Kaum noch Hoffnung für Vermisste

Von: Markus Peters und Sabine Meuter, ddp
Letzte Aktualisierung:
Köln / Stadtarchiv / Einsturz / AZ
Blick auf das eingestürzte Historische Stadtarchiv am Dienstag in Köln. Es handele sich um das alte Archiv in der Südstadt, sagte eine Polizeisprecherin. Wohnungen befänden sich nicht in dem Gebäude, doch sei nicht auszuschließen, dass sich Menschen darin oder direkt davor aufgehalten hätten. Foto: dpa

<b>Köln. </B>Nach dem Einsturz des Historischen Stadtarchivs in Köln werden weiter zwei Männer vermisst. Sollten die beiden Vermissten tatsächlich unter den Trümmern des Archivs und zweier benachbarter Wohnhäuser verschüttet sein, gingen „ihre Überlebenschancen gegen Null” erklärte Feuerwehrdirektor Stephan Neuhoff am Mittwoch. Nach dem Einsturz wurden zeitweise bis zu neun Personen für vermisst gehalten.

Sieben von ihnen seien inzwischen unversehrt angetroffen worden. Das gelte auch für ein Ehepaar, das zunächst in einem der eingestürzten Wohnhäuser vermutet worden war.

Die Staatsanwaltschaft Köln nahm unterdessen Ermittlungen gegen Unbekannt auf. Der durch den Gebäudeeinsturz entstandene Sachschaden ist immens. Über die Unglücksursache wurde am Mittwoch weiter spekuliert.

Die Suche nach den beiden vermissten Anwohnern gestaltete sich unterdessen schwierig, da in der Umgebung des Unglücksorts weitere Häuser als einsturzgefährdet gelten. Neuhoff sagte, es werde vermutlich noch bis Donnerstagnachmittag dauern, ehe die Unglücksstelle so weit abgesichert sei, dass im Schuttberg nach möglichen Opfern gesucht werden könne. Es sei so gut wie ausgeschlossen, sie noch lebend zu finden.

Seit Dienstag wird die Unglücksstelle mit rund 1000 Kubikmetern Beton gesichert. Dadurch soll verhindert werden, dass der Boden erneut nachgibt.

Inzwischen habe sich aber gezeigt, dass die Ruinen der beiden Wohnhäuser instabil seien und sich weiterhin um mehrere Millimeter bewegen würden. Dies mache es schwierig, die beiden 100-Tonnen-Kräne aufzubauen, die ab Donnerstag für die Bergung eingesetzt werden sollen.

Als mögliche Unglücksursache wird der Bau einer neuen U-Bahn-Linie genannt. Trotz des Gebäudeeinsturzes lehnte der Vorstandssprecher der Kölner Verkehrsbetriebe (KVB), Jürgen Fenske, einen Baustopp bei der Nord-Süd-Stadtbahn ab. Der Krisenstab des Unternehmens habe sich dagegen ausgesprochen, weil an keiner anderen U-Bahn-Baustelle vergleichbare Umstände wie an der Severinstraße vorlägen.

Beim Bau der etwa vier Kilometer langen Stadtbahntrasse war es immer wieder zu Gebäudeschäden gekommen. So traten in der Kirche St. Maria im Kapitol Schäden an Wänden und Decke auf. Auch am Historischen Rathaus zeigten sich während der Bauarbeiten Risse und der Ratsturm gab um sieben Millimeter nach. Für Aufsehen sorgte im Jahr 2004 der Schaden an der ebenfalls an der Severinstraße gelegenen Kirche St. Johann Baptist. Hier hatte sich der Turm um 70 Zentimeter geneigt, was zu aufwendigen Sicherungsmaßnahmen führte.

Kölns Oberbürgermeister Fritz Schramma (CDU), der seinen Urlaub in Österreich abbrach, stellte den Weiterbau der neuen U-Bahn-Linie unter der Altstadt infrage. „Ich halte das eigentlich jetzt fast für unverantwortlich”, sagte Schramma. Der U-Bahn-Bau werde für ihn grundsätzlich zum Problem.

Neben der Sorge um mögliche Opfer beschäftigt die Behörden auch der Wert der bei dem Unglück beschädigten Dokumente. Der Kölner Kulturdezernent Georg Quander gab den Versicherungswert des im eingestürzten Stadtarchiv gelagerten Materials mit rund 400 Millionen Euro an. Bei dem Archivbestand handele es sich „um das Gedächtnis des gesamten Rheinlandes und weit darüber hinaus”, sagte Quander.

Das Stadtarchiv umfasst den Angaben zufolge Dokumente aus mehr als tausend Jahren Kölner und rheinischer Geschichte, unter anderem 65.000 Urkunden, 104.000 Karten und eine halbe Million Fotos. Auch zahlreiche Nachlässe, darunter der des Schriftstellers Heinrich Böll, befinden sich in dem Archiv. Die früheste Urkunde stammt aus dem Jahr 922.
Leserkommentare

Leserkommentare (0)

Sie schreiben unter dem Namen:



Diskutieren Sie mit!

Damit Sie Artikel kommentieren können, müssen Sie sich einmalig registrieren — bereits registrierte Leser müssen zum Schreiben eines Kommentars eingeloggt sein. Beachten Sie unsere Diskussionsregeln, die Netiquette.

Homepage aktualisiert

Finden Sie jetzt neue aktuelle Informationen auf unserer Startseite

Wieder zur Homepage

Die Homepage wurde aktualisiert