Junge Intensivtäter werden gesondert betreut

Von: Christina Merkelbach
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Weihnachten im Jugendknast
Hinter einem Weihnachtsstern sieht ein jugendlicher Häftling aus seiner Zelle. Foto: dpa

Aachen. Ins KK 14 kommt man als Besucher nicht einfach mal so hinein. An der Türe ist eine Klingel. Wer sie drückt, wird von einem Beamten abgeholt. Das Kriminalkommissariat ist zuständig für sogenannte Juhit, das ist die Kurzform für jugendliche und heranwachsende Intensivtäter.

Um sie von ihrem kriminellen Weg abzubringen, gibt es in Aachen seit vier Jahren ein Intensivtäter-Programm. Auch dort kommt man nicht einfach mal eben so hinein. Laut Definition muss man innerhalb eines Jahres fünf Mal massiv gegen das Gesetz verstoßen haben.

2006 haben sich die Kreispolizeibehörden Aachen, Heinsberg, Euskirchen und Düren und die Staatsanwaltschaft Aachen darauf geeinigt, jugendliche Intensivtäter gesondert zu behandeln. Die 14- bis 21-Jährigen sollen vor einer kriminellen Karriere bewahrt werden, die unweigerlich im Gefängnis endet. Das Konzept, das jede Behörde für sich umgesetzt hat, soll abschrecken und auch dafür sorgen, dass sich die Bevölkerung sicherer fühlt.

Erst vor ein paar Wochen hatte in Würselen ein 15-Jähriger einen 14-Jährigen bedroht und verlangt, er solle ihm sein Handy geben. „Abziehen” heißt das im Jugendjargon. Andere Jugendliche hatten das beobachtet und die Polizei gerufen. Diese stellte den Täter kurze Zeit später mit seiner Beute. Die Beamten vom KK 14 kennen den 15-Jährigen. Er gehört zu den 75 Intensivtätern, die zurzeit von Aachen aus betreut werden. In Düren und Jülich sind es insgesamt zehn, bei der Kreispolizeibehörde Heinsberg 21. Ein eigenes Kommissariat gibt es allerdings nur in Aachen. Bei der Mehrzahl der aktuellen Intensivtäter in der Region handelt es sich um Männer. Nur in Aachen sind drei Frauen darunter.

Helmut Laschet leitet das KK 14 und erklärt, wie die Beamten dort arbeiten. Mit einem Punkteraster ermitteln sie Jugendliche, die überdurchschnittlich häufig auffallen. Raub, wozu auch das „Abziehen” gehört, wird mit fünf Punkten vermerkt. Für Einbruch und gefährliche Körperverletzung gibt es jeweils drei Punkte. „So können wir ermitteln, welches Kriminalitätspotenzial die Täter haben”, sagt Helmut Laschet.

Wenn die Polizei mit Hilfe ihres Punktesystems ein Täterprofil erstellt hat, spricht sie mit dem Jugendlichen, seinen Eltern und oft auch mit Lehrern. In diesen Gesprächen fallen deutliche Worte. „Wir lassen keinen Zweifel daran, dass dem Heranwachsenden Haft droht, wenn er so weitermacht”, sagt Laschets Vertreter Ralf Behra. Auf der Liste des Kommissariats zu stehen sei „nicht cool”. Manche würden das leider so verstehen.

Schnelles Gerichtsverfahren

Zum Programm gehört auch, dass es schneller zum Gerichtsverfahren kommt. „Die Täter sollen merken, dass die Konsequenz unmittelbar auf ihr Tun folgt”, erklärt Ralf Behra. Seit es das Konzept gibt, hat sich die Zeit zwischen Tat und Verfahren im Durchschnitt halbiert. Zeit, in der die Jugendlichen neue Straftaten begehen konnten. Auch die Wege zum Jugendamt, zur Jugendgerichts- oder Bewährungshilfe sind kurz. „Wir wollen die Jugendlichen vor allem von der Gewalt abbringen”, sagt Helmut Laschet.
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