Köln - Kaputter Klöppel: Materialermüdung war der Grund

Kaputter Klöppel: Materialermüdung war der Grund

Von: dpa
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Größte Glocke des Kölner Doms verliert Klöppel
Die größte Glocke des Kölner Doms hat am Donnerstag ihren Klöppel verloren. Wie das zum Erzbistum gehörende Domradio berichtete, zerbrach der Klöppel des „Dicken Pitters” beim Läuten zum Hochamt am Dreikönigstag. Foto: dpa

Köln. Materialermüdung war die Ursache für das Abfallen des Klöppels der größten Glocke im Kölner Dom. Das haben Sachverständige am Freitag festgestellt. Der Klöppel war am Donnerstag beim Läuten abgefallen und zerbrochen.

Dombaumeisterin Barbara Schock-Werner sagte, Gefahr für Besucher habe nicht bestanden, da die Glockenstube beim Läuten stets abgeschlossen werde. Der Aufschlag des Klöppels wurde sogar von der Erbebenstation in Bensberg gemessen. Die Warte hat vier Erdbeben-Messstationen im Kölner Dom.

Der Schaden am Glockenstuhl beträgt wohl nur ein paar hundert Euro, aber der neue Klöppel dürfte einen fünfstelligen Eurobetrag kosten. Der alte stammte von 1953 und wog 800 Kilogramm. Die St. Petersglocke des Doms, in Köln als „Dicker Pitter” bekannt, ist die größte frei schwingende Glocke der Welt. Sie läutet nur an hohen kirchlichen Feiertagen, so wie zu Heilige-Drei-Könige am Donnerstag. „Einen dümmeren Zeitpunkt hätte sich der Klöppel nicht aussuchen können”, sagte Dompropst Norbert Feldhoff. „Das ist die absolute Katastrophe gewesen.”

Kardinal Joachim Meisner sei auch sehr betroffen gewesen. „Er wollte erst aus dem Auto steigen, wenn er den Dicken Pitter hörte”, schilderte Feldhoff. Aber nach nur fünf Schlägen verstummte die Riesenglocke. So stieg Meisner schließlich ohne Läuten aus. „Eine Glocke ist ja für viele Menschen, auch für mich, ein lebendes Wesen”, sagte Schock-Werner. „Und diese Glocke ist etwas Besonderes, weil es ihr gelungen ist, sich ins Herz aller Kölner zu läuten.”

Bei einem so riesigen, komplexen und alten Bauwerk wie dem Kölner Dom müsse man immer mal damit rechnen, dass etwas schief gehe, meinte Feldhoff. Alles in allem gehe eigentlich sehr wenig schief: „ICEs gibt es noch gar nicht so lange, und die fallen viel häufiger aus.”

Wie lange es dauert, den neuen Klöppel zu schmieden, weiß die Dombaumeisterin noch nicht. „Wir hoffen, dass wir es bis Ostern hinkriegen.” Dann müsste der „Dicke Pitter” nämlich das nächste Mal läuten. Falls man es bis dahin nicht schaffe, werde der Dom aber auch nicht stumm bleiben. Denn dann gibt es immer noch die kleinere „Pretiosa”, die noch vor der Entdeckung Amerikas gegossen wurde. Damals, im 15. Jahrhundert, war sie in ganz Europa für ihren Wohlklang berühmt. Sollte es also bis Ostern nichts werden, wäre das auch nicht so schlimm, sagte Schock-Werner: „Dann hört man diesmal nicht Stärke, sondern Wohlklang.”

Die Petersglocke im Kölner Dom

Die Petersglocke im Südturm des Kölner Doms ist das Prunkstück unter den zwölf Glocken im Domgeläut. Mit 3,20 Metern Höhe und 3,22 Metern Breite gilt sie als größte frei schwingende Glocke der Welt. Während zu den täglichen Messen andere Glocken in Gang gesetzt werden, läutet die Petersglocke mit ihrem tiefen C-Ton nur an hohen kirchlichen Feiertagen wie Heiligabend, Pfingsten und Allerheiligen. Aufgrund ihrer Größe und eines Gewichts von 24 Tonnen wird die Glocke von den Kölner liebevoll „Dicker Pitter” genannt.

Die Geschichte der Petersglocke reicht bis in das Jahr 1921 zurück. Damals regte der Zentral-Dombau-Verein den Guss einer neuen Glocke an. Sie sollte die Kaiserglocke ersetzen, die im Ersten Weltkrieg eingeschmolzen worden war. Unterstützung für das Projekt kam unter anderem vom damaligen Kölner Oberbürgermeister Konrad Adenauer. Im Mai 1923 begann die thüringische Glockengießerei Ulrich mit den Arbeiten. Nach anderthalb Jahren und zeitweiligen finanziellen Schwierigkeiten erreichte die fertige Glocke im November 1924 den Kölner Hafen. Von dort aus wurde das tonnenschwere Geläut auf einem Tieflader zum Dom transportiert.

Da die Glocke nicht durch die 1,84 Meter breiten Türen des Gotteshauses passte, musste der Mittelpfeiler des Hauptportals ausgebaut werden. Der anschließende Transport in den Glockenstuhl in 53 Metern Höhe dauerte mehrere Wochen. Als sie an Heiligabend 1924 zum ersten Mal läutete, verstummte sie bereits nach drei Schlägen - das Seil der Läutemaschine war gerissen. Erst nach monatelangen Arbeiten gab es am 10. Oktober 1925 ein feierliches Geläut mit allen Domglocken.

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