Kaiserplatz: Sogar beim Notar wurde noch verhandelt

Von: Stephan Mohne, Hans-Peter Leisten und Oliver Schmetz
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Wüste Visionen: Vor zehn Jahr
Wüste Visionen: Vor zehn Jahren begannen die Planungen zur Kaiserplatz-Galerie. 2013 soll auf der Brache neben St. Adalbert endlich gebaut werden. Foto: Michael Jaspers

Aachen. Auf den letzten Drücker waren die Verantwortlichen für das Projekt Kaiserplatz-Galerie schon öfters. Und das bei einem Investitionsvolumen von 240 Millionen Euro. Schon bei der Grundsatzentscheidung im Rat vor einigen Jahren fehlten wenige Tage zuvor noch wichtige Unterlagen.

Sie kamen - auf den letzten Drücker. Freitagnachmittag nun ist der Kaufvertrag zwischen dem Hamburger Einkaufszentren-Giganten ECE und dem Kölner Investor Strabag auf der einen und der Projektentwicklungsgesellschaft Adalbertstraße (PEA) auf der anderen Seite beim Notar unterzeichnet worden.

Es war - auf den letzten Drücker. Denn am Monatsende wären nach AZ-Informationen ohne diesen Kaufvertrag wichtige Grundstücke - darunter das Philip-Leisten-Areal - an den vormaligen Eigentümer zurückgefallen. Dem Vernehmen nach wurde sogar noch im Notariat in Hamburg über Details verhandelt. Also sozusagen auf den allerletzten Drücker. Gegen 16 Uhr dann stand der Vertrag.

Rücken nun bald auch die Bagger und Bautrupps an, um den Einkaufstempel mit rund 30.000 Quadratmetern Verkaufsfläche hochzuziehen und den desaströsen Zustand zwischen Beeckstraße, unterer Adalbertstraße und Adalbertsberg zu beenden? In Verwaltung und Politik herrscht Zuversicht, dass es nach dem Winter losgehen kann. Das jedoch wird sich wohl eher auf die archäologischen Untersuchungen beziehen. Zu hören ist, dass mit dem eigentlichen Baubeginn wohl erst im Sommer oder Herbst 2013 zu rechnen ist. Offen ist die Frage, ob die Pläne für das Bauwerk überarbeitet werden. ECE hat die Kaiserplatz-Galerie als Projekt auf der Homepage und kündigt die Eröffnung für Herbst 2015 mit rund 130 Shops an.

Zunächst sind noch andere Schritte nötig. So muss erst der „Durchführungsvertrag”, den die Stadt mit der PEA geschlossen hatte, geändert und angepasst werden. Dieser Vertrag hatte unter anderem Fristen für Bauanträge enthalten. Diese Fristen sind längst verstrichen. Diese Änderung soll bereits im Planungsausschuss in der kommenden Woche sowie im Rat am 24. Oktober über die Bühne gebracht.

OB Marcel Philipp begrüßte am Freitag in einer ersten Stellungnahme die Entwicklung: „Ich bin außerordentlich glücklich. Nicht nur ich, sondern viele Aachener Bürgerinnen und Bürger atmen jetzt auf.” Viele hätten schon geglaubt, dass man noch etliche Jahre mit dem Schandfleck hätten leben müssen. „Ich hoffe, dass wir jetzt zügig vorankommen und dass das geplante Einkaufszentrum ein Gewinn für die Stadt wird”, sagt Philipp und fordert: „Alle in Verwaltung und Politik verantwortlich Handelnden müssen überlegen, welche Konsequenzen sie aus den Erfahrungen der Vergangenheit für die Zukunft ziehen werden.”

Auch der Politik fallen Steine vom Herzen. CDU-Fraktionschef Harald Baal sieht es als „gutes Zeichen”, dass mit ECE und Strabag nun Unternehmen „von anderer Qualität als die vormaligen” im Boot seien. Der neue Vertrag zwischen Stadt und Bauherren müsse klare Regelungen enthalten, was etwa den Baubeginn angeht.

SPD-Fraktionschef Heiner Höfken ist erleichtert: „Anderenfalls hätten wir dort eine jahrzehntelange Brache vor uns gehabt.” Für die Grünen sagt Fraktionssprecherin Ulla Griepentrog: „Gut, dass es jetzt doch noch einen Investor gibt, der die Kaiserplatz-Galerie realisieren will. Egal wie man zu dem Einkaufszentrum steht: Die untere Adalbert-straße kann sich nun insgesamt als ein attraktives Entree der Innenstadt entwickeln.”

Manfred Piana, Geschäftsführer des Einzelhandelsverbandes, tritt auf die Euphoriebremse: „Die Entscheidung hat zwei Seiten.” Man müsse begrüßen, dass etwas passiert, „denn die Zustände am Kaiserplatz sind unzumutbar”. Auf der anderen Seite müsse man berücksichtigen, dass der Handel einem stetigen Wandel unterliege und immer neue Anforderungen habe. Neben dem kleinteiligen Handel gebe es auch Segmente, die mehr Platz brauchen - und diesen in der Galerie finden müssten.

Piana: „Die Galerie muss so gestaltet werden, dass Aachen als Oberzentrum gestärkt wird, denn die Grenzen des Wachstums sind erreicht. Das muss beim Mix berücksichtigt werden.” Die Pläne müssten entsprechend aktualisiert werden. Auch auf Verdrängungsprozesse müsse reagiert werden. Der Bereich Markt zum Beispiel müsse städtebaulich aufgewertet werden. Zumal es im Bereich der Adalbertstraße parallel noch andere Entwicklungen gebe: der Ausbau von C&A und die Überlegungen von Peek & Cloppenburg. Das Düsseldorfer Unternehmen hat sich wie berichtet aus der Kaiserplatz-Galerie verabschiedet und will an die Stelle des ehemaligen Wehmeyer/Adler-Gebäudes.

„Entscheidend wird in dem Zusammenhang auch die städtebauliche Anbindung der Galerie”, so Piana. Das und vieles mehr wird jetzt zu thematisieren sein. Bestenfalls nicht auf den letzten Drücker.
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