Justizforum zeigt: Welt der Fußballer ist auch Welt der Juristen

Von: Roman Sobierajski
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Juristen unter sich: Cornelia Kriebel, Präsidentin des Sozialgerichts, begrüßte die Sportrechtsexperten Professor Udo Steiner (rechts) und Dr. Helmut Reitz zur Reihe „Recht im Zentrum”. Foto: Andreas Steindl

Aachen. „Es sind nicht die Juristen, die dem Sport Probleme aufdrängen, sondern es ist der Sport, der nach den Juristen ruft, um seine Probleme zu lösen.” Diese zentrale These hat der frühere Bundesverfassungsrichter Professor Udo Steiner beim Thema Sportrecht in der Reihe „Recht im Zentrum” formuliert, ausgerichtet vom Sozialgericht Aachen und unserer Zeitung.

Mit feiner Ironie zeigte der 71-Jährige auf, dass der Sport in fast all seinen Facetten in der Welt der Juristen angekommen ist. Das Spielfeld umfasst so gut wie alle juristischen Teilbereiche und Ebenen. Der Europäische Gerichtshof fällt Entscheidungen zum Arbeitsrecht und zur Antidiskriminierung - das legendäre Bosman-Urteil zum Wechsel von Profi-Fußballern und Beschränkung der einsetzbaren Ausländer.

Auf nationaler Ebene „lässt der Staat Soldatinnen als Biathletinnen verkleidet laufen, schießen und siegen”, schließe durch Einbürgerung eigene Leistungslücken und sichere große Sportereignisse durch Polizisten, Polizeipferde und Polizeihunde”, formulierte das Mitglied des ständigen Schiedsgerichts der Fußball-Bundesligen fröhlich.

Ein einzelnes Fußballspiel bietet rund 220 konfliktfähige Zweikampf- und 40 Abseitsentscheidungen des Schiedsrichters, bandenmäßige Manipulationen von Sportwetten eröffnen den Juristen ebenso ganz neue Betätigungsfelder wie der Antidoping-Kampf.

Dass die Staatsanwaltschaften sich in schöner Regelmäßigkeit nicht mit der Ahndung von Körperverletzungen nach sportlichen Zweikämpfen befasse, hänge, sagt Professor Steiner, mit der eigenen Sportgerichtsbarkeit zusammen, die sich der staatlichen Rechtsordnung angepasst habe.

Auch der Amateur- und Breitensport kann sich rechtlich relevanten Fragen nicht entziehen. „Welches Risiko trägt ein ehrenamtlicher Trainer einer gemischten Kindergruppe?”, wollte einer der Zuhörer vom Aachener Rechtsanwalt Helmut Reitz wissen. Das Mitglied in der Arbeitsgemeinschaft Sportrecht im Deutschen Anwaltverein, das im Anschluss an den Vortrag Fragen des Publikums beantwortete, klärte auf, wie umfassend die Verantwortung ausgelegt werden kann. „Aber gehen wir zu stark in die Haftung, dann werden wir niemanden mehr finden, der sich einbringt”, sekundierte ihm Professor Steiner. „Ehrenamtliches Engagement ist ein starkes Stück Deutschland.”

Missetäter unter den Zuschauern von Sportveranstaltungen (Beleidigung, Körperverletzung) können sich der Strafverfolgung durch den Rechtsstaat und den Sportverband sicher sein (Stadionverbot), Missetäter unter den Funktionären werden durch die Sportgerichtsbarkeit abgestraft. Dass die Klagewut im Amateurbereich geringer ausfällt als bei den Profisportlern, sei, sagt Reitz, auch eine Frage der anfallenden Kosten, etwa für den Rechtsanwalt.

Auch wenn der Sport immer ausufernder zum Tummelplatz für Richter und Staatsanwälte wird, gab Professor Steiner allen „Leuten, die sich den Luxus leisten, nicht Jurist zu sein” dennoch ein fast beruhigendes Schlusswort mit auf den Weg. „Der tröstliche Befund ist: Der Sport darf mit Ungerechtigkeiten leben, weil sich daraus die Legenden bilden. Und ein Sport ohne Legenden wäre ein Sport ohne Spannung.”
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