Juristische Schritte in der Noten-Affäre

Von: Angela Delonge
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Aachen. In der Noten-Affäre um die verschwundenen Klausuren des früheren RWTH-Lehrbeauftragten Armin Laschet droht weiteres Ungemach. Nach Informationen unserer Zeitung haben mehrere Studenten des Masterstudiengangs Europastudien (MES) einen renommierten Bonner Rechtsanwalt eingeschaltet, um gegen die von der RWTH Aachen angeordnete Annullierung ihrer Prüfungsnoten juristisch vorzugehen.

Studenten und Absolventen des MES-Studiengangs legen den betroffenen Kommilitonen außerdem nahe, ihre Einwände gegen die Amtsführung der ehemaligen Geschäftsführerin, Johanna Holst, und gegen den Vorsitzenden des Prüfungsausschusses, Thomas Niehr, gerichtlich klären zu lassen.

Mitte Juli soll die Klausur nachgeschrieben werden. Allerdings konnte nach Recherchen unserer Zeitung bislang noch kein Dozent gewonnen werden, der die Klausur betreuen will. Ein Grund dafür könnte sein, dass keiner der in Frage kommenden Dozenten weiß, was das Seminar von Armin Laschet genau zum Inhalt hatte und worauf die Klausur auszurichten ist. Die Studenten trifft diese Unsicherheit während der Arbeitsphase an ihren Masterarbeiten. Um einen Klausurerfolg zu gewährleisten, wird intern offenbar auch überlegt, das gesamte Seminar als neue Veranstaltung anzubieten. Dies würde aber manchem Studenten nicht ermöglichen, sein Studium fristgerecht abschließen zu können.

Das Hin und Her der RWTH, was die Anerkennung der Prüfungsleistung und die Transparenz der Entscheidungen betrifft, verbittert Studenten wie Dozenten. Studenten rufen deshalb alle MES-Dozenten auf, ein öffentliches Zeichen zu setzen, um den guten Ruf des Studiengangs zu retten. „Die übergroße Mehrheit der MES-Lehrenden war und ist uns ein Vorbild“, heißt es in einem Schreiben von MES-Studenten und -Absolventen an unsere Redaktion. Die Koordinierungsstelle habe bezüglich der verschwundenen Klausuren „keinen Fehler“ begangen, auch wenn die Darstellung der Hochschule gegenüber dem Wissenschaftsministerium anderes besage. Nach Ansicht der Studenten trägt das Vorgehen vielmehr die Handschrift von Dekanin Christine Roll, die „über eigene Erfahrungen mit verschwundenen Klausuren verfüge“, wie es in dem Schreiben heißt. Die Dekanin der Philosophischen Fakultät bestreitet diesen Vorwurf: „Einen solchen Vorgang hat es nicht gegeben.“

Hintergrund des studentischen „Wunschs nach Rehabilitierung“ ist ein handfester Streit, der seit mehreren Jahren zwischen Studenten und Studiengangsleitung tobt. Mehrmals haben die Studenten die Absetzung von Armin Heinen gefordert, der den Studiengang seit 1999 leitet.

Bereits vor zwei Jahren hatten Studentenvertreter ihre massiven Bedenken gegen den Studiengangsleiter dem Prorektor der RWTH schriftlich mitgeteilt. In diesem Schreiben, das unserer Zeitung vorliegt, wird dem 63-jährigen Heinen vorgeworfen, er mache „schlechten Unterricht“, „handele Zensuren mit den Studenten aus“ und mache den Studiengang und die RWTH zum „Gespött“. Darüber hinaus ist von „charakterlichen und fachlichen Unzulänglichkeiten“ Heinens die Rede. Heinen wollte zu diesen Vorwürfen gestern keine Stellung nehmen.

Trotz eines Mediationsgesprächs beim Rektorat blieb mehr Miss- als Gleichklang. Als 2013 dann auch noch das Angebot der Aachener Karlspreisstiftung, für den MES einen eigenen Lehrstuhl zu finanzieren, abgelehnt wurde, lief das Fass der Empörung unter den Studenten über. Jürgen Linden, der Vorsitzende der Karlspreisstiftung, sagt: „Wir hätten hochrangige europäische Politiker zu Vorlesungen bewegen können, aber das Interesse der RWTH schien nicht besonders groß zu sein.“

Auch mit der Rolle der seit Herbst amtierenden Dekanin sind die Studenten nicht zufrieden: Sie bereiten eine Dienstaufsichtsbeschwerde gegen Dekanin Roll vor.

In der heutigen Fakultätsratssitzung sollen Studiengangsleiter Heinen und Dekanin Roll ein neues Konzept für den MES-Studiengang vorstellen. Die Studentenvertreter sind dabei nur zu einem Punkt der Tagesordnung geladen, um ihre Sicht darzulegen. Anfragen unserer Zeitung an die Pressestelle der RWTH bezüglich der Zukunft des Studiengangs sind seit fast einer Woche unbeantwortet.

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