Monschau - Kamel, Pferde und weitere Tiere trotz Verbots gehalten: Gerichtsprozess

Kamel, Pferde und weitere Tiere trotz Verbots gehalten: Gerichtsprozess

Von: Christoph Pauli
Letzte Aktualisierung:
Kamel
Auch ein Kamel war unter den verwahrlosten Tieren. Symbolfoto: Stefan Sauer/ZB

Monschau. An besagtem Sonntag im April dieses Jahres war wohl Gefahr in Verzug. Passanten hatten beobachtet, dass ein Pferdeanhänger mit Kölner Kennzeichen vor dem Haus von Dieter B. in Mützenich stand. Nicht nur in der Nachbarschaft ist bekannt, dass für den 52-Jährigen ein lebenslanges Tierhaltungsverbot besteht.

Das eingeschaltete Veterinäramt rückte aus, begleitet von der Polizei, die Amtshilfe leistete. Sie beschlagnahmten wieder Kaninchen, neun Pferde, ein Rind und ein Kamel.

Entsetzte Zeugen berichten, dass die Wasserleitungen abgestellt waren. Die Zuleitungen zu den Tränken seien teilweise abgeschnitten worden. Viele Tiere seien angebunden gewesen. Sie hätten in ihren eigenen Fäkalien oder im Müll gestanden. Die meisten Pferde seien dehydriert gewesen, hätten verängstigt auf Handbewegungen in Kopfhöhe reagiert, weil sie wohl Schläge befürchteten. „Bei den Haltungsbedingungen wurden wiederum tierschutzrechtliche Verstöße festgestellt“, teilt Detlef Funken, Sprecher der Städteregion, mit.

Dieter B. steht derzeit mit seiner Lebensgefährtin Janine M. vor dem Monschauer Amtsgericht. Verhandelt werden mögliche Verstöße gegen das Tierschutzgesetz. Im Raum steht ein Strafrahmen, der von einer Geldstrafe bis zu einer dreijährigen Gefängnisstrafe liegt. Die Verhandlung wird am Montag fortgesetzt, aber es geht dabei nicht um die Vorkommnisse aus dem Frühjahr.

Angeklagt ist das Paar nach zwei Kontrollbesuchen im April und September 2016. Bei beiden Anlässen wurden insgesamt 135 Tiere sichergestellt. Was die Tierärzte bei ihrem ersten Besuch feststellten, war so gravierend, dass sie sofort ein Verbot aussprachen. Im ihrem Einsatzbericht steht zum Beispiel: „Die Box war hochgradig mit Kot und Urin verunreinigt. Der Kot war bereits schimmelig, so dass seit mehreren Tagen keine Entmistung der Box stattgefunden haben konnte. Wasser war nur in geringer Menge in zwei Eimern vorhanden und hochgradig verunreinigt. Es existierte kein natürlicher Lichteinfall oder künstliches Licht.“

Dieter B. legte Einspruch ein, aber das Verwaltungsgericht bestätigte das „unbefristete Haltungs-, Betreuungs und Umgangsverbot mit Tieren jeglicher Art und Rasse“ (Urteil vom 28. Juni 2017/ 6 K 556/17). Für die Richter war eindeutig, dass der 52-Jährige „massiv gegen tierschutzrechtliche Bestimmungen“ verstoßen habe. Er sei nicht ansatzweise einsichtig, weitere „tierschutzrechtliche Verstöße seien ernsthaft zu befürchten“.

Zwangsgeld von 25.000 Euro

Bestätigt wurde auch das in der Ordnungsverfügung angedrohte Zwangsgeld, wonach Dieter B. jeweils 25.000 Euro zahlen müsste, wenn er das Tier-Kontaktverbot ignoriert. Mit 2500 Euro sollen Verstöße geahndet werden, falls Dieter B. „gewerbsmäßig oder privat“ Tiere auch nur transportiert. Nach dem Kontrollbesuch im September wurde das Zwangsgeld von 25.000 Euro postwendend verfügt, es soll nun eingetrieben werden, sagt Funken.

Das lebenslange Verbot zum Umgang mit Tieren hat Dieter B. bislang nicht sonderlich irritiert. Dabei ist dem Mann bereits seit zwölf Jahren der „gewerbsmäßige Handel mit Pferden und Vieh untersagt“.

Monschaus Bürgermeisterin Margarete Ritter hat vom Amtswegen seit Jahren mit ihm zu tun. Jahre, in denen es häufig Hinweise von Nachbarn gegeben hat, Jahre, in denen das Ordnungsamt regelmäßig bei Dieter B. vorbeischaute. Im Sinne der Tiere habe man das Urteil des Verwaltungsgericht sehr zustimmend zur Kenntnis genommen. „Wir hoffen, dass ihm das Handwerk gelegt werden kann.“ Gleichwohl mehren sich nach Informationen unserer Zeitung Hinweise, dass Dieter B. seine Aktivitäten in Richtung Belgien verlagert.

Warum die Razzia im April dieses Jahres nicht Eingang in die Anklage gefunden hat, ist ungeklärt. Laut Veterinäramt ist der Bericht bereits im Mai an die Staatsanwaltschaft weitergeleitet habe. Anklagevertreter Dennis Bäcker liegt der Vorgang bislang nicht vor, sagt er. Er hat die Behörde noch einmal um den letzten Bericht gebeten. So kann es sein, dass dem bislang offenbar unbelehrbaren Dieter B. das nächste Verfahren droht.

Längst sind die Nachbarn sensibilisiert, melden regelmäßig verdächtige Beobachtungen. So wie im Frühjahr. Bis in den frühen Morgen hinein wurden die beschlagnahmten Tiere weggefahren. Für das Kamel fand sich zunächst keine Möglichkeit zum Abtransport. Als die Polizei am nächsten Tag wieder vorbeischaute, war das Wüstentier verschwunden, obwohl ein „Verbringungsverbot“ ausgesprochen war. „Eine Verlustanzeige des Eigentümers liegt nicht vor“, sagt Funken.

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