„Kein Arzt will schlecht operieren“

Von: Jutta Geese
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Das St. Antonius-Hospitals Eschweiler fürchtet den Vergleich der Daten nicht. Foto: P. Nowicki

Stolberg. Gute oder schlechte Erfahrungen mit Krankenhäusern sprechen sich schnell herum. Wer sich einer Operation unterziehen muss, erhält oft – ob er will oder nicht – Tipps von Verwandten, Freunden und Kollegen. Da kann es sein, dass der eine Krankenhaus X in höchsten Tönen lobt, aber der andere wahre Schauermärchen erzählen kann. Da ist guter Rat teuer. Für mehr Transparenz bei der Frage, wie gut oder schlecht ein Krankenhaus ist, will die AOK sorgen.

Die Krankenkasse, bei der rund 30 Prozent der gesetzlich Versicherten Mitglied sind, hat bundesweit die Ergebnisqualität bei vier häufigen Operationen an Knie, Hüfte und Gallenblase untersucht und deutliche Qualitätsunterschiede festgestellt.

„Die Krankenhäuser selbst machen ja auch Qualitätskontrollen“, erklärt Horst Schwering, Regionaldirektor der AOK Rheinland/Hamburg mit Sitz in Stolberg. „Aber sie haben kaum eine Chance, über einen längeren Zeitraum zu verfolgen, was aus ihren Patienten nach einer Operation wird. Denn die Weiterbehandlung erfolgt ambulant bei niedergelassenen Kollegen.“

Die Krankenkasse könne aber anhand der Mitgliedsdaten sehen, wie lange jemand anschließend arbeitsunfähig ist, ob Komplikationen auftreten, die gar eine weitere Operation zur Folge haben, oder ob eine langwierige Rehabilitation erforderlich ist.

„Für unsere Kunden und das Gesundheitssystem ist es besser, wenn dort operiert wird, wo man es am besten kann“, sagt Schwering. Entsprechend empfehle die AOK ihren Mitgliedern Kliniken, die in der Untersuchung gut abgeschnitten haben. „Wir werben dafür, nicht unbedingt das am nächsten gelegene Krankenhaus zu wählen. Das kann gut sein, muss es aber nicht“, sagt Schwerin.

Manchmal zu betriebsblind?

Die Verantwortlichen scheuen den Vergleich jedenfalls nicht. „Wir begrüßen es, mit den Daten konfrontiert zu werden“, sagt Elmar Wagenbach, Geschäftsführender Vorstand des St. Antonius-Hospitals Eschweiler, das sich in allen drei Qualitätsstufen wiederfindet. Transparenz sei wichtig. Die Krankenhäuser stellen sich der Qualitätsdiskussion schon seit Jahren, betont er und fügt an: „Es gibt keinen Arzt, der schlecht operieren will, und keine Schwester, die schlecht pflegen will. Aber vielleicht läuft man ja auch manchmal ein bisschen betriebsblind durch die Gegend, statt das eigene Handeln kritisch zu hinterfragen.“

Die AOK-Untersuchung gebe dazu einen Anstoß – aber auch dazu zu schauen, warum man in einem Bereich gut ist, um diese Qualität dann halten zu können.

Das sieht auch Dr. Ulrich Mauerer, Geschäftsführer der Eifelklinik St. Brigida in Simmerath, so. Man müsse erst mal wissen, wo man steht, bevor man Verbesserungen angeht. Das von der AOK angewandte QRS-Verfahren sei allerdings nur eines von mehreren möglichen Verfahren zur Qualitätsermittlung. Entscheidend für die Qualitätssicherung ist für ihn, dass die Verantwortlichen in den Krankenhäusern für die notwendigen Rahmenbedingungen sorgen, damit die Mitarbeiter die geforderte Qualität erbringen können. Dazu gehöre auch, „die richtigen Personen an der richtigen Stelle einzusetzen“.

Qualitätsfrage stellen

Der Qualitätsfrage müsse man sich immer stellen, nicht nur nach einer schlechten Bewertung, unterstreicht auch Dr. Markus Graf, Ärztlicher Direktor am Medizinischen Zentrum (MZ) Städteregion in Würselen. Schließlich „behandeln wir kein Röntgenbild, sondern Menschen“, sagt er. Zunehmend habe man es in den Krankenhäusern mit älteren Menschen zu tun, die mehrere Erkrankungen haben. Deshalb müsse verstärkt interdisziplinär gearbeitet werden.

Das bestätigt Dr. Jürgen Nilius, Oberarzt der Chirurgie am MZ, der im vergangenen Jahr rund 300 Gallenblasenoperationen durchgeführt hat. In der AOK-Untersuchung erhält seine Abteilung überdurchschnittlich gute Noten.

Das Wissenschaftliche Institut, das die Studie erstellt hat, spricht von einem „fairen Vergleich zwischen den Kliniken“. Es erfolge eine individuelle Risikoabschätzung für das Auftreten einer Komplikation, die neben dem Alter und dem Geschlecht der Patienten auch das Vorliegen von zahlreichen Begleiterkrankungen berücksichtige.

Inwieweit die Untersuchung tatsächlich die Realität widerspiegelt, vermag Elmar Wagenbach noch nicht zu sagen. Da müsse man schon mehr in die Tiefe gehen, meint er. „Wir müssen uns genauer anschauen, welchen Anteil der Chirurg an dem Qualitätsergebnis hat, welchen Anteil die Pflege und welchen die Reha.“ Vielleicht schneide das MZ in Würselen ja deshalb besser als sein Haus ab, weil es die bessere Reha habe bei qualitativ gleichwertigen Chirurgen. „Das müssen wir jetzt alles mal analysieren.“

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