JVA: Angeklagter erst frei, dann aber doch nicht

Von: Oliver Schmetz und Stephan Mohne
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Einen Blick in einen Trakt der JVA Aachen gewährt dieses Archivbild. Die Justizvollzugsanstalt steht seit dem Ausbruch zweier Insassen im Fokus der Öffentlichkeit. Foto: dpa

Aachen. Der Prozess um den Aachener JVA-Ausbruch ist um ein kurioses Kapitel reicher: Mittags hatte die 8. große Strafkammer um Vorsitzenden Hans Günter Görgen den Angeklagten JVA-Beamten Michael K. auf freien Fuß gesetzt.

Die völlig entsetzte Staatsanwaltschaft legte sofort Beschwerde ein. Nachmittags klickten auf Geheiß des Oberlandesgerichts Köln erneut die Handschellen - und K. landete vorerst wieder im Knast.

Überraschende Wende

Ein Jahr und einen Tag hatte Michael K. dort gesessen, wo er früher arbeitete: hinter Gittern. Er soll den Schwerverbrechern Michael Heckhoff und Peter Paul Michalski zur Flucht verholfen haben. Am Mittag die überraschende Wende: Die Kammer gab gegen 10.000 Euro Kaution einem Haftverschonungsantrag der Rechtsanwälte von Michael K. statt.

„Ich kann mir nicht erklären, was das zum jetzigen Zeitpunkt soll”, sagte Robert Deller, Sprecher der Aachener Staatsanwaltschaft anschließend auf Anfrage. Schließlich sei der Prozess mit über 30 Verhandlungstagen bereits weit fortgeschritten. Für Deller ist eine Fluchtgefahr - ein Grund für Untersuchungshaft - weiterhin gegeben: „Es stehen nicht unerhebliche Haftstrafen im Raum - und der Angeklagte weiß als JVA-Beamter, was ihn hinter Gittern erwartet.”

Thomas Gros, Verteidiger von Michael K., sagte hingegen, es habe bei der Entscheidung auch die Verhältnismäßigkeit eine Rolle gespielt. Der Angeklagte ist seit Prozessbeginn im Mai geständig, bis zu einem rechtskräftigen Urteil könne es aber Herbst 2011 werden. Tatsächlich verzögert sich das Verfahren derzeit weiter, mit einem Urteil ist wohl erst im nächsten Jahr zu rechnen. Am Montag wurde nur knapp 20 Minuten verhandelt, als wegen eines Heckhoff-Antrags die Verhandlung bis zum 16. Dezember unterbrochen wurde. K. wird an den Prozesstagen aus der JVA Wuppertal nach Aachen und wieder zurück gebracht. Zudem, so Gros, gebe es feste familiäre Bindungen.

Nach dem Spruch verließ K. den Gerichtssaal zunächst als freier Mann. Doch dann trat das OLG auf den Plan. Dies will sich zunächst selbst ein Bild machen, bevor es über Haftverschonung entscheidet. Und so lange habe K. hinter Gittern zu bleiben.
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