Juristisches Gerangel um einen Mercedes

Von: Marlon Gego
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Stolberg/Hamburg. Der Streit um den alten Mercedes könnte schon seit Wochen beigelegt sein, stattdessen fängt er jetzt erst richtig an. Der Stolberger Unternehmer Michael Prym und die niederländische Firma Surplus können sich nicht darüber einigen, wem der Mercedes 500 K Roadster von 1935 gehört, weswegen zwei weitere diesbezügliche Gerichtsverfahren im Gang sind, eines in Hamburg, eines in Aachen.

Es geht um mehrere Millionen Euro, die das Auto heute Wert ist, und vor allem darum, wer der rechtmäßige Eigentümer ist. Prym oder die niederländische Firma.

Pryms Großvater Hans Friedrich, der mit der Weiterentwicklung des Druckknopfs in Stolberg ein Nähartikel-Imperium aufgebaut hatte, gab für das Auto 1935 genau 15.000 Reichsmark aus. In den letzten beiden Jahren des Zweiten Weltkrieges, glaubt Enkel Michael Prym, habe das Auto vor seinem Verschwinden bis zum Herbst 1944 in einer Garage an der Zweifaller Straße in Stolberg gestanden. Als amerikanische Soldaten nach ihrem Einmarsch die Villa der Familie Prym besetzten und dort in der Nähe des Werksgeländes ihr Quartier errichteten, sei der Mercedes entdeckt und über Nacht gestohlen worden. Als die Alliierten abzogen und Hans Friedrich Prym in sein Heim zurückkehrte, war der Mercedes weg.

Bis Sommer 2011 hatte Michael Prym keine Ahnung, was aus dem Wagen geworden sein könnte. Dann stieß seine Frau im Internet auf eine Auktion in Kalifornien, bei der ein Mercedes 500 K Roadster, Baujahr 1935, versteigert werden sollte. Wie sich herausstellte, war es das Auto von Pryms Großvater.

Michael Prym intervenierte beim Auktionshaus, das sich allerdings nicht für Pryms Besitzansprüche interessierte. Das Auto wurde für 3,8 Millionen Dollar (etwa drei Millionen Euro) an die niederländische Firma Surplus verkauft. Ein halbes Jahr später, im März 2012, bot Surplus den Mercedes über einen Hamburger Oldtimerhändler bei einer Automesse in Essen wieder zum Verkauf an, für 4,9 Millionen Euro. Prym erfuhr davon, schaltete das Amtsgericht Essen ein und ließ den Mercedes von einem Gerichtsvollzieher beschlagnahmen. Seitdem steht der Wagen in einer Spezialgarage in Düsseldorf. Und zwar so lange, bis die Eigentumsverhältnisse endgültig geklärt sind.

Gegen diese Beschlagnahmung klagte Surplus. Am Mittwoch nun bestätigte das Oberlandesgericht Hamburg in letzter Instanz, dass die Beschlagnahmung rechtens war. Der Wagen bleibt in Düsseldorf. Der Richter hatte im Rahmen der Verhandlung einen Vergleich vorgeschlagen: Mercedes verkaufen, Gewinn aufteilen. Zwei Drittel für Surplus, ein Drittel für Prym. Alle Verfahren hätten sofort beendet werden können. Das In Hamburg, wo Prym von Surplus die Herausgabe des Autos verlangt, und das in Aachen, in dem Surplus von Prym die Herausgabe des Autos verlangt.

Michael Prym stimmte dem Vergleich zu, Surplus nicht, die Streiterei vor Gericht geht weiter. Wahrscheinlich ist, dass sich die Landgerichte Hamburg und Aachen darüber verständigen, dass zunächst nur eines der beiden Verfahren begonnen wird. Da nach einem Urteil eines der beiden Landgerichte Berufung und gegen ein zweitinstanzliches Urteil eines Oberlandesgerichtes Revision am Bundesgerichtshof eingelegt werden könnte, ist es wahrscheinlich, dass es noch Jahre dauert, ehe geklärt ist, wem der Mercedes denn nun gehört.

Prym sagte am Mittwoch jedenfalls: „Das Urteil des OLG Hamburg ist eine bahnbrechende Bestätigung meiner Rechtsauffassung. Aber leider nur ein Anfang.“

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