Kassenpatienten müssen immer länger warten

Von: Madeleine Gullert
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Im Schnitt warten Kassenpatienten 36 Tage auf einen Termin beim Facharzt, Privatpatienten hingegen nur neun. Foto: Sebastian Kahnert/dpa

Aachen. Gesetzlich Krankenversicherte in Nordrhein-Westfalen müssen immer länger auf einen Termin bei einem Facharzt warten. Das hat eine Untersuchung der Grünen ergeben, die unserer Zeitung vorliegt.

Im Schnitt warten Kassenpatienten demnach 36 Tage auf einen Termin beim Facharzt, Privatpatienten hingegen nur neun. Daraus ergibt sich eine längere Wartezeit von im Schnitt 27 Tagen. In Bielefeld mussten Kassenpatienten hingegen ganze 43 Tage länger auf einen Termin warten, während es in Düsseldorf lediglich 16 waren.

Unsere Region liegt dabei im Durchschnitt. Allerdings ist die Wartezeit auf einen Termin im Vergleich zu einer Studie von 2014 im Schnitt um sieben Tage gestiegen, auch in Aachen.

Bundesweiter Trend

„Die Wartezeiten in Aachen und Umgebung für Kassenpatienten sind in den letzten Jahren deutlich gestiegen“, sagt der Dürener Bundestagsabgeordnete Oliver Krischer (Grüne) unserer Zeitung. 2014 wartete ein Kassenpatient 21 Tage länger auf einen Termin als ein Privatversicherter. „Während sich die Wartezeiten für Privatversicherte in Aachen und Umgebung im Vergleich zur 2014er Erhebung kaum verändert haben, müssen Versicherte bei gesetzlichen Krankenversicherungen immer länger warten. Diesen Trend kann man auch bundesweit beobachten“, kritisiert Krischer. „Die langen Wartezeiten sind ein Ärgernis, gerade weil nicht mit harmlosen Symptomen in den Praxen angerufen wurde. Gelenkschmerzen, Hautausschläge oder Rückenprobleme müssen definitiv schneller untersucht werden.“

Bei der Untersuchung der Grünen wurden 405 Facharztpraxen von sechs Fachrichtungen wie beispielsweise Orthopäden in ganz Nordrhein-Westfalen angerufen. Die Anrufer gaben sich einmal als Kassen-, das andere mal als Privatpatient aus und baten wegen gleicher Beschwerden um einen Termin. In unserer Region wurden Praxen in Aachen, Stolberg, Heinsberg und Geilenkirchen angerufen. Die Erhebung ist laut Krischer belastbar ist, weil die Zahl der angerufenen Praxen zehn bis 40 Prozent der niedergelassenen Ärzte in den jeweiligen Fachrichtungen ausmacht.

Insgesamt machte es lediglich bei 30 Prozent der Praxen keinen Unterschied, ob ein Kassenpatient oder ein Privatversicherter um den Termin bat. Am dramatischsten ist die Situation für Kassenpatienten bei Radiologen. Kassenpatienten müssen dort im Schnitt 37 Tage länger auf eine Konsultation beim Arzt warten.

Die Kassenärztliche Bundesvereinigung verweist regelmäßig auf Umfragen laut denen 80 Prozent der Patienten innerhalb von drei Wochen einen Termin bekommen. Viele Studien legen aber seit Jahren wie die der Grünen nahe, dass Kassenpatienten oftmals länger warten müssen.

Die Bundesregierung hat die Kassenärztlichen Vereinigungen per Gesetz dazu verpflichtet Kassenpatienten schneller Facharzttermine zu vermitteln, wenn es eine dringende Überweisung des Hausarztes gibt. Seit etwa einem Jahr gibt es entsprechende Hotlines in den Bundesländern, die jedoch bislang kaum genutzt werden (NRW: Telefon 0211/597 089 90).

Die Grünen fordern deshalb, dass die Anreize, gesetzlich und privat Versicherte unterschiedlich zu behandeln beseitigt werden. zurzeit ist es für Ärzte lukrativer, Privatpatienten zu versorgen. Die Grünen wollen deshalb ein faires und leistungsgerechtes Vergütungssystem, das gute Behandlung und nicht den Versichertenstatus vergütet. „Mit einer Bürgerversicherung werden die Unterschiede bei den unterschiedlichen Vergütungssystemen in der gesetzlichen Krankenversicherung und in der privaten Krankenversicherung angeglichen und fair verteilt“, sagt Krischer.

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