Kasteel Montfort: Alte Burg wird wachgeküsst

Von: Edda Neitz
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Auf diesem Gelände tut sich was: der Eingang zum Kasteel Montfort – im Hintergrund der markante achteckige Turm aus rotem Backstein. Foto: Edda Neitz
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Geschichte nacherzählt: In historischen Kostümen spielen Ehrenamtliche das Mittelalter nach. Foto: Stiftung Montfort

Region. Ein schöner Sommertag. Vor uns liegt das flache Land um Roermond. Wie Perlen an der Kette reihen sich kleine Dörfer an den geschwungenen Landstraßen auf. Rechts und links Getreidefelder, dazwischen Baumalleen. Friedlich und aufgeräumt wirkt hier alles.

Das war sicher anders, als Graf Hendrik von Geldern um 1260 in Montfort eine der größten Burgen des Landes bauen ließ. Mit acht Wehrtürmen und drei Meter dicken Mauern galt Burg Montfort lange Zeit als uneinnehmbar. Doch statt trutziger Burgfestung erwartet uns heute eine stimmungsvolle Ruine mit verwitterten Mauerresten, zwischen denen Gänseblümchen und Löwenzahn blühen. Von Dornröschenschlaf kann aber nicht mehr die Rede sein.

Nachdem die Burg erst einmal als eine einfache Festung mit Ringmauer und Bergfried erbaut wird, erweitert man sie später stetig. Bis ins 16. Jahrhundert hinein bleibt sie eine wichtige Festung, aber schon bald ist es mit der Verteidigungsfunktion vorbei. Es ist auch die Epoche, in der Burgen überhaupt ihre militärische Bedeutung verlieren.

Bevor im 18. Jahrhundert Teile der Mauer und Gebäude abgerissen und die Steine verkauft werden, benutzen die adeligen Besitzer sie als Wohnschloss. Um 1850 gibt es ein kurzes Erwachen: Ein Papierhersteller baut auf dem Gelände einen achteckigen Turm aus rotem Backstein, den er als Jagddomizil nutzt und der sich heute nach einer Renovierung wieder graziös aus dem Ruinenensemble erhebt.

Doch nun soll ein großer Masterplan eine komplette Neugestaltung herbeiführen. „Die Burg hat so eine große Geschichte, die muss man mit Leben füllen“, sagt Fedor Coenen, Vorsitzender der Stiftung Kasteel Montfort. Er kennt das Gelände so gut wie seine Westentasche, denn schon als kleiner Junge zog es ihn mit seinen Freunden in die halbverfallenen Ruinen zum Ritterspiel. In der Turmruine, die wegen der weißen Ringe auch weißer Turm genannt wird und eigentlich ein Kerker war, versteckten sie sich gerne.

Heute betritt man den Turm über eine kleine Treppe, doch im Mittelalter kam man in das Verlies nur über eine Öffnung in der Decke, die auch noch zu sehen ist. Burgruinen üben auf die ganz jungen Besucher nach wie vor eine große Anziehungskraft aus. Deshalb stehen an einem Sonntag während der Sommerferien kleine Ritterfestspiele auf dem Plan. Wie Ritter kämpfen, mit Pfeil und Bogen umgehen und in ihren Zelten leben – das können die Kinder hautnah erleben.

40 ehrenamtliche Mitarbeiter sorgen dafür, dass wieder Leben in die alten Gemäuer kommt. „Seit einigen Jahren wird bei uns ständig gebuddelt“, erzählt der Helfer Harry, „und immer wird etwas gefunden.“ Als Archäologen vor drei Jahren einen alten Brunnen entdeckten, fanden sie auch Reste von Schöpfeimern aus dem frühen 14. Jahrhundert.

Diese seltenen und wertvollen Ausgrabungen können sie natürlich nicht in den einfachen Schaukasten legen, der im Keller des ehemaligen Jagdhauses steht. Solche Fundstücke kommen in das Depot eines Museums. „Das kann auch schon mal in Brüssel oder Madrid sein“, sagt Fedor Coenen und fügt erklärend hinzu, dass historisch relevante Funde in der Hauptstadt der Region aufbewahrt werden, welche die Burg oder das Land zu dem Zeitpunkt regiert hat.

Eine besonders große Aktion war die Renovierung des Kellergewölbes aus dem 14. Jahrhundert. Für die repräsentativen Pflichten, die ein großes Herzogtum mit sich bringt, brauchte es auch entsprechende Räume. Hier unten im Gewölbe erkennt man außerdem gut, dass die Burg aus dem Stein der Region, also aus Mergel, und in mehreren Bauphasen errichtet wurde.

Groß und geräumig ist der 30 Meter lange Durchgang. Führte er früher von einem Turm zum nächsten, so leitet er den Besucher heute von dem kleinen Ausstellungsraum im Jagdturm zum Aufgang zur schönen und ebenfalls neuen Burgterrasse. Ausgestattet mit modernen Lounge-Möbeln und einer kleinen Speisekarte, auf der Montfort Vlaai (Limburger Obstkuchen) und „Tosti ham kaas“ nicht fehlen, kann der Besucher hier über das Burgleben von damals nachsinnen.

Auch ein kleiner Schlossgarten nach historischen Vorlagen wurde angelegt. Pflanzen und Bäume müssen noch wachsen, aber die Zweiteilung in Zier- und Nutzgarten ist von weitem zu sehen. Mischt sich auf der einen Seite das kräftige Rot der Rosen mit dem Lila der Lavendelsträucher, so überwiegt Grün in allen Schattierungen bei den mit alten Gemüsesorten wie Mangold, Pastinaken und Topinambur bepflanzten Flächen auf den anderen Beeten.

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