Karl der Rote als Botschafter auf dem Katschhof

Von: Sabine Rother
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Da ist der Karl: Seit Montag wird die Ausstellung „Mein Karl“ auf dem Aachener Katschhof aufgebaut. Ab Samstag werden hier 520 Miniatur-Kaiser zu sehen sein. Foto: Michael Jaspers (4), dpa

Aachen. Kaiserwetter – blauer Himmel, weiße Wölkchen, frühlingsgrüne Bäume: Seit Montag früh ist es auf dem Aachener Katschhof mit der Ruhe vorbei. Karl der Große ist angekommen und das gleich fast 500-fach.

Genauer gesagt sind es 495 rote Skulpturen, mit denen der Nauheimer Konzeptkünstler Ottmar Hörl, Professor an der Akademie der Bildenden Künste in Nürnberg, den historischen Platz bevölkern wird.

Ein großes Team aus Handwerkern und Praktikanten unter der Leitung von Christoph Maisenbacher, der seit 2010 sämtliche Projekte des Künstlers betreut, und Techniker Werner Scheuermann ist pünktlich zur Stelle. Auch Hörl selbst ist angereist. Die Aufbauwoche in Aachen möchte er nicht verpassen. Dom, Rathaus, Centre Charlemagne – der Platz gefällt ihm, er spürt die die Verbindung von Historie und Gegenwart. „Die Situation in Aachen ist außergewöhnlich“, sagt er. „Diese Installation ist ein reines Bürgerprojekt geworden, finanziert durch den Verkauf der Figuren. Alle Kosten der Stadt konnten gedeckt werden.“

An jeder Kreuzung einer

Über 500 Karls-Paten, die bereit waren, eine der roten Figuren (je Stück 375 Euro) zu kaufen, sowie einen große Zahl von Gold-Karl-Freunden (je Skulptur 500 Euro), sorgten dafür, dass die Stadt diese Idee zum 1200. Todestag des großen Franken umsetzen kann.

Und endlich ist es so weit: Ein Auto mit gelbblinkendem Alarmlicht auf dem Dach passiert nach Hartmannstraße und Krämergasse in Schritttempo die schmale Durchfahrt zwischen Dom und Geschäftshäusern. Am Steuer sitzt Werner Schlösser, Geschäftsführer von Aachen Tourist Service, der den zwei großen Trucks den Weg sichert.

Kurz nach Mitternacht hat sich etwa Andreas Bochinski, Lkw-Fahrer bei der Bayreuther Spedition Alfred Wedlich, auf den Weg gemacht. Sechs Stunden Fahrt von Coburg nach Aachen – das ist keinen Kleinigkeit. Warum Coburg? Hier gibt es das einzige deutsche Unternehmen, das in einem Vakuumverfahren Kunststoff-Objekte ohne Naht fertigen kann. Im eng gepackten Frachtraum hat jeder Karl seinen stabilen Karton. Nichts kann wackeln, alles ist nochmals mit Plastikfolie umwickelt. „Nicht das erste Mal, dass ich Kunst fahre“, erzählt Bochinski. „Das war allerdings ein großer Dino auf einem offenen Lastwagen.“ Die Aachen-Tour wird er nutzen, um sich die Stadt – zumindest den historischen Stadtkern – anzusehen. „Vielleicht haben wir noch eine Anschlusstour mit Ware aus Belgien oder Holland.“

Inzwischen ist der erste Wagen fast ausgeladen. Christoph Maisenbacher packt mit an. Die schmalen hohen Kartons, in denen man später die Figuren auch zu ihren Besitzern transportieren kann, haben schon einen Teil des 100 Quadratmeter bietenden Arbeitszeltes bis zur Dachplane gefüllt. Werner Schlösser macht die Runde. Fehlt etwas? Woher nimmt man den Strom? Wo sollen die WC-Häuschen für den Wachdienst aufgebaut werden, der 24 Stunden lang aufpasst, damit nichts demontiert wird? Ein gut drei Meter breiter Streifen rund um die Installation wird frei bleiben, um Feuerwehr und Rettungsdiensten Platz zu bieten. Ein Stapel heller Dachlatten liegt bereit, um den Karlsfiguren Halt zu geben. Der Lattenrost wird den Platz geometrisch überziehen. An jeder Kreuzung steht bald ein roter Karl. Er wird dort nicht nur angeschraubt, sondern erhält seine individuelle Position, denn Hörl will bei aller Geometrie keine militärische Aufstellung: „Kaiser Karl rotiert, er blickt nach allen Seiten“, sagt Hörl.

Kunst im öffentlichen Raum – da hat er schon jede Menge Erfahrungen gesammelt. Was ihn daran interessiert: Selbst Menschen, die sich von zeitgenössischer Kunst nicht ins Museum locken lassen, treffen auf Hörls Schöpfungen. Er will nicht belehren. Seine Objekte sollen eine Botschaft transportieren. Als die Anfrage aus Aachen kam, hat sich der Künstler intensiv mit der historischen Gestalt beschäftigt. Der europäische Gedanke war es, der Hörl begeisterte, der Wille Karls, ein großes Reicht zu schaffen und gleichzeitig ein Bildungssystem zu gestalten, das es erlaubt, darin die nötige Verwaltung zu etablieren. „Ein wirklich modernes Konzept“, sagt er. Kurz vor der Eröffnung am Samstag kommt auf den Konzeptkünstler noch eine anstrengende Arbeit zu: Jeder Karl wird unter dem karolingischen Schuhwerk signiert.

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