Kastrationspflicht in NRW kaum zu kontrollieren

Von: Christina Handschuhmacher und Florentine Dame
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Kastriert oder nicht kastriert? In vielen Kommunen in NRW gibt es bereits eine Kastrationspflicht für freilaufende Katzen. Doch kontrollieren lässt sich das kaum. Foto: dpa

Aachen. Tierschützer, die gegen zu viele freilaufende Katzen kämpfen? Das ist keineswegs ein Widerspruch, sondern Realität überall dort, wo besonders viele Streunerkatzen unterwegs sind. Vor einer Zunahme von „Kolonien herrenloser, verwilderter Katzen“ warnt der aktuelle Tierschutzbericht der Bundesregierung.

Durch die Landespolitik tigert die Frage nach dem richtigen Umgang mit freilebenden Katzen schon seit geraumer Zeit und auch Naturschützer und Jägerschaft machen sich längst für eine Kastrationspflicht der Vierbeiner in Nordrhein-Westfalen stark.

„Wir müssen die Populationen eindämmen – das geht nachhaltig nur durch Kastration“, ist Ralf Unna, Tierarzt und Vizepräsident des Landestierschutzverbandes NRW überzeugt. Und die will bezahlt sein: Am Besten vom Halter, so er sich denn ermitteln lässt. Eine Chippflicht hält deshalb auch der Nabu für einen sinnvollen Schritt.

Bereits im Juli 2013 ist eine von der Bundesregierung beschlossene Änderung des Tierschutzgesetzes in Kraft getreten, die es den Ländern erlaubt, eine Kastrationspflicht für freilaufende Katzen einzuführen. NRW hat den Ball an die Kommunen weitergespielt – und ist nach Zahlen der Tierschutzorganisation Peta sogar Vorreiter in der Debatte: Landesweit gelten in mehr als 70 Städten und Gemeinden bereits Kastrations- und Kennzeichnungsgebote für Katzen, wie aus einer Übersicht des Vereins hervorgeht.

In unserer Region gilt aktuell in den Städten und Gemeinden Aldenhoven, Düren, Eschweiler, Herzogenrath, Jülich, Linnich, Merzenich, Niederzier, Stolberg, Titz und Würselen die Kastrationspflicht. Doch wie kann sichergestellt werden, dass alle freilaufenden Katzen kastriert sind? Und: Wer soll das kontrollieren? „Eine Kontrolle gibt es bei uns nicht“, sagt etwa Matthias Bohnengel vom Ordnungsamt der Stadt Jülich. „Das können wir personell nicht leisten.“ Vielmehr gehe man Hinweisen aus der Bevölkerung nach. Bei gezielten Kontrollen müsse dann der Halter nachweisen, dass seine freilaufende Katze kastriert und gechipt sei. „Wenn das nicht der Fall ist, gibt es eine dringende Aufforderung, die Kastration nachzuholen.“ Bei wiederholten Verstößen wird ein Bußgeld fällig. Ähnliches ist aus den anderen Städten und Gemeinden mit Kastrationspflicht zu hören. Kontrollen gibt es kaum, zumal Katzen nicht – wie Hunde – gemeldet werden müssen. Stattdessen appellieren die Städte und Gemeinden an die Einsicht der Katzenhalter.

Auch bei der Stadt Aachen war die Kastrationspflicht schon mehrmals Thema – zuletzt gerade im September. Der Umweltausschuss kam nach einer Diskussion aber zu dem Ergebnis, dass eine solche Pflicht „praktisch nicht kontrollierbar“ sei. Die Katzenhilfe Aachen plädiert dennoch weiter für die Kastrationspflicht – zum Wohle der Katzen selbst. „Kastration ist Tierschutz“, sagt Geschäftsführer Peter Golz.

Denn zu große Populationen führten zu Revierkämpfen, Krankheiten oder Futtermangel. „Wildlebende Katzen können sich nicht durch Mäuse ernähren. Das ist illusorisch“, sagt Golz und stellt direkt noch eine Rechnung auf: Ein Paar unkastrierter Katzen könnte es innerhalb von zehn Jahren – ohne den Ausbruch größerer Krankheiten – auf 80 Millionen Nachfahren bringen.

Offenbar sieht auch die Landesregierung noch weitergehenden Handlungsbedarf und hat jüngst angekündigt, ihr Förderprogramm „Katzenkastration“ um mehr als die Hälfte aufzustocken: Mehr als eine halbe Million Euro sollen 2016 bereitstehen. Allerdings geht man im Umweltministerium nicht von einem „landesweiten Pro­blem“ aus, sondern davon, dass es „lokale Phänomene geben kann“, wie ein Sprecher sagt.

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