Aachen - Kein drittes Bahngleis zwischen Aachen und Düren

Kein drittes Bahngleis zwischen Aachen und Düren

Von: Marlon Gego
Letzte Aktualisierung:

Aachen. In absehbarer Zeit wird es kein drittes Bahngleis zwischen Aachen und Düren geben, für ein solches Projekt fehlt im Moment das Geld. Doch nach Recherchen unserer Zeitung ist nun auch die Alternative zum dritten Gleis in aller Stille zu den Akten gelegt worden.

Anstatt drei 1200 Meter lange Ausweichgleise zwischen Aachen und Düren zu bauen, auf die langsamere Züge schnelleren ausweichen können, um so den Verkehrsfluss zu verbessern, genehmigt das Bundesverkehrsministerium nur noch Geld für ein einziges Ausweichgleis bei Aachen-Rothe Erde.

Nach Auskünften der Deutschen Bahn würde dieses Ausweichgleis „mehr als zehn Millionen Euro kosten”, wie ein Bahnsprecher auf Anfrage erklärte. Wann es gebaut wird, steht allerdings noch gar nicht fest; denn das Projekt befindet sich am Beginn der Planfeststellungsphase, an deren Ende entschieden werden kann, ob dieses Gleis überhaupt gebaut werden kann. Dauer des Verfahrens: zwölf bis 18 Monate.

Das nordrhein-westfälische Verkehrsministerium hält unterdessen am durchgehend dreigleisigen Ausbau der Bahnverbindung Aachen-Köln fest. Ob dieser Ausbau aber jemals Realität wird, ist kaum vorherzusagen. Erschwert wird das Vorhaben vom schwierigen Verhältnis des nordrhein-westfälischen Verkehrsminister Harry Voigtsberger (SPD) zu Bundesverkehrsminister Peter Ramsauer (CSU). Ein Grund: Ramsauer investiert lieber in seiner weiteren Heimat. Beispielsweise wird in Bayern weiter der Brenner-Basistunnel geplant, obwohl dessen Notwendigkeit noch keinesfalls nachgewiesen ist. Auch unterstützt Ramsauer den dreigleisigen Ausbau der ICE-Strecke Salzburg und München, die durch seinen Wahlkreis führt. Andere Projekte außerhalb Bayerns, etwa der deutsche Anschluss an die Betuwe-Linie, die einen der größten Seehäfen Europas in Rotterdam und den größten Binnenhafen der Welt in Duisburg verbinden würde, treibt Ramsauer allenfalls halbherzig voran.

Die grüne Bundestagsabgeordnete Bettina Herlitzius aus Herzogenrath hat kürzlich errechnet, dass nur 7,5 Prozent der von Ramsauer verantworteten Investitionen in Deutschlands Eisenbahnnetz nach Nordrhein-Westfalen gehen. Und das, obwohl in Nordrhein-Westfalen 21 Prozent der deutschen Bevölkerung lebt. Herlitzius findet, dieses Missverhältnis sei „nicht akzeptabel”. Sie sagt: „Während im Süden der Republik Milliarden in Prestigeobjekte versenkt werden, ist im nordrhein-westfälischen Nahverkehr die Situation der Fahrgäste unzumutbar.”

Voigtsberger hält sich mit öffentlicher Kritik an Ramsauer zwar sehr zurück, intern aber spricht er eine deutliche Sprache. „Der Minister hat intern immer wieder betont, dass NRW dringend Fördermittel braucht”, sagt eine Mitarbeiterin aus Voigtsbergers Ministerium. Was wiederum Ramsauer nicht so furchtbar gerne hört.

Ramsauers Investitionsvorlieben kommen allerdings nicht überraschend: Als er am 25. Oktober 2008 auf einem Sonderparteitag in München zum stellvertretenden CSU-Vorsitzenden gewählt wurde, erklärte er in einer Rede vor der Abstimmung, in Berlin mit Nachdruck dafür eintreten zu wollen, dass das Bundesverkehrsministerium unbedingt wieder von der CSU geführt wird. Nur so könne sichergestellt werden, dass endlich wieder mehr Geld nach Bayern fließt. Als ein Jahr später bei der Bundestagswahl CDU/CSU und FDP die Mehrheit erhielten, wurde Ramsauer gleich selbst Verkehrsminister.
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