Karnevalszüge sind „kein natürliches Umfeld für Pferde“

Von: Angela Delonge
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Blut im Maul: Beim Eschweiler Rosenmontagszug hatte das eine Welle der Entrüstung ausgelöst. Das Pferd hatte sich mit einer Möhre auf die Lippe gebissen, es hatte keine Schmerzen, sagt der Tierarzt. Foto: Tobias Röber

Aachen/Köln/Eschweiler. Nach den aktuellen Vorfällen bei den Rosenmontagszügen von Köln, Bonn und Eschweiler ist die Diskussion darüber, ob Pferde an Karnevalszügen teilnehmen sollen, wieder voll entbrannt. Tierschützer und Karnevalisten tauschen dazu schon seit Jahren ihre Positionen aus.

Dabei geht es vor allem um die Frage, ob Pferde bei Karnevalszügen und möglicherweise auch bei anderen Brauchtumsumzügen Qualen leiden und ob ihr Einsatz deswegen mit dem Tierschutz vereinbar ist. Tierschützer machen dabei immer wieder auf die besonderen Eigenschaften von Pferden als sensible, schreckhafte Fluchttiere aufmerksam. Sie kritisieren Sedierung (Ruhigstellung) der Pferde, die ein Verstoß gegen das Tierschutzgesetz ist, und Trainingsmethoden, mit denen die Tiere für den Einsatz im Karneval „desensibilisiert“ würden.

Laute Musik, ungewohnte, plötzliche Geräusche und stundenlanges Gehen auf Asphalt in unnatürlichem Schritttempo seien für Pferde eine unzumutbare Belastung und purer Stress, der in keinem Verhältnis zu den schönen Bildern und der öffentlichen Schaulust stehe. Ihre Forderungen reichen von besseren Kontrollen bis hin zu einem generellen Verbot von Pferden in Karnevalszügen.

Die Karnevalisten nehmen für sich ebenfalls in Anspruch, den Tierschutz ernstzunehmen. Die meisten von ihnen teilen die Auffassung von einem artgerechten Umgang mit Pferden und verweisen auf verantwortungsvolle Reitercorps, die regelmäßig mit den Tieren für den Einsatz im Karneval trainieren, sowie auf Kontrollen durch die Veterinärämter.

Ein generelles Verbot lehnen die meisten Karnevalisten jedoch ab. Die berittenen Korps gehörten zu einem Karnevalszug einfach dazu, heißt es in Aachen wie in Köln. Ein Rosenmontagszug ohne Pferde sei für Aachen als Reiterstadt undenkbar, sagt zum Beispiel der Präsident des Ausschusses Aachener Karneval, Frank Prömpeler.

Nehmen Pferde im Karneval tatsächlich Schaden? Die Antwort von Veterinärmedizinern auf diese Frage lautet: Jein. Übereinstimmend sagen die Experten: „Der Karneval ist kein natürliches Umfeld für Pferde, freiwillig würde das kein Pferd mitmachen.“

Pferde könnten jedoch sehr gut auf bestimmte Anforderungen vorbereitet werden, ohne Schaden zu nehmen. Deshalb sei es wichtig, die Tiere mit spezifischem Training auf solche Einsätze wie im Karneval, den polizeilichen Einsatz oder auch den Pferdesport vorzubereiten. „Das Training mit Pferden ist keine Tierquälerei“, sagt der Aachener Tierarzt Wilfried Hanbücken, seit fast 20 Jahren Vorsitzender der Veterinärkommission beim Aachener Reitturnier Chio. Pferde besitzen eine hervorragende Merkfähigkeit, durch die sie an ungewohnte Umstände gewöhnt werden könnten, so Hanbücken.

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Auch Peter Heyde vom Veterinäramt der Städteregion Aachen sagt: „Pferde im Karnevalszug – darin sehen wir kein Problem.“ Die Gesellschaft für Pferdemedizin betont die „lange Tradition“ der Beteiligung von Pferden in Festumzügen und setzt auf die langjährige Erfahrung aller Beteiligten mit diesen Situationen. Jedoch seien nur „charakterlich ruhig und trainierte Pferde“ dafür geeignet, heißt es.

Heute findet in der Regel vor Beginn der Karnevalszüge eine freiwillige „Ansichtskontrolle“ der Pferde durch die Veterinärämter statt. Erweist sich ein Pferd dabei als auffällig, kann der Veterinär zur Beweisführung eine Blutprobe anordnen. „Das ist wie beim Alkoholtest ein rechtlicher Vorgang“, sagt Peter Heyde. Sedierte Pferde könnten Mediziner jedoch auch ohne Blutprobe erkennen, sie würden sofort herausgenommen.

Im Aachener Rosenmontagszug wurden in diesem Jahr etwa 50 Pferde eingesetzt – alle mit vertrauten Reitern. An zwei Stellen wurden die Tiere von Ärzten kontrolliert – bei der Zugaufstellung und auf mittlerer Zugstrecke. In Eschweiler gehen traditionell etwa 30 Pferde mit, die für diesen Anlass bei verschiedenen Reitställen ausgeliehen werden, wie der Präsident des Eschweiler Karnevalskomitees, Norbert Weiland, auf Nachfrage erklärte. Es müssten lediglich mindestens zehn Reitstunden nachgewiesen werden. Wegen Personalmangels waren die Eschweiler Pferde in diesem Jahr vorher nicht untersucht worden.

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