Kaninchenzucht ist kein Streichelzoo

Von: Thorsten Karbach
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Zwei Männer und ihr ganzer Stolz: Heinz Becker (l.) und Marc Dödtmann vom Kaninchenzuchtverein R122 Eilendorf mit Exemplaren der Rasse Zwergwidder und Kleinsilber schwarz. Foto: Steindl

Aachen. Die Sache mit den Kaninchen hatte begonnen, wie es mit Kaninchen eben beginnt. Marc Dödtmann war ein Junge, der gerne ein Kaninchen streicheln wollte und deswegen ein Streichelkaninchen bekam. Dann zogen neben den Dödtmanns neue Nachbarn ein und mit ihnen neue Kaninchen.

Die hat er dann jeden Tag besucht. Die Kaninchen bekamen Junge, wie Kaninchen eben Junge bekommen, Marc bekam zwei Weibchen geschenkt und ließ sie decken, damit auch sie Junge bekommen. Da war er zwölf und irgendwie von heute auf morgen ein Jungzüchter.

Mittlerweile ist Marc Dödtmann 16, er hat rund 20 Kaninchen, allesamt Holländer schwarzweiß, so heißt die Rasse. Es sind seltene Tiere, nur sechs Züchter in NRW haben welche. Mit 13 hat er seine Kaninchen das erste Mal ausgestellt, mit 15 wurden sie auf einer Landesschau gezeigt. Und mit 16 steht er für die Zukunft eines der ältesten Kaninchenzüchter-Vereine im Rheinland. Am Wochenende feiert der Kaninchenzuchtverein R 122 Eilendorf 1909 seinen 100. Geburtstag.

Marc Dödtmanns Kaninchenbiographie fällt nicht nur im Eilendorfer Verein auf. Denn normalerweise wird das Hobby Kaninchenzucht vererbt. Doch Marcs Vater hat Fußball gespielt, keine Tiere gezüchtet. Und das unterscheidet ihn von Hans Becker, 60. Der Vorsitzende des R 122 Eilendorf bekam die Kaninchenzucht in die sprichwörtliche Wiege gelegt. Generationen von Beckers haben Kaninchen gezüchtet, in Hans Beckers Garage stehen nun Käfige mit 30 Tiere, im Sommer ersetzen sie den Rasenmäher im Garten. Die Tiere heißen Kleinsilber schwarz, weil sie eben schwarz sind - mit silbernem Anstrich im Fell. Und wenn dieses Silber besonders gleichmäßig das schwarze Fell aufhellt, dann ist es ein besonders wertvolles Tier.

Damit Marc Dödtmanns Holländer schwarzweiß - besondere Merkmale sind ein Rückenring und Manschetten - bei den nächsten Schauen der Konkurrenz die Stirn bieten, hat er sich einen sächsischen Dickkopf geholt. Also auch einen Holländer schwarzweiß, aber in Sachsen haben die Tiere größere Köpfe als im Rheinland. Mit kräftigem Kopf und markanter Zeichnung will der Jungzüchter in Zukunft die Juroren überzeugen. Kaninchenzucht ist eine ernsthafte Sache - keine Spielerei. „Kein Tier ist wie das andere. Man muss die richtige Verpaarung treffen”, sagt Dödtmann.

Und man muss sie hegen und pflegen. „So eine Kaninchenzucht ist wie ein kleiner Bauernhof. Ich kann nicht sagen, heute habe ich keine Lust mich um die Tiere zu kümmern”, sagt Becker. Und kümmern allein genügt den Züchtern nicht. Ihnen geht es darum, ein besonders prachtvolles Exemplar zu zeugen. Das war in den Anfangsjahren der Vereinsarbeit noch ganz anders.

Da war die Kaninchenzucht eher zweckmäßig. Es ging darum, hin und wieder einen leckeren Braten auf den Tisch zu bekommen. Auch in Eilendorf. Begonnen wurde dort zunächst auch mit der Kleintierzucht - also mit Rassegeflügel und Tauben. Doch rasch trennten sich die Kaninenzüchter von den Vogelfreunden. Kaninchen und Vögel haben eben wenig gemeinsam.

Einmal im Monat treffen sich die R 122-Züchter - dabei geht es vor allem um die Tiere. „Wir stecken unser Geld lieber in die Zucht als in Kameradschaftsabende”, sagt Becker. Stattdessen fahre man zu Landesschauen und Deutschen Meisterschaften nach Bremen, Leipzig oder Nürnberg. Vor drei Jahren haben sie einmal fünf Landesmeister gestellt, Beckers Augen leuchten jetzt noch wie die Pokale, wenn er das erzählt.

Natürlich werden die Kaninchen auch an diesem Wochenende gezeigt - wenn der 100. Geburtstag gefeiert wird. Dann wird im Vereinshaus auf 100 Jahre R 122 zurückgeblickt. Und nach vorne, denn Sonntag können Kinder ihre Kaninchen den Züchtern zeigen und bewerten lassen - auch so hofft der Verein den Nachwuchs zu begeistern. Denn nicht alle entdecken ihre Begeisterung für die Tiere wie Marc Dödtmann in der Garage des Nachbarn.

Seine Kaninchen sind übrigens in den Keller gezogen. Dafür musste Opa anbauen. Denn der hatte dort seine Gartengeräte stehen. Und die sind nun in einem neuen Gartenhaus.

Bundesweit 185.000 Züchter

Der Zentralverband Deutscher Kaninchenzüchter zählt bundesweit 185.000 Mitglieder in 6800 Ortsvereinen. Die Zahlen sind allerdings rückläufig, menschlicher Nachwuchs fehlt. Die Zahl der Kaninchen liegt aber immer noch bei weit mehr als einer Million. Es gibt mehr

Mit 240 gemeldeten Tieren von 27 Züchtern ist der Eilendorfer R122 einer der größten Vereine der Region. Jedes Tier trägt eine Registriernummer. Namen haben sie in der Regel keine. Allein im Kreisverband Aachen-Süd gibt es 13 Vereine, die meisten haben 50 bis 70 Tiere gemeldet, also gibt es allein im Aachener Süden mehr als 1000 Zuchtkaninchen.
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