Kaiserplatzgalerie: Ergebnis der Abstimmung ist eindeutig

Von: Werner Breuer und Achim Kaiser
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Die Probeabstimmung ist eindeu
Die Probeabstimmung ist eindeutig: Die meisten Teilnahmer des „Nachrichten”-Forums zur Kaiserplatzgalerie am Donnerstagabend lehnen die geplante Einkaufslandschaft ab. Foto: Andreas Herrmann

Aachen. Notartermin in Hamburg? Christoph Allemand wollte es am Vorabend des einschneidenden Ereignisses für das Schicksal der Kaiserplatzgalerie nicht glauben. „Vielleicht gucken die sich zusammen in Hamburg ein Musical an, aber Verträge unterschreiben... ich glaube nicht dran.”

Das war wohl ein Irrtum. Denn am Freitag erwarben Strabag aus Köln und ECE aus Hamburg die 43 Grundstücke rund um den Kaiserplatz. „Die Tinte ist getrocknet, eine gute Entscheidung für die Stadt, denn mit der vorherigen Grundtsückseigentümerin war nichts mehr zu machen”, sagte der CDU-Fraktionsvorsitzende Harald Baal mit Blick auf die Projektentwicklungsgesellschaft Adalbert­straße (PEA).

Die deutliche Mehrheit der rund 200 Teilnehmer des AN-Forums zum Thema „Baustelle Kaiserplatz” am Donnerstag in der Aula Carolina wird den Fortschritt des Projekts wohl bedauern. Gegen die zahlenmäßige Übermacht, die sich bei den von unseren Redakteuren Achim Kaiser und Gerald Eimer moderierten Fragerunden eifrig zu Wort meldete, argumentierten die Befürworter der riesigen Shopping-Mall tapfer an, allen voran Oberbürgermeister Marcel Philipp.

Der hält im Gegensatz zur Bürgerinitiative den Standort für gut gewählt. „Das war damals der Reiz der integrierten Lage”, beschrieb Philipp die Anfänge des Vorhabens. Statt die Kundschaft abwandern zu lassen in Einkaufszentren auf der grünen Wiese, soll sie mit entsprechenden Angeboten in der Innenstadt gehalten werden. Seinerzeit hätten die kleinen Einzelhändler in der Nachbarschaft einen solchen Komplex herbeigesehnt, berichtete SPD-Planungspolitiker Norbert Plum. „Die haben gesagt: Macht was, schafft eine Mall, damit wir da einziehen können.” Und nicht zuletzt gehe es dabei auch um Jobs, betonte FDP-Fraktionschef Wilhelm Helg. „Wir brauchen neue Investoren, die Arbeitsplätze schaffen.”

Das funktioniere aber so nicht, prophezeite Felix Bosseler von der Piratenpartei: „Wir lösen damit vielleicht ein Problem am Kaiserplatz, aber wir werden danach viele kleine Probleme in der Innenstadt haben.” Das vermuten auch viele Besucher, die auf sinkende Kaufkraft und den Umstand hinwiesen, dass jeder Euro eben nur einmal ausgegeben werden könne.

Dem wollte Manfred Piana vom Einzelhandelsverband nicht widersprechen. Zwar begrüßt er, dass an dieser Stelle der Stadt etwas geschieht. Er traut der Galerie auch zu, Kundschaft anzulocken. Doch ein Umsatz von 120 Millionen Euro, mit dem Piana bei einem Einkaufszentrum dieser Größenordnung kalkuliert, sei keinesfalls „nur im Umland zu generieren”, da werde es auch in der Aachener City „Umverteilungen” geben.

Dass sich überhaupt etwas bewegt, halten andere schon für einen Fortschritt. An dieser Ecke der Stadt habe es Handlungsbedarf gegeben, betonte Hermann Josef Pilgram von den Grünen. Am Kaiserplatz und an der unteren Adalbertsraße seien viele kleine Geschäftshäuser nach dem Zweiten Weltkrieg schnell hochgezogen worden, danach sei nicht mehr viel passiert.

„Wie mitten im Krieg”

Andreas Müller von den Linken stimmte ihm süffisant zu: „Vorher sah es aus wie nach dem Krieg, jetzt so wie mitten im Krieg.” Doch nach Pilgrams Ansicht trage die Politik daran keine Schuld. „Wir können nichts dafür”, sagte der Grüne und sorgte damit für Heiterkeit im Saal. Schließlich stehe es nicht in der Macht des Rates, einen Investor zur Realisierung seines Vorhabens zu zwingen. Immerhin hätten die Kommunalpolitiker die Rahmenbedingungen geschaffen, hielt Horst Schnitzler von der UWG dagegen. Fehler räumte da auch der OB ein und sprach von „Abrissarbeiten im Übermut”. Für ihn haben „diejenigen, die es bisher angepackt haben, Vertrauen verspielt”.

Philipp nannte dabei nicht explizit die PEA, die Freitag ihre 43 Grundstücke an die neuen Investoren ECE und Strabag übertrug. Letztere wird die Galerie bauen, die ECE wird sie betreiben. Auch CDU-Fraktionschef Harald Baal sprach derweil nur von „einzelnen Herren”, deren „Monopoly-Spiel” nicht dazu führen dürfe, dass „ein ganzes Viertel in Kollektivhaft genommen wird”.

Dass ECE und Strabag nun unterschrieben haben, dürfte auch den Sozialdemokraten Norbert Plum freuen. „Das sind verlässliche Partner”, sagte Plum noch am Abend vor der Vertragsunterzeichnung. Der OB blieb (noch) vorsichtig: „Ich bin schon zu oft reingefallen, wenn es hieß: Wir sind durch.”

Nun ist die Tinte unter den Verträgen getrocknet, die Mehrheit der Teilnehmer des AN-Forums wird diese Wendung der Dinge wohl bedauern.
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