Aachen - JVA-Prozess: Beamter beschreibt Lage hinter Gittern

JVA-Prozess: Beamter beschreibt Lage hinter Gittern

Von: dpa
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JVA Aachen
Das Aachener Gefängnis macht weiter Negativ-Schlagzeilen. Foto: dpa

Aachen. Der mutmaßliche Fluchthelfer der beiden Gefängnisausbrecher Michael Heckhoff und Peter Paul Michalski hat eine Mischung aus Mitgefühl und Frust als Gründe für seine Tatbeteiligung genannt.

Im Prozess vor dem Landgericht Aachen hieß es am Dienstag in einer vom Verteidiger verlesenen Erklärung, der JVA- Bedienstete habe Heckhoff gut leiden und ihn und seine Fluchtwünsche verstehen können. Gleichzeitig zeichnete der 40-jährige Familienvater ein desolates Bild der Zustände in dem Aachener Gefängnis. Er selbst sei durch die Arbeitsbedingungen krank geworden. Der Gefängnisausbruch sei auch für ihn eine Art Befreiung gewesen.

Im November 2009 soll der JVA-Beamte Heckhoff und Michalski mit Waffen ausgestattet und ihnen die Türen aus dem streng gesicherten Gefängnis in die Freiheit geöffnet haben. Auf der Flucht brachten die beiden zu lebenslangen Freiheitsstrafen verurteilten Schwerkriminellen mehrere Menschen in ihre Gewalt, bis sie wenige Tage später geschnappt wurden. In der Erklärung des JVA-Beamten hieß es, weder die Waffenübergabe kurz vor der Flucht noch eine Belohnung für seine Mithilfe seien vorher mit Heckhoff und Michalski abgesprochen gewesen. Nach seinen Worten gibt es im Aachener Gefängnis nach wie vor Sicherheitslücken und Fluchtmöglichkeiten.

Er selbst habe sich bei seinem Dienst von Vorgesetzten „im Stich gelassen gefühlt”. Aber auch Gefangene seien von der Gefängnisleitung hingehalten oder bewusst über Lockerungen ihres Vollzugs getäuscht worden. Heckhoff sei so einer gewesen. Er habe den Mann mit dem „legendären Ruf als Schwerverbrecher” verstehen können, als der im Knast gesagt habe: „Ich will hier nicht sterben.”

Laut der schriftlichen Einlassung zur Sache hatte sich der JVA- Beamte mehrfach erfolglos um eine andere Stelle bemüht, sowohl innerhalb als auch außerhalb des Gefängnisses. „Ich kam mit den Belastungen dort nicht mehr klar. Ich wollte nur noch raus da.” Dass die Flucht letztlich unblutig zu Ende gegangen ist, darüber sei er heilfroh. „Ich habe Falsches getan. Aber ich habe den JVA-Dienst hinter mich gebracht und ich habe erkannt: Es war für mich auch eine Befreiung.”

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