JVA-Ausbrecher hatte Gaspistole in seiner Zelle

Von: Oliver Schmetz und Stephan Mohne
Letzte Aktualisierung:

Aachen. Der Aachener Gefängnisausbrecher Michael Heckhoff hatte offenbar schon vor der Flucht aus der Aachener JVA Ende November eine Gaspistole in seiner Zelle. Direkt nach dem Ausbruch, bei dem er und Peter Paul Michalski zwei weitere Schusswaffen an sich brachten, warf er diese weg.

Die Gaspistole wurde vorige Woche nahe der Justizvollzugsanstalt von den Ermittlern in einem Gebüsch gefunden. Dies bestätigte am Montag Oberstaatsanwalt Robert Deller auf Anfrage. Die Waffe sei außerdem mit Gasmunition geladen gewesen, erklärte er. Heckhoff habe erst vor einigen Tagen in einem Verhör offenbart, dass er bereits hinter Gittern eine Schusswaffe besessen habe.

Diese habe er von einem Justizvollzugsbeamten erhalten, erklärte der Schwerverbrecher laut Deller den Ermittlern. Den Namen des Beamten wollte er ihnen demnach allerdings nicht verraten. Ob es in dieser Hinsicht Anhaltspunkte oder Verdachtsmomente gegen den 40-jährigen JVA-Beamten gebe, der kurz nach dem Ausbruch wegen des Verdachts der Fluchthilfe festgenommen worden ist, bestreitet Deller.

„Von derartigen Vermutungen kann überhaupt nicht die Rede sein.” Vom Verdächtigen selbst ist dazu auch nichts zu erfahren. Er schweige nach wie vor, erklärte der Oberstaatsanwalt.

Die Leiterin der Aachener JVA, Reina Blikslager, erfuhr am Montag erst durch die Anfrage der AZ von Heckhoffs Waffenbesitz hinter Gittern und wollte sich dazu nicht weiter äußern. „Das sind Ermittlungsergebnisse, die ich nicht kommentieren kann.” Grundsätzlich würden die Bediensteten der JVA beim Betreten der Haftanstalt jedoch nicht auf Waffen oder Drogen durchsucht, erklärte die Anstaltsleiterin. Es gebe auch „keinerlei Zufalls- oder Verdachtskontrollen” bei Mitarbeitern.

NRW-Justizministerin Roswitha Müller-Piepenkötter (CDU) mochte gegenüber der AZ die aktuelle Entwicklung nicht bewerten. Sie wolle erst die Ermittlungen der Staatsanwaltschaft abwarten, sagte sie. Generell habe man aber schon mehrfach über Eingangskontrollen für JVA-Bedienstete nachgedacht. Bloß: „Dann müsste sich ja jeder Bedienstete bis auf die Unterhose ausziehen, und das würde ein Betriebsklima schaffen, das nicht erstrebenswert ist.”

Die beiden Schwerverbrecher Heckhoff und Michalski waren am 26. November aus der JVA Aachen ausgebrochen und hatten insgesamt fünf Personen als Geiseln genommen, ehe sie nach mehrtägiger Jagd von einem Großaufgebot der Polizei in Mühlheim und Schermbeck festgenommen werden konnten.
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