Juwelier-Überfall „wie ein vollendeter Mord“: Lebenslänglich

Von: Wolfgang Schumacher
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Juwelierüberfall
Der Tatort nach dem Überfall: Mehr als sechs Jahre nach der Tat ist Vasilica M. zu lebenslanger Haftstrafe verurteilt worden. Foto: Ralf Roeger

Aachen/Düren. Es war ein Prozess, der an die Nerven ging. Umso mehr bemerkte ein jeder das Aufatmen im Schwurgerichtssaal des Aachener Landgerichts, als der Vorsitzende Richter Roland Klösgen ein für die Familie der beiden Opfer durchweg angemessenes Urteil sprach.

Denn es ist nicht selbstverständlich, dass für eine Tat, die als versuchter Mord angeklagt ist, so wie im vorliegenden Überfall auf ein Dürener Juwelierehepaar, eine lebenslange Haftstrafe ausgesprochen wird. In diesem Fall aber von so brutaler Vorgehensweise sah das Gericht in der rund einstündigen Urteilsbegründung die lebenslange Haft als tat- und schuldangemessen an, sah aber auf der anderen Seite wegen des Geständnisses von Vasilica M. von einer „Feststellung der besonderen Schwere der Schuld“ ab.

Über mehrere Verhandlungstage hatte die Familie des Juwelierehepaares, das bei dem brutalen Überfall 73 und 74 Jahre alt war und beinahe getötet wurde, dem Prozess beigewohnt. Die beiden Töchter saßen als Nebenklägerinnen auf der Seite der Anklage.

Auf der anderen Seite saß jener Vasilica M., der als Schaustellerhelfer im Sommer 2010 in Düren „hängen“ geblieben war und dem anscheinend die Finanzen ausgegangen waren. Im Park habe er übernachtet, hatte er der Kammer berichtet. Da habe er des Nachts das Ehepaar in ihrem Wohn- und Geschäftshaus gesehen, dazu „das Gold“ in den Auslagen. Dann habe er beschlossen, dort einzusteigen spontan also, wie er glauben machen wollte.

Bisheriges Leben ausgelöscht

Das hielt das Gericht für eine schlichte Lüge. Der brutale Überfall sei geplant gewesen, mindestens ein Mittäter war mit von der Partie, Kabelbinder und Werkzeug sei vorher besorgt worden. Die Polizei hatte Faserspuren von zwei verschiedenen Jeanshosen gefunden. Zwar habe man sich da noch nicht vorgenommen, das Ehepaar aus dem niedrigen Motiv der Habgier heraus zu töten.

Doch die brutale Gewalteinwirkung gegen das Ehepaar komme einem Mord gleich, das Leben der lebensfrohen Eltern und Großeltern in der bisherigen Form war ausgelöscht, stellte Richter Klösgen fest. Beide erlitten schwerste Kopfverletzungen. Sie liegt bis heute im Wachkoma, er lebt im Rollstuhl.

So sprachen die Nebenklageanwälte, Christoph Rühlmann und Ute Maria Stockheim im Namen der Familie nach dem Urteil davon, dass „die Angehörigen jetzt sehr erleichtert“ seien. Man sei froh, dass der Täter endlich nach mehr als sechs Jahren gefasst und verurteilt sei. Rühlmann fügte hinzu: „Vielleicht besinnt er sich in der Haft noch und nennt uns seine Mittäter“.

Mit dem Satz „ohne Leben ist alles nichts“ hatte der Richter die Urteilsverkündung begonnen und ausgeführt, dass die Vernichtung dieses höchsten Rechtsgutes auch mit der höchsten Strafe, in Deutschland lebenslange Haft, belegt werden müsse. Der doppelte Mordversuch an dem Ehepaar sei einem vollendeten Mord gleichgekommen. 

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