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Karls Zeit riechen, fühlen, ausprobieren

Von: Sabine Rother
Letzte Aktualisierung:
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Jede Menge Mittelalter: Die museumspädagogischen Mitarbeiterinnen Pia Güntner (re.) und Uta Hellendoorn mit einem der drei Spezial-Koffer zur Rathaus-Ausstellung „Orte der Macht“.
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Pia vom Dorp, Museumspädagogin im Kulturbetrieb Aachen, hat historische Koffer „gepackt“, in denen Kinder und Jugendliche Geschichte entdecken.

Aachen. Mal eben eine SMS oder eine E-Mail schreiben? Ins Auto steigen, um schnell an einen anderen Ort zu gelangen? Das Licht anknipsen, wenn es dunkel wird? Zur Zeit Karls des Großen ging das nicht – aber es gab viele andere Dinge, die heute noch staunen lassen und die ein spezielles museumspädagogisches Programm für Kinder und Jugendliche aufgreift.

 Im Veranstaltungsreigen des Jubiläumsjahrs zum 1200. Todestag des Frankenherrschers haben die drei unterschiedlichen Ausstellungen vom 20. Juni bis 21. September einen besonderen Stellenwert: „Orte der Macht“ ist der Titel einer großen Schau im Krönungssaal des Aachener Rathauses, „Karls Kunst“ heißt es im Centre Charlemagne/Katschhof, und in der Domschatzkammer feiert man ein Wiedersehen mit „Verlorenen Schätzen“, eine Ausstellung, die das Domkapitel organisiert.

Bildungspartnerschaft

„Von Rittern und Schwertern können Kinder erzählen“, weiß Museumspädagogin Pia vom Dorp. „Aber wie das Leben zu Karls Zeiten aussah, weiß kaum jemand.“ Und genau das soll sich ändern. „Zukunft braucht Herkunft“, zitiert Olaf Müller, Leiter des Kulturbetriebs Aachen, den Philosophen Hans-Georg Gadamer. „Für uns ist der Bildungsaspekt, der ja auch ein Thema Karls war, in diesem Jubiläumsjahr ein Schwerpunkt.“ Mit der Stawag als engagiertem Sponsor konnte man eine intensive Bildungspartnerschaft eingehen – und drei Koffer packen, mit denen Pia vom Dorp und ihre Kolleginnen „auf die Reise“ zu Schulen und Kindergärten gehen.

„Eine wichtige Chance“, erzählt die Museumspädagogin, die das Lebensgefühl der Zeit Karls des Großen in eine ganz besondere Zeichensprache umsetzt. Jeweils 90 Minuten wird in Schulklassen und Kindergärten gemeinsam ausgepackt – Korn und Gewürze, die man im Mörser zerstoßen musste, kostbares Pergament, selbstgemischte Tinte samt Federkiel, Stoffe vom rauen Leinengewand bis zur feinen Seide, Scherben, die vom alltäglichen Leben erzählen, Trinkhorn und der Holzlöffel, den man an den Gürtel hängen konnte. „Den Löffel abgeben“, ein Spruch, der, wie Pia vom Dorp versichert, aus dieser Zeit stammt. Sonderöffnungszeiten im Rathaus und im Centre Charlemagne von 8 bis 10 Uhr ermöglichen in der Schulzeit spezielle Kinderführungen. Für die Ferien gibt es spannende Workshops, bei denen man etwa die Schrift zu Karls Zeiten erkunden kann, dem Pfalzbaumeister über die Schulter schaut oder den Archäologen mit originalgetreuer handwerklicher Ausstattung nacheifert.

„Man muss sich anmelden, aber die Teilnahme ist kostenlos und eine Führung durch die Rathaus-Ausstellung gehört auch dazu“, verspricht Pia vom Dorp. In der Domschatzkammer haben die jüngsten Teammitglieder das Sagen: Kinder führen Kinder durch die „Verlorenen Schätze“ und erzählen ihren Altersgenossen, wie es dazu kam, dass so manche Kostbarkeit einfach „verschenkt“ wurde oder irgendwo verschwand. „Ganz bewusst integrieren wir diese Stücke in die normale Ausstellung“, sagt Georg Minkenberg, Leiter der Domschatzkammer. „Dabei gehen die Kindergruppen natürlich zunächst in den Dom zum Kaiserthron und zum goldenen Karlsschrein, auch für Kinder sind das wichtige Orte.“

23 Kinder stehen bereit, um ihren Altersgenossen jeweils für 60 Minuten besondere Geschichten zu erzählen – etwa vom Bischof Berdolet, der Napoleon einen kostbaren Schmuck aus byzantinischer Zeit, die „Lucas-Madonna“, schenkte. Zur Ausstellung kommt das wiedergefundene Stück aus Cleveland nach Aachen. Oder das Gebetsbuch aus dem 15. Jahrhundert, in dem vermerkt ist: „Das gehörte Kaiser Karl...“, eine dreiste Fälschung. „Reliquienfälschungen gab es immer, auch das ist ein spannendes Thema“, so Minkenberg, und er verlässt sich ganz auf sein junges Team: „Kinder für Kinder, das ist ein ganz besonderes Projekt.“

So will auch Pia vom Dorp ihre Aktivitäten nicht nur auf Schulen und Kindergärten beschränken: „Wir würden auch gern zu Kindern in die Krankenhäuser gehen“, sagt sie, denn mit ihren Koffern, in denen das pralle mittelalterliche Leben steckt, sind die Pädagogen extrem mobil. Sie setzen auf Begegnungen mit allen Sinnen. Da duften Zimt und Muskat, man kann die „Trippen“, die hölzernen Schutzschuhe jener Zeit, ausprobieren und feststellen, dass man auch ohne einen Reißverschluss ordentlich angezogen sein konnte. Wenn die Ausstellungen vorbei sind, geht man im „Centre Charlemagne“ in eine neue Runde Museumspädagogik: Im November öffnet das „Geschichtslabor“ seine Türen.

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