Minute? Kein Problem! Sagt Sarah Rung, Kostümbildnerin und Assistentin der Kostümabteilung am Theater Aachen: „Beim Theater müssen wir ja auch sparen oder vorhandene Dinge wiederverwenden.“ Wer eine einsatzbereite Heißklebepistole im heimischen Bastelbestand hat, kann sich glücklich schätzen.

Kommen dann auch noch Näh- und Sicherheitsnadeln, fester Zwirn und ein „Tacker“ (Heftmaschine) hinzu, steht dem Unternehmen „Kostüm in letzter Minute“ kaum noch etwas entgegen – außer, man hat keine Fantasie. „Fast alles, was man im Haushalt findet oder was man so aufhebt, eignet sich dazu“, sagt Rung: „Man sollte ein wenig kreativ sein, dann klappt es schon.“

Für den Herrn hat sie sich die „Nacht-Eule“, für die Dame eine „Schnee-Eule“ ausgedacht. Treten die beiden gemeinsam auf, können sie sich „Vogelhochzeit“ nennen. Zunächst heißt es aber, daheim tief in den Wäscheschrank greifen. Ein altes Bettlaken, am besten in einer knalligen Farbe, eine Plastiktischdecke mit buntem Muster, ein ausgedienter Kissenbezug mit Rüschen oder anderer Dekoration werden für den karnevalistischen Einsatz gebraucht. Wäscheleine, Wäscheklammern, Pappe und Stoffreste vom Filz über schwarzen und weißen Tüll bis zum glänzend-schrillen Synthetikstoff sind dekorative Schätze, die es auszugraben gilt. „Jeder hat doch etwas aufbewahrt, oft staunt man, was sich da noch findet“, sagt Rung.

Ausgangskleidung beim Herrn: schwarze Jeans, schwarzes Langarmshirt, schwarze Handschuhe, Schuhe – bei der Dame: weiße Strumpfhose, weißes Shirt, weiße Handschuhe, Turnschuhe. „Pappe hat jeder zu Hause, die kann man in Form schneiden, bekleben, bemalen, besprühen, alles ist möglich“, meint die Kostümbildnerin. Opfert man dann noch eine Aludecke oder Alumatte, kann man sogar futuristische Flügel basteln. Und so entsteht das Kostüm für ihn: Stoffreste, Plastikdecke und was man sonst so findet als handliche Wimpel oder Schuppen zurechtschneiden. Diese wie bei einem Harnisch auf der Vorderseite des schwarzen Shirts Schicht für Schicht befestigen – mit dem Tacker oder mit Nadel und Faden. „Da reichen schon ein, zwei Stiche, aber das Ganze soll ja ein bisschen halten“, meint Rung. Bis zur Taille hat der Herr bald eine bunte „Rüstung“. Die Schuhe werden mit bunter Wäscheleine geschnürt.

Ein wenig Geschick verlangen die Flügel: Alumatten länglich mit gewelltem Rand ausschneiden, auf einer Seite ein Dreieck ausschneiden, es zusammendrücken und mit Heißkleber fixieren, damit man das Teil auf der Rundung der Schulter positionieren kann. Aus mehreren Alustücken entstehen so rechts und links die „Schwingen“ der Eule, die man am Shirt befestigt. „Die kann man noch mit Wäscheleine oder anderen Sachen dekorieren, etwa an den Rändern, oder mit Glitzerstaub vom Make up auf einem Klebeuntergrund“, regt die Kostümbildnerin an. Die Handschuhe und ein schwarzer Hut oder eine Mütze – vielleicht mit Federn dekoriert – sowie die Maske runden das Kostüm ab.

Masken für beide Figuren schneidet man aus Pappe aus und dekoriert sie mit klein geschnipselten Materialien, die im Kostüm verwendet wurden. „Wer unsicher ist, findet im Internet Schablonen, die die Form vorgeben“, verrät Rung einen Trick. Ein einfaches Gummiband sorgt für Halt.

Das Damen-Kostüm ist gleichfalls schnell gezaubert. „Der Ausschnitt des Shirts gibt die Form vor“, sagt Rung. Rundum setzt man Spitzen oder Rüschen auf, die man vom Kissenbezug abgeschnitten hat. Weiße Stoffwimpel werden – wie beim Herrn – aufgenäht, dekorativ können Bänder, Blümchen oder was man so hat verarbeitet werden. Wie beim Herrn formt man die Flügel aus Alumatte, wendet sie aber so, dass man die weiß schimmernde Seite gewinnt. Alles wird gut im Schulterbereich fixiert. Die runde alte Tischdecke in der Mitte ausschneiden, damit man sie als Rock über die Hüften ziehen kann. Rechts und links mit einer Sicherheitsnadel befestigen. Dazu Leggins oder Strumpfhosen, Ballerinas oder bunte Turnschuhe. Ein mit Federn oder weißen Elementen beklebter Haarreif und die aus Pappe gefertigte Vogelmaske sowie weiße Handschuhe runden das Bild ab. „Den Variationsmöglichkeiten sind keine Grenzen gesetzt, manchmal hat man ja noch Pailletten oder Glitzersteine zum Aufnähen“, sagt Rung. Und schon flattern die Vogelwesen Richtung Party.

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