Aachen/Alsdorf - Karl-Heinz Rheinländer kämpft schon wieder um seinen Job

Karl-Heinz Rheinländer kämpft schon wieder um seinen Job

Von: Patrick Nowicki
Letzte Aktualisierung:
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Karl-Heinz Rheinländer vor seinem typischen Bergmannhaus in der Siedlung Alsdorf-Kellersberg: Der 59-Jährige war als Arbeitnehmer der Grube Anna betroffen, als dort der Steinkohlebergbau eingestellt wurde (kleines Bild). Jetzt droht ihm bei RWE das gleiche Schicksal. Foto: Nowicki/Archiv

Aachen/Alsdorf. In Alsdorf-Kellersberg erinnert vieles an die Steinkohle-Vergangenheit. Früher befand sich dort eine Brikettfabrik, geblieben ist eine der typischen Siedlungen des Eschweiler Bergwerks-Vereins aus den 30er Jahren. In einem solchen Haus lebt Karl-Heinz Rheinländer. Der 59-Jährige ging als junger Mann mit den Kumpeln der Grube Anna auf die Straße, um gegen das Aus der Steinkohle zu demonstrieren, jetzt kämpft er für die Braunkohle.

Schließlich wechselte er als Elektromaschinenschlosser vom EBV zur Rheinbraun AG, die in die RWE Power AG aufgegangen ist.

Jetzt steht er vor dem zweiten Strukturwandel. Mit all den damit verbundenen psychischen Belastungen. „Meine Kollegen haben Angst um ihre Zukunft“, sagt Rheinländer. Er kennt diese Sorgen. In mancher Nacht seit Ende der 80er Jahre habe er keinen Schlaf gefunden. Dass er 1993 zur Rheinbraun wechseln konnte, sei ein Glücksfall gewesen. Nicht allen Kollegen erging es so gut.

Die Grube Anna in Alsdorf mit dem Verbund zur Grube Emil Mayrisch in Siersdorf stand sinnbildlich für den Aufstieg, aber auch den Niedergang des Steinkohlebergbaus. Dort verhinderten auch hohe Subventionen nicht, dass der Betrieb 1993 endete. In den Augen von Karl-Heinz Rheinländer sind die Voraussetzungen für die Braunkohle heute andere. „Dieser Rohstoff kann ohne öffentliche Förderung gewonnen werden – im Gegensatz zu den erneuerbaren Energien“, sagt er. Umso unverständlicher ist für ihn die aktuelle Diskussion. In diesem Zusammenhang spricht er von „Diskriminierung“. Man schlage einseitig auf die Braunkohle ein, „aber die Menschen, die das Aus fordern und von Drecksschleudern reden, waren meistens selbst nie in einem Braunkohlekraftwerk.“ Rheinländers größte Sorge allerdings: Der erneute Strukturwandel könnte scheitern. Dies sei schließlich auch in Alsdorf passiert, meint er. „Man hat kurzfristig Unternehmen wie Mitsubishi und Warner ansiedeln können, aber als die finanzielle Förderung endete, waren auch die Unternehmen schnell wieder weg“, schildert er. Gelitten habe das gesamte soziale Gefüge. Ein Strukturwandel mit Augenmaß, das ist sein Wunsch. „Aber der benötigt Zeit“, ergänzt er. Denn auch ihm sei klar, dass man nicht ewig Strom aus Braunkohle produzieren wolle.

Die Aussagen des 59-Jährigen gleichen den Sätzen, die in diesen Tagen von den Gewerkschaften, von einigen Politikern und dem RWE-Konzern selbst zu vernehmen sind. Er beschreibt jedoch auch detailliert, was in den Köpfen der Betroffenen vorgeht, die jetzt um ihren Job bangen und für den Erhalt der Arbeitsplätze demonstrieren. Die Emotionen der Kumpel in den 80er Jahren seien allerdings hitziger gewesen. „Ich kann mich daran erinnern, dass eine brennende Lore durch Alsdorf geschoben wurde“, erzählt er. Die Arbeit unter Tage habe die Kumpel mit- einander verbunden, es habe eine enge Kameradschaft geherrscht. Die Kollegen wohnten wie er in der Bergbau-Siedlung, man habe sich gegenseitig geholfen. Fast könnte man den Eindruck gewinnen, Karl-Heinz Rheinländer wünsche sich die Arbeit in und an der Grube zurück.

Dass auch die gemeinsame Sorge zum Schulterschluss führen kann, erlebt er aktuell. „Eine solche Solidarität in der Belegschaft wie derzeit habe ich bei RWE noch nicht erlebt“, sagt er. Resignieren möchte er nicht. Ohnehin ist er in einem Alter, in dem sein Berufsleben auf die Zielgerade geht. Dennoch will er mit den jüngeren Kollegen kämpfen: „Für die geht es um ihre Zukunft.“

Das Bergmannshaus in Alsdorf-Kellersberg hat er mit seiner Familie nie verlassen. Zu seiner Arbeitsstelle in Neurath, wo sich die beiden BoA-Blöcke befinden, fährt er täglich, an einen Umzug hat er nie gedacht. Kumpel sind eben bodenständig, das Miteinander ist Rheinländer extrem wichtig: „Heute wird zu viel von Zahlen gesprochen, und man vergisst dabei die Menschen.“

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