Kampf gegen Windräder - Holländer: „Es reicht”

Von: Elke Silberer, dpa
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Windräder
Windräder in Aachen-Vetschau drehen sich hinter den Wohnhäusern des niederländischen Ortes Bocholtz. Die Europastadt Aachen ist stolz auf ihre gute Nachbarschaft mit Belgiern und Holländern. Doch nun gibt es plötzlich Misstöne. Die Bewohner der niederländischen Nachbargemeinde Simpelveld sind verstimmt. Sie befürchten, dass ihnen die Stadt Aachen gigantische Windräder vor die Haustüre setzt. Foto: dpa

Aachen. Die Europastadt Aachen ist stolz auf ihre gute Nachbarschaft mit Belgiern und Holländern. Doch nun gibt es plötzlich Misstöne. Der direkte niederländische Nachbar, die Gemeinde Simpelveld, ist verstimmt. Die Bevölkerung ist sogar richtig sauer. Sie befürchten, dass ihnen die Stadt Aachen gigantische Windräder vor die Haustüre setzt. Seit Monaten herrscht Misstrauen statt gutnachbarlicher Offenheit - und Funkstille.

Der Aachener Verwaltungsmann Klaus Meiners hält sich an die Fakten. Die Politik habe die Verwaltung beauftragt, Möglichkeiten zum Ausbau der Windenergienutzung zu prüfen. Dazu gehöre auch ein Gebiet, das unmittelbar an den Simpelvelder Ortsteil Bocholtz grenzt. Aber noch sei gar nichts klar, betont der Fachbereichsleiter Umwelt. „Insofern glaube ich nicht, dass es da im Moment Probleme gibt.”

Das sehen die Bocholtzer ganz anders. Schon jetzt drehen sich neun Aachener Windräder vor ihrer Nase - erbaut von 1997 bis 2002. „Niemand hat uns damals informiert. Nach und nach wurden die gebaut”, kritisiert die Anwohnerin Eleonore Brauers. Sie wohnt in einer Straße direkt am Landschaftsschutzgebiet. Dahinter stehen auf deutschem Gebiet die Windräder. Bei Sonnenuntergang gehen an vielen Häusern die Rollos runter, weil die Menschen den Schlagschatten im Sekundentakt durch die Rotorenblätter nicht mehr ertragen können.

Nach diesen Erfahrungen mussten die jüngsten Meldungen die niederländischen Nachbarn zwangsläufig aufschrecken. Angeblich, so war zu lesen, will die Stadt die alten Windräder durch neue 160 Meter hohe Windräder zu ersetzen - sie wären mehr als zweimal so hoch wie der Kirchturm von Simpelveld. Mit 800 Protest-Unterschriften zogen die Bocholtzer ins Aachener Rathaus. Mittlerweile haben sie sich auch der deutschen Bürgerinitiative gegen die Windräder angeschlossen. Rund 10.000 Menschen auch in Aachener Stadtteilen wären nach ihrer Einschätzung von einem Neubau an dieser Stelle betroffen.

„Es reicht!”, sagt der Bocholtzer Beigeordnete Wiel Weijers unmissverständlich. Das Dorf arbeitet an einer touristischen Zukunft für Ruhe- und Erholungssuchende. Noch höhere Windräder, die noch mehr Lärm machen und die Landschaft verschandelten, passten da nicht rein. Was die Niederländer besonders ärgert, ist das Gefühl, dass Aachen die Karten nicht offen auf den Tisch legt. Unter Nachbarn könne man doch mal ein offenes Wort erwarten, kritisieren sie.

Meiners von der Aachener Verwaltung bleibt jedoch dabei, dass er im Moment nichts zu sagen habe. Aus seiner Sicht ist ein Neubau von sehr großen Anlagen im vorhandenen Windpark kein Thema. „Ökonomisch macht es keinen Sinn. Ich kann dann zwar mehr Strom erzeugen, aber der Aufwand steht in keinem Verhältnis zum Nutzen.” Was allerdings in fünf oder zehn Jahren sei, stehe auf einem Blatt. Zunächst gehe es nur um eine Prüfung, wo die Windenergie eventuell irgendwann mal ausgebaut werden könne. „Dabei überprüfen wir auch die Möglichkeiten für den vorhandenen Windpark.”
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