Kaum neue Erkenntnisse im SS-Prozess

Von: Wolfgang Schumacher
Letzte Aktualisierung:
SS-Prozess / Heinrich Boere
Der mutmaßliche Kriegsverbrecher Heinrich Boere (Mitte, hinten) vor Gericht. Foto: Markus Schuldt

Aachen. Wieder kamen im Prozess gegen den ehemaligen SS-Soldaten Heinrich Boere aus Eschweiler schreckliche Dokumente ans Tageslicht.

Die von der Polizei- und SS-Führung in den Niederlanden angeordneten Tötungen offenbarten sich erneut bei einer Beschuldigtenverlesung aus dem Jahr 1946, als einem der Boere-Mittäter aus dem SS-Sonderkommando „Feldmeijer” der Prozess gemacht wurde.

Der vor dem Aachener Schwurgericht wegen dreifachen Mordes angeklagte Boere, 88, hörte unbewegt zu, als Richter Gerd Nohl die zwei Vernehmungsprotokolle verlas. In ihnen berichtete der damals 31-jährige Bart Slop, wie er als Mitglied des Kommandos „Feldmeijer” mit Kameraden 1944 auf nach Apeldoorn fuhr, um befehlsgemäß eine Todesliste mit drei Namen abzuarbeiten.

Zwei sollten getötet werden, wenn ein Opfer nicht zu Hause war oder die Tür nicht öffnete, war der nächste an der Reihe. Detailliert schilderte Slop, wie zuerst sein SS-Kollege schoss, und wie er dann zur Sicherheit nochmals das Feuer auf den am Boden liegenden eröffnete.

Wegen des zunehmenden Widerstandes gegen die Nazibesatzer hatte die SS-Führung das Kommando „Feldmeijer” gegründet. Es sollte als Repressalmaßnahmen deklarierte Tötungen erledigen. Das Kommando war streng geheim und mit linientreuen SS-Leuten bestückt.

Wie Slop damals, so beruft sich heute auch Boeres Verteidigung auf einen Befehlsnotstand. Slop sagte in seiner Vernehmung, wie aus den verlesenen Schriftstücken hervorgeht: „Für uns war das damals wie ein Wehrmachtsbefehl.” Wie Boere hatte auch Slop bis 1944 in SS-Divisionen an der Ostfront gekämpft und war verwundet in die Heimat entlassen worden. Hier traten sie dann der SS in den Niederlanden bei.

Am kommenden Sitzungstag (19. Februar, 10 Uhr) wird über den Beweisantrag der Nebenkläger entschieden, die in Maastrichter Archiven weitere Dossiers über ebensolche heimtückischen Einsätze des Angeklagten Boere Aufschluss geben sollen. So soll Boere sich in den niederländischen Widerstand eingeschlichen und den Zufluchtsort sogenannter „Onderduikers” (Untergetauchter) verraten und gleichzeitig ihre Fluchthelfer ans Messer geliefert haben.

Die Dokumente aus Maastricht wurden kurzfristig vom dortigen Archiv zusammengestellt und liegen der Schwurgerichtskammer jetzt vor. Sie werden bis zum kommenden Verhandlungstag ins Deutsche übersetzt, so dass die Kammer über ihre von den Nebenklägern beantragte Zulassung entscheiden kann. Das Anordnen der Übersetzung gilt allerdings bereits jetzt als Indiz, dass die Kammer einer prozessualen Verwertung der Dokumente, die laut Anwälten der Nebenklage weitere sieben Morde belegen, zustimmen wird. Das Verfahren könnte sich so bis in den März ziehen.
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