Kampf gegen Leukämie: Würselener sucht seinen Lebensretter

Von: Sonja Essers
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Zwei Jahre nach der Stammzellentransplantation geht es dem Norbert Lynen wieder gut. Tochter Anja ist sehr erleichtert. Foto: Sonja Essers

Würselen. In wenigen Wochen ist es soweit: Am 19. März feiert Norbert Lynen seinen Geburtstag, dabei hat er an diesem Tag gar nicht das Licht der Welt erblickt. Dennoch ist der Tag für ihn und seine Familie von besonderer Bedeutung. Vor zwei Jahren erhielt der Familienvater am 19. März eine Stammzellentransplantation.

Nur durch sie schaffte er es, die Leukämie, die wenige Wochen zuvor bei ihm erkannt worden war, zu bekämpfen. Heute geht es Norbert Lynen gut. Geheilt ist er allerdings nicht. Doch dass er die schlimme Krankheit überleben würde, hätte Norbert Lynen nicht immer gedacht.

Eigentlich hatte er vor der Diagnose nur seine Müdigkeit in den Griff bekommen wollen. Der damals 59-Jährige fühlte sich oft schlapp und müde. Ein Besuch beim Hausarzt sollte helfen, doch der hatte für ihn keine guten Nachrichten. Lynen war an einer besonders aggressiven Form von Blutkrebs, einer akuten myeloischen Leukämie, erkrankt. „Mein Blutbild war eine Katastrophe. Mein Arzt hat mir gesagt, dass ich Karneval nicht mehr erlebt hätte, wenn ich ihn nicht aufgesucht hätte“, sagt Lynen.

Dann ging auf einmal alles ganz schnell. Lynen kam ins Aachener Klinikum und erhielt dort die erste Chemotherapie. Wirkung zeigte diese allerdings nicht. „Die Ärzte erklärten mir, dass mir nur noch eine Stammzellentransplantation helfen würde“, sagt Lynen. Die Suche nach der berühmten Nadel im Heuhaufen begann.

Gemeinsam mit der Deutschen Knochenmarkspenderdatei (DKMS) organisierte Familie Lynen eine Typisierungsaktion im Gymnasium der Stadt Würselen. Als Schirmherr stellte sich ein alter Bekannter von Lynen zur Verfügung – Martin Schulz, der jetzige Kanzlerkandidat der SPD und einst Bürgermeister in Würselen. Er war aber nicht der einzige, der die Aktion unterstützte.

Finanziell wurde sie von dem Hilfswerk unserer Zeitung, „Menschen helfen Menschen“, unterstützt. Und damit nicht genug. Rund 1000 Menschen aus der gesamten Region ließen sich typisieren. Kein Wunder, schließlich ist Norbert Lynen kein Unbekannter. Er arbeitete fast 20 Jahre lang im Aachener Domkeller. Von dort aus wurden gleich mehrere Shuttle-Busse nach Würselen geschickt. Ein Spender war schnell gefunden.

Die Transplantation fand an besagtem 19. März statt. Die Überlebenschancen von Norbert Lynen lagen zwischen 30 und 60 Prozent. „Das war kein Strohhalm, sondern ein ganz dickes Kabel, an das ich mich klammern konnte“, sagt Lynen. Vier Monate verbrachte er im Aachener Klinikum, lag 54 Tage auf einer Isolierstation – doppelte Schleuse und Mundschutz inklusive. „Jedes Hüstchen hätte mich umbringen können“, sagt er rückblickend.

Diese Zeiten gehören mittlerweile der Vergangenheit an. Nach seiner Entlassung aus dem Klinikum schluckte er täglich 22 Tabletten. Die nimmt er heute nicht mehr. Und auch die Kontrolluntersuchungen finden nicht mehr drei Mal wöchentlich, sondern alle vier bis fünf Monate statt. Im Juni 2016 ist Lynen sogar wieder in seinen alten Job zurückgekehrt – als Lehrer an einer Hauptschule in Inden.

Mit Einschränkungen muss der zweifache Familienvater trotzdem leben. So kann er sich beispielsweise nicht lange in der Sonne aufhalten. Lediglich mit Sonnenbrille, Kappe und einer Sonnenmilch mit Lichtschutzfaktor 50 sei das möglich. „Auf der einen Seite würde ich sagen, dass ich nie wieder völlig gesund werde, auf der anderen Seite fühle ich mich sehr gut“, beschreibt Lynen seinen momentanen Gesundheitszustand. Erst fünf Jahre nach der Transplantation könne man davon ausgehen, dass man eine normale Lebenserwartung habe, sagt Lynen.

Norbert Lynen empfindet heute nicht nur ein Gefühl dazugewonnener Stärke, sondern vor allem ein Gefühl der Dankbarkeit. „Ich möchte mich ganz herzlich bei all denen bedanken, die uns geholfen haben, egal auf welche Weise“, sagt er und seine Tochter Anja ergänzt: „Es gab viele Menschen, die uns unglaublich viel geholfen haben. Das war so viel wert.“ Dankbar ist Lynen auch den Ärzten und Mitarbeitern des Aachener Klinikums. „Die Behandlung war einfach Weltklasse“, sagt er. Auch seine Familie habe sich dort „gut aufgehoben“ gefühlt.

Ein großer Dank geht natürlich an den Stammzellenspender. Mittlerweile ist die Frist von zwei Jahren abgelaufen und Lynen darf zu der Person, die ihm sein Leben gerettet hat, Kontakt aufnehmen. Schließlich ist die der Grund dafür, dass der Mann aus Würselen zwei Mal im Jahr Geburtstag feiern kann.

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