JVA-Ausbrecher: Harter Kampf gegen die Gutachterin

Von: Wolfgang Schumacher
Letzte Aktualisierung:
Ausbrecherprozess 2211
Der Gefängnis-Ausbrecher Michael Heckhoff hat sich in seinen mittlerweile 33 Haftjahren nach Einschätzung der Gutachterin Annette Rauch nicht gebessert. Darum machte Heckhoff ihr am Montag schwere Vorwürfe. Foto: dpa

Aachen. Der Befangenheitsantrag gegen die forensische Gutachterin im JVA-Ausbruchsprozess ist am Montag abgelehnt worden. Hans Günter Görgen, Vorsitzender Richter der 8. Großen Strafkammer am Aachener Landgericht sah kein Indiz für die Befangenheit der Psychiaterin Annette Rauch.

Sie habe im Vorfeld keine Angst vor ihrem Probanden Heckhoff gezeigt. „Sie verschließt sich auch nicht positiven Entwicklungen bei dem Angeklagten”, begründete der Richter die Ablehnung des Antrages.

„Sie sind nicht fair”

Das sah der beinahe verzweifelt klingende Angeklagte völlig anders. „Sie sind nicht fair”, schleuderte der aufgebrachte Geiselnehmer Michael Heckhoff (51) der Gutachterin Rauch ins Gesicht. Und: „Ich bin eben kein Kachelmann, der sich vier Gegengutachter leisten kann! Ich muss eben mit der Frau Doktor leben!” Seine Schimpftirade wollte kein Ende nehmen: „Die Frau Dr. will mich hier versenken. Sie tut so, als ob ich im Fell hier sitze und eine Keule in der Hand trage. Ich verstehe die Fremdworte nicht, aber ich verstehe, dass sie mich vernichten will!”

Mit vollem Einsatz kämpfte der Angeklagten Heckhoff nicht so sehr gegen ein harte Strafe für die Verbrechen, die er gemeinsam mit Peter Paul Michalski auf der Flucht beging. Hauptbefürchtung der Kriminellen ist die Verhängung einer zweiten Sicherungsverwahrung, die die beiden Aachener JVA-Ausbrecher bis an ihr Lebensende hinter Gitter verbannen würde. Genau das wollen beide Verbrecher, die seit etwa drei Jahrzehnten einsitzen, nun doch nicht.

Heckhoff baut auf seine, wie er es sieht, bereits 16 Jahre andauernde „gute Führung” in den Haftanstalten, trotz Flucht. Das habe Rauch nicht berücksichtigt. Auch ein Gutachten des Psychologen Professor Michael Steinmeyer sei in ähnlichem Maße fehlerhaft, wie das Gutachten der Psychiaterin parteiisch, schimpfte Heckhoff-Anwalt Rainer Dietz.

Gutachterin Rauch stellte sich energisch der Befragung und konterte, sie habe schließlich „klinische Befunde” erhoben und bei Heckhoff hohe Psychopathiewerte und einen Hang zu Verbrechen festgestellt - also dem Gericht die Maßregel der Sicherungsverwahrung empfohlen. Die jahrelange Einzelhaft und die verschärften Haftbedingungen, gab sich der Strafgefangene einsichtig, seien anfangs sicher mit Recht verhängt worden. Aber später gelte das eben nicht mehr, rief der 51-Jährige mit einem beinahe verzweifelten Blick zum Vorsitzenden Richter aus.

Am Donnerstag wird es einen weiteren Befangenheitsantrag geben, bevor der Prozess dann möglicherweise in seine Endphase eintritt.
Leserkommentare

Leserkommentare (0)

Sie schreiben unter dem Namen:



Diskutieren Sie mit!

Damit Sie Artikel kommentieren können, müssen Sie sich einmalig registrieren — bereits registrierte Leser müssen zum Schreiben eines Kommentars eingeloggt sein. Beachten Sie unsere Diskussionsregeln, die Netiquette.

Homepage aktualisiert

Finden Sie jetzt neue aktuelle Informationen auf unserer Startseite

Wieder zur Homepage

Die Homepage wurde aktualisiert